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Name für neue Straße in Neustrelitz wird noch gesucht

Neustrelitz / Lesedauer: 3 min

Einen Vorschlag gibt es schon, aber der wird es wohl nicht werden. Der Name sei zwar gut gewählt, lasse aber Regionalität vermissen, hieß es.
Veröffentlicht:16.03.2023, 05:23

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Ein Vorschlag lag auf dem Tisch. Der sei auch in Ordnung, hieß es, aber dennoch soll bei der Suche nach einem neuen Straßennamen in Neustrelitz nochmals nachgedacht werden. Es geht dabei um den Weg, der künftig von der Dr.-Schwentner–Straße in ein neues Wohngebiet abzweigen wird. Ein erster Vorschlag lautete zunächst, die noch zu bauende Trasse „Anne–Frank–Straße“ zu nennen.

Vorschlag: Noch mal überlegen

Wünschenswert sei aber ein stärkerer lokaler Bezug, hieß es nun weitgehend übereinstimmend im Ausschuss für Kultur und Tourismus der Stadt Neustrelitz. Dort wurde erstmals über den neuen Straßennamen beraten. „Das soll keine Entscheidung gegen den Namen ‚Anne Frank“ sein“, betonte dabei Ernst–August von der Wense (CDU). Der Name sei gut gewählt und wäre ebenso machbar. Dennoch regte er an, nochmals zu überlegen, ob es nicht Personen gebe mit einem größeren Bezug zur Stadt oder Region.

Stadt will an Opfer des Nationalsozialismus erinnern

Ausschlaggebend müsse dabei bleiben, dass, wie bei Anne Frank, an Opfer des Nationalsozialismus oder an Personen im Widerstand gegen das Nazi–Regime erinnert werde. Denn das war Ansinnen der Stadt, als Anfang der 1990er Jahre im Wohngebiet die Zuwegungen entsprechend benannt wurden. So verlaufen im Viertel die Dr.-Schwentner–Straße, die Rudolf–Vogler–Straße, die Geschwister–Scholl–Straße und die Graf–Blumenthal–Straße. Mit Bernhard Schwentner, Rudolf Vogler und Hans–Jürgen Graf von Blumenthal wird damit unter anderem an drei Neustrelitzer Opfer des Nationalsozialismus erinnert.

Furchtbares Schicksal der Sinti–Kinder

Thomas Kowarik (Fraktion Die Linke) brachte bezüglich der Namensfindung für die neue Straße die Geschichte der Neustrelitzer Sinti–Kinder ins Gespräch. 1943 wurden fünf Sinti–Kinder, Fritz und Paul Wagner, Max Groß und Franz sowie Alex Rose, aus dem Neustrelitzer Kinderheim in das „Zigeunerlager“ Auschwitz–Birkenau deportiert. Sie waren Teil eines größeren Transports von Sinti und Roma gewesen. Die meisten dieser Kinder wurden in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. In Neustrelitz erinnert heute am Kinder– und Jugendhaus in der Tiergartenstraße eine Tafel mit einem Bild von vier der fünf Kinder an ihre Verschleppung. 

Beschluss kann aber noch warten

Ausschussvorsitzender Frank Obermair (CDU) sowie Hannelore Raemisch (Grüne/FDP/PuLS) begrüßten den Vorschlag Kowariks. Der Name Anne Frank sei zwar überregional bedeutend, ihre Geschichte vielen eben auch bekannt. „Im Fall der Sinti–Kinder würde nachgefragt werden, woher der Straßenname kommt“, findet Raemisch. Damit würde ein Schritt gegen das Vergessen ihrer Namen unternommen werden. Laut Bürgermeister Andreas Grund (parteilos) sei man bei der Erschließung des Baugebiets noch in einer frühen Phase, sprich es sei noch genügend Zeit für die Namensfindung. Der Beschluss, der eigentlich für die nächste Stadtvertretersitzung Ende März vorgesehen war, könne noch warten. Die Verwaltung nehme aus dem Ausschuss nun einen Untersuchungsauftrag nach anderen möglichen Straßennamen mit.
Im Plangebiet zwischen der Dr.-Schwentner–Straße und den Kleingärtenanlagen sollen Bauflächen für bis zu 25 Wohnhäuser entstehen. Die Entwurfsplanung fürs neue Wohngebiet wurde bereits im Sommer vor zwei Jahren beschlossen.