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▶ Mit dem Ranger dem Wolf auf der Schliche

Carwitz / Lesedauer: 4 min

Der Wolf fasziniert und polarisiert. Längst ist das Raubtier auch in der Feldberger Region angekommen. Bei einer Führung war zu erfahren, was die Wölfe dort fressen.
Veröffentlicht:25.08.2021, 16:23

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Was ist dran an den Geschichten um den Wolf, der seit einigen Jahren auch in der Mecklenburgischen-Seenplatte wieder heimisch ist? Das haben sich die rund 30 Teilnehmer einer Wolfswanderung in dieser Woche im Naturpark Feldberger Seenlandschaft gefragt. Antworten bekamen sie von Naturpark-Ranger Axel Griesau und FÖJler (Freiwilliges Ökologisches Jahr) Bastian Rieck, die die Leitung der Tour übernommen hatten.

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Griesau und drei Mitarbeiter sind für das Umwelt-Monitoring im 345 Quadratkilometer großen Naturpark zuständig. Sie beobachten die Tiere, ermitteln deren Bestände und konzentrieren sich dabei unter anderem auf den Nachwuchs bei Bibern, Fischottern und eben Wölfen. Zu der zuletzt genannten Tierart entwickelte Bastian Rieck, der das Team der Naturschützer für ein Jahr verstärkt, ein Konzept für Wolfswanderungen. „Bei der ersten Wanderung waren es acht Teilnehmer, bei der zweiten 15 und heute sind es schon fast 30 Mitwanderer. Das freut mich und zeigt, wie groß das Interesse ist“, erklärte Rieck.

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Auf der rund sechs Kilometer langen Tour, vorbei am Krüselinsee und Dreetzsee, vermittelten die Naturpark-Mitarbeiter Wissenswertes zu Flora und Fauna. Im Mittelpunkt stand aber natürlich der Wolf. Im Vorjahr ist in der Feldberger Region das sogenannte Wokuhl-Rudel gesichtet worden. Fünf Welpen wuchsen in dieser sieben bis acht Tiere umfassenden Gruppe auf. Der Aufenthaltsort der Wölfe richte sich in erster Linie nach dem Futterangebot, erklären die Experten. Hauptnahrung seien Dam-, Rot- und Schwarzwild. Und ja, vereinzelt reißen Wölfe auch Nutztiere wie Schafe.

Tiere werden mit einem GPS-Halsband ausgestattet

Bei der Reviersuche sind die Raubtiere flexibel. Nach einem Wurf bleiben Fähe, Rüde und Jungtiere noch rund ein Jahr zusammen. In den ersten drei bis vier Lebensmonaten warten die Jungen an Rendezvousplätzen, wo sie ihr Futter bekommen, auf ihre Eltern. Wölfe gehen in einem Umkreis von bis zu 15 Kilometern auf Beutefang. Später sind die Jungtiere bei der Futtersuche nach und nach dabei.

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Kommt im Jahr darauf ein neuer Wurf auf die Welt, verbeißen die Alttiere die Jährlinge und diese müssen sich ein eigenes Revier suchen. Im Naturpark werde versucht, einzelne Tiere einzufangen und sie mit einem GPS-Halsband auszurüsten, um so die Wanderung der Wölfe nachverfolgen zu können. Wölfe stehen unter Naturschutz und dürfen nur in Ausnahmefällen bejagt werden.

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„Um die Anwesenheit eines Wolfsrudels nachzuweisen, wird in den meisten Fällen das Spurenbild auf Sandwegen über größere Entfernungen zu Hilfe genommen“, erklärt Rieck. Sind vier Tritte auf einer Länge von 140 bis 160 Zentimetern zu sehen und vor dem Pfotenabdruck deutliche Vertiefungen durch die Krallen erkennbar, seien es höchstwahrscheinlich Wolfsspuren. Die Spur führt oft geradeaus. Der Wolf läuft im geschnürten Trab und setzt dabei die Hinterpfote auf den Abdruck der Vorderpfote. Da der Wolf ein sehr scheues Tier ist, bekommen Menschen ihn nur selten zu sehen. Bastian Rieck hatte dieses Glück schon einmal. „Bei einer Rast im Wald sah ich ihn plötzlich in einer Entfernung von 300 Metern. Er blieb stehen, nahm Witterung auf und lief dann weiter. Ich konnte sogar noch ein kurzes Video aufnehmen“, berichtete der junge Naturfreund.

Da auch auf dem Hullerbusch bei Feldberg eine Schafzucht besteht, kam die Frage auf, welche Sicherungsmaßnahmen Nutztierhalter wegen der Wölfe unternehmen. Ein 90 Zentimeter hoher Elektrozaun und Esel in der Herde können helfen, hieß es. Das besondere Verhalten der Esel bei der Annäherung eines Wolfes verunsichere das Raubtier, sodass es meistens weiterziehe.

War die Wanderungen für die Einen eine willkommene Freizeitgestaltung im Urlaub, so haben andere Teilnehmer wie Alfons und Heidrun Ambros aus Neubrandenburg die Tour gezielt aufgesucht. Die beiden waren mit ihren Enkeln gekommen, um bei den Kindern ein wenig mit dem „Rotkäppchen-Syndrom“ und der Angst vorm bösen Wolf aufzuräumen. Am Ende sei es aber auch um die Bewegung im Freien und eine gut geführte Wanderung gegangen.