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Erneuerbare Energien

Solarpark-Investoren stehen in Woldegk Schlange

Woldegk / Lesedauer: 3 min

Wie viele Solarparks verträgt eine Region? In Woldegk sind zwei weitere Solarpark-Interessenten vorstellig geworden.
Veröffentlicht:12.08.2022, 07:39

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Die Stadt Woldegk (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) kann sich derzeit vor Anfragen aus der Solarbranche kaum retten. Nun sind noch zwei weitere Investoren dazugekommen, die jeweils auf privaten Flächen bei Pasenow und bei Mildenitz im Woldegker Gemeindegebiet größere Solarparks bauen wollen. Beide Projektentwickler haben ihre anvisierten Pläne jüngst im Planungsausschuss der Mühlenstadt vorgestellt.

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Grünstreifen um die Anlagen avisiert

Das deutlich größere Vorhaben hat dabei die Genner-Gruppe im Auge. Das Unternehmen aus Ludwigslust hat eine Potenzialfläche von stolzen 90 bis 110 Hektar nördlich von Pasenow ausgemacht, wie Hans-Werner Reimers von der Genner-Gruppe darlegte. Die Firma würde um die Fotovoltaikanlagen einen Grünstreifen anlegen, sodass die Fläche als weniger störend empfunden werde. Der Betriebssitz solle in Woldegk angesiedelt werden, Rücklagen würden für den Abbau am Lebensende der Anlagen gebildet, für eine Bürgerbeteiligung zeige man sich offen.

Deutlich kleiner, aber immerhin noch auf 38 Hektar, würde es der Solarpark bringen, den die MKG Montagebau Karl Göbel GmbH bei Mildenitz plant. Die Firma aus Süddeutschland arbeite mit dem Energieversorger Vattenfall zusammen, wo man sich auf die Fahnen geschrieben habe, unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden, erklärte Frank Arlt, Leiter der Projektentwicklung bei MKG. Auch bei dieser Anlage sei ein Begrünungskonzept vorgesehen, sollen Gewerbesteuer in der Region verbleiben und könne eine Bürgerbeteiligung in Aussicht gestellt werden.

Reihenweise Anfragen

Beide Solarpark-Bauer sind längst nicht die ersten, die in Woldegk an die Tür klopfen. Schon im Vorjahr gab es reihenweise Anfragen, die das Gemeindegebiet der Windmühlenstadt betrafen. Anfang des Jahres wurden in der Stadt daher auch Kriterien erarbeitet, die aus Sicht der Kommune erfüllt sein müssen, damit ein Projekt überhaupt eine Chance bekommt. Genau auf diesen Anforderungskatalog wies Ausschussvorsitzender Hans-Joachim Conrad (CDU) auch nochmals hin. Konkret sprach er die Bodenwertzahl an. Die solle auf infrage kommenden Flächen unter 40 liegen, damit der Landwirtschaft die guten Böden nicht verloren gingen. Mit der Bodenwertzahl wird die Ertragsfähigkeit von Böden angegeben. „Hier sind Flächen mit höherer Punktzahl dabei. Darüber wird zu reden sein“, so Conrad in Richtung des Pasenower Solarprojekts.

Wie viel Fotovoltaik soll es eigentlich sein?

Tatsächlich musste der Vertreter des betreffenden Projekts eingestehen, dass zwar der Durchschnitt der gesamten Fläche bei 35 Punkten liege, es innerhalb des Areals aber einzelne Bereiche mit besseren Böden gebe. Er wolle den Hinweis zur Flächengestaltung mitnehmen, sein Unternehmen werde sich dazu nochmals mit dem Flächeneigentümer besprechen, so Reimers. Andere geforderte Kriterien wiederum, wie etwa die Zusicherung einer Gemeindeabgabe von 0,2 Cent je kWh sollen laut Auskunft beider Investoren erfüllt werden.

„Wollen kein künstliches Meer”

Dennoch: Selbst wenn alle Kriterien erfüllt sein sollten, heißt das noch lange nicht, dass die Projekte von der Stadtvertretung später ihren Segen erhalten. Die Anfragen von fünf oder sechs Investoren für insgesamt mehrere hundert Hektar Solarparks habe man in Woldegk inzwischen auf dem Tisch liegen. Wie also weiter verfahren? „Wir wollen kein künstliches Meer rund um Woldegk schaffen“, äußerte sich Conrad auf Nordkurier-Nachfrage skeptisch. Über den Kriterienkatalog hinaus müsse sich die Stadt daher nochmals „einen Kopf machen“ wie mit der Problematik umzugehen und wie viel Fotovoltaik als verträglich anzusehen sei. Denn es gebe auch die Befürchtung, das am Ende die Bundespolitik bestimmt, sollte man sich gänzlich verschließen.