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Wie kommt dieses rechtsextreme Magazin ins Supermarkt-Regal?

Feldberg / Lesedauer: 3 min

Im Feldberger Edeka lag vergangene Woche die Zeitschrift COMPACT aus. Sie gilt als gesichert rechtsextrem. Wie gehen Betreiber und Kunden damit um?
Veröffentlicht:08.02.2024, 18:35

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Ein Leser meldete dem Nordkurier, dass im Feldberger Edeka die Zeitschrift COMPACT ausliege. Seit 2021 listet der Bundesverfassungsschutz das Magazin als gesichert rechtsextrem. Der Betreiber bestätigt: „Ja, die Zeitschrift lag hier aus. Die ist automatisch mitgeliefert worden. Ich wusste gar nicht, dass die rechtsextrem ist.“ Er sei erst von einem Kunden auf das Magazin hin angesprochen worden. 

Die Frage ist nicht „rechts“ oder „links“

Anderer Meinung sein und abweichenden Vorstellungen eine Plattform geben zu dürfen, ist Teil des demokratischen Grundversprechens. Wieso also nicht auch Meinungen aus dem rechten oder linken Rand? Was dazu führt, dass der Bundesverfassungsschutz das Magazin COMPACT als rechtsextrem einordnet oder die Zeitung „junge Welt“ als linksextremes Blatt beobachtet, ist die in den Publikationen deutlich werdende, dauerhafte, erkennbar antidemokratische Grundhaltung. 

Geschäftsführer der Compact Magazin GmbH ist Jürgen Elsässer, bekannter Akteur der neurechten Szene. Im Zuge der Correctiv-Recherche wurde bekannt, dass mehrere Autoren des Magazins bei dem Potsdamer Geheimtreffen anwesend gewesen sein sollen. Zahlreiche Vertreiber nehmen, nicht erst seit Bekanntwerden der Recherche, das Magazin aus dem Programm. In den vergangenen Tagen haben nun mit der Eckert-Gruppe und der Valora-Gruppe zwei weitere Vertriebsdienste das Magazin aus dem Sortiment genommen. 

Wie viele andere Unternehmer aus der Region, erklärt der Feldberger Supermarkt-Betreiber, nutze er den Presse-Vertriebsdienst 4Press. Was hier im Portfolio landet, entscheide der Dienst, so eine Kundenberaterin des Unternehmens. Solange es keine rechtlichen Voraussetzungen dafür gebe, dieses oder andere als extremistisch eingestufte Magazine aus dem Programm zu nehmen, läge die Entscheidung darüber, was in der Auslage landet, beim Einzelhändler. Das sei schließlich ein grundgesetzliches Gut. Der Händler habe demgegenüber immer die Möglichkeit, die Zeitschriften kostenfrei zurückzugeben.

Demokratisch oder anti-demokratisch

Woran aber erkennen Shop-Betreiber oder Leser, ob eine Zeitschrift extremistisch und antidemokratisch ist, um das, was man sieht, qualifiziert bewerten zu können und sich nicht nur einfach mitreißen zu lassen? Auf den Seiten des Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V. heißt es sinngemäß, dass populistisch reißerische Aussagen und aus dem Zusammenhang gerissene (historische) Vergleiche, die gegen die demokratischen Grundsätze und Minderheiten Stimmung machten, erste Anzeichen seien, die zur Wachsamkeit aufforderten. Dabei werde häufig Gewalt als Mittel propagiert. 

Ein Blick exemplarisch nur auf das Cover der aktuellen COMPACT-Ausgabe: Die Verwendung des Symbols der schleswig-holsteinischen Landvolkbewegung wird von Beobachtern kritisch gesehen. Schwarze Fahne, weißer Pflug, rotes Schwert. Während der Agrarkrise der 20er Jahre war dies ein Kampfsymbol völkisch-nationaler Bestrebungen. Obwohl zunächst nicht der NSDAP zugehörig, sehen Historiker in der Landvolkbewegung einen wesentlichen Wegbereiter des Nationalsozialismus. Dass die Fahne verwendet wird, findet die Protestbeobachterin und Dokumentarfilmerin Quinka Stoehr geschichtsvergessen. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk erklärt sie: Man wisse ja, wohin der Nationalsozialismus geführt habe und könne dieses Wissen auch nicht abkoppeln von den zugehörigen Symbolen. In dem Interview erklärt sie, dass der Bauernverband und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft sich von der Verwendung dieser Fahne distanzierten. 

Schlussendlich, so der Feldberger Edeka-Betreiber, habe er das Magazin ohne große Bauchschmerzen bedenkenlos entfernt. Seine persönliche Entscheidung als Unternehmer. Das habe er zuvor auch mit einem linksextremistischen Blatt gemacht. „Extremistisches wollen wir hier nicht. Hier soll jeder sein Essen bekommen.“ Sein Supermarkt, betont er, sei ein neutraler Ort.