Zu schnell, zu groß, zu laut

Riesen-Ärger um Lkw-Verkehr auf Bundesstraße

Canow / Lesedauer: 4 min

Urlauber, Radler, Traktoren – immer häufiger wird es auf der engen B122 gefährlich. Und inzwischen kommen noch jede Menge Lkw hinzu, die eine kaputte Brücke auf der B96 umfahren.
Veröffentlicht:26.06.2022, 06:57
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  • Author ImageTobias Lemke
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Kritik an der B 122 gibt es schon länger. Für eine Bundesstraße ist die Allee zwischen Wesenberg und der Landesgrenze zu Brandenburg eigentlich viel zu schmal. Insbesondere wenn sich Laster und Traktoren entgegenkommen. Nun muss die Trasse auch noch zusätzlichen Schwerlastverkehr von der B 96 aufnehmen. Denn ein paar Kilometer weiter östlich ist in Fürstenberg die Tonnage auf der beschädigten Brücke seit einigen Wochen begrenzt. Seitdem ist die Durchfahrt durch die Stadt für schwere Laster tabu.

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Gastwirtin kritisiert rasende Brummi-Fahrer

Bis dato sei alles grenzwertig, aber zu ertragen gewesen. Seit der Tonnagebegrenzung in Fürstenberg würden nun aber Lkw die B 122 fluten, und zwar zusammen mit landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen und einer ebenfalls steigenden Anzahl an Pkw, meldet sich nun Diana Neumann zu Wort. Sie betreibt in Canow – durch den Ort führt die B 122 – das Gasthaus zur Schleuse. Selbst für die nun gestiegenen Verkehrszahlen kann die Touristikerin noch Verständnis aufbringen. „Das ist zwar nervig, aber hinzunehmen. Schließlich ist die Fürstenberger Baustelle ja notwendig. Das wirkliche Problem ist, dass kein einziges Fahrzeug die Geschwindigkeitsbeschränkung in den Orten einhält und das wird mit anziehender Saison immer gefährlicher“, sagt sie.

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Viele Touristen seien mit Fahrrädern auf der Straße unterwegs. „Diese Mischung aus Traktoren, Mähdreschern, Lkw und zunehmend älteren Urlaubern auf E-Bikes bietet ein sehr hohes Potenzial für schwere Unfälle“, findet Neumann. Die Canowerin hat schon mehrmals über die Gemeinde anregen lassen, mehr Verkehrskontrollen anzusetzen. Geblitzt werde aber nur selten. „Ich fürchte, das Kind wird erst in den Brunnen fallen“, so Neumann.

Tempokontrollen nicht überall möglich

Aus Sicht von Wustrows Bürgermeister Heiko Kruse (CDU) hat es keine übermäßige Zunahme an Lkw auf der B 122 gegeben. Jedoch wohne er nicht direkt an der Straße, schränkt er ein. Die Grundsatzkritik an der B 122 teilt er ebenfalls. „Das Ding nennt sich Bundesstraße und hat teils keinen Mittelstreifen“, so Kruse. Die Strecke sei vielleicht nicht im katastrophalen Zustand, aber am Ende eben einer Bundesstraße dann auch nicht würdig. Etliche Male habe die Gemeinde für Wustrow schon Tempo 30 beantragt. Aktuell gilt dieses in Wustrow lediglich an der Kanu-Umtragestelle. In Canow gilt es auf der ganzen Ortsdurchfahrt. Den Ärger um die Missachtung der vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen kann er völlig nachvollziehen. „Wir bemühen uns um Tempokontrollen, allerdings sind da die Möglichkeiten auch eingeschränkt, weil das nicht überall auf der Strecke geht“, sagt er.

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Auf den Ämtern will man von nichts gewusst haben

Auch vom Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg, der die Brücken-Teilsperrung in Fürstenberg angeordnet hat, heißt es, dass bislang die B 122 nicht übermäßig als Ausweichstrecke auffällig geworden sei. Die offizielle Umleitungsstrecke verläuft von Löwenberg über Templin, Lychen nach Fürstenberg. „Die B 122 ist nicht Teil der Umleitungsstrecke“, sagt Steffen Streu, Pressesprecher beim Landesbetrieb. Möglicherweise spiele aber die Baustelle bei Priepert eine Rolle. Dieser Abschnitt werde sonst von mehreren Verkehrsteilnehmern als Abkürzung verwendet, diese suchen sich jetzt Möglichweise andere Wege, vermutet er.

Die Schleusenbrücke in Fürstenberg ist seit Anfang April wegen Schäden am Bauwerk für Schwerlaster über 16 Tonnen gesperrt. Noch steht nicht fest, wann ein Neubau beginnen kann. „Uns liegen erste Ergebnisse vor, für mögliche Lösungen. Diese werden nun ausgewertet, abgewogen und mit den Beteiligten abgestimmt“, klärt Streu über den aktuellen Stand der Dinge auf. Noch in diesem Sommer solle über das weitere Vorgehen informiert werden, kündigt er an.