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Interview

Was diese Stadt in der Seenplatte für die Zukunft erledigen muss

Neustrelitz / Lesedauer: 6 min

Nico Ruhmer ist neuer Baudezernent in Neustrelitz. Mit Tobias Lemke hat er sich über die Strelitzhalle, die Omega–Variante für den Markt und Altstrelitz unterhalten.
Veröffentlicht:24.08.2023, 17:43

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Als Baudezernent habe Sie eine ganz eigene Sicht auf die Stadt, die sie vielleicht noch nicht wie ihre Westentasche, inzwischen aber sicher sehr gut kennen. Was macht Neustrelitz aus?

Die Verbindung aus barockem Stadtkern, die Lage an Seen, der Nationalpark und die Seenplatte vor der Tür, aber vor allem auch die kulturelle und soziale Vielfalt machen Neustrelitz für mich besonders. Darüber hinaus ist es eine sehr aktive und lebendige Stadt. Sie ist für mich sehr lebenswert und ich kann mich sehr gut mit ihr identifizieren. Für die Funktion des Baudezernenten ist eine Identifikation mit der Stadt unabdingbar.  

Wo liegen die Herausforderungen?

Der barocke Stadtkern von Neustrelitz ist eine architektonische Besonderheit, bei der eben stets die Behandlung als Flächendenkmal zu bedenken ist. Es geht darum, diesen Stadtkern als Ganzes zu betrachten und zu sichern. Darüber hinaus gibt es viele Herausforderung, etwa beim Ausbau der Infrastruktur, der Sanierung der Strelitzhalle, bei der Revitalisierung des Zierker Sees oder beim Thema Wohnraum, um nur einige zu nennen.

Gehen wir Schritt für Schritt vor. Bei der Innenstadtsanierung wurde viel geschafft, dennoch gibt es noch unsanierte Häuser. Welche Möglichkeiten bestehen da?

Es gibt noch circa 46 unsanierte Objekte in der historischen Innenstadt, die sich im Privateigentum befinden. Das sind circa 6 Prozent des Gesamtgebäudebestandes in der historischen Innenstadt. Das Sanierungsgebiet besteht nach aktueller Beschlusslage noch bis 2028. Je nach Sanierungsumfang, können die privaten Grundstückseigentümer bis spätestens 2026 Fördermittel beantragen, die bis 2028 abzurechnen sind. Mit Auflösung des Sanierungsgebietes wird es schwieriger werden, Unterstützung anbieten zu können. Unser Stadtplanungsamt geht aber engagiert und proaktiv auf Eigentümer zu, um Situationen zu verbessern. 

Bei einem Sturzregen im vergangenen Herbst ist die Strelitzhalle beschädigt worden.
Bei einem Sturzregen im vergangenen Herbst ist die Strelitzhalle beschädigt worden. (Foto: Tobias Lemke/Archiv)

Und wenn das nichts bringt?

Manche Eigentümer haben kein Interesse und nicht immer die finanziellen Möglichkeiten. Es gibt auch strengere Maßnahmen, bis hin zu einem Modernisierungsgebot. Für so etwas sind die Schranken jedoch hoch und das wurde bislang auch nicht in Erwägung gezogen. Schlussendlich muss man bei solchen Umständen immer Geduld mitbringen und ein gewisser Anteil unsanierter Bauten muss geduldet werden.  

Ein wenig stand bislang der Stadtteil Altstrelitz hinten an. Wie sehen hier die Pläne für die Zukunft aus?

Altstrelitz wird eine der großen Aufgaben der kommenden Jahre werden. Am Alex werden voraussichtlich in den nächsten Wochen die Bauarbeiten beginnen. Außerdem haben wir für Altstrelitz bereits die Erweiterung der Hortkapazitäten durch einen Kita–Neubau und den Neubau der Feuerwehr auf der Agenda stehen. Für die neue Feuerwehr laufen gerade die Baugrunduntersuchungen ab und werden die Planungsleistungen vergeben. Die Stadt ist zudem mit dem Land hinsichtlich der Finanzierung im Gespräch. Für den Kita–Neubau hinter der Sanders–Schule werden derzeit die Grundstücksverhältnisse geklärt. 

Dennoch es sind auch die vielen kleinen Dinge, wie marode Gehwege und Straßen, die am Ende gar nicht so kleine Baustellen darstellen, bei denen sich die Altstrelitzer ein stärkeres Vorankommen wünschen.

Wir arbeiten daran, Altstrelitz ab 2024 ebenfalls zu einem Stadtsanierungsgebiet zu machen. Die Signale vom Land stimmen uns positiv, sodass das auch klappen sollte. Ein Schwerpunkt wird dann auch der Straßen– und Gehwegbau in Altstrelitz werden. 

Sie haben bereits die Herausforderung „Strelitzhalle“ angesprochen. Wie schlimm ist die Lage?

Zunächst wurde nach dem Starkregen im Vorjahr von einem „normalen“ Wasserschaden ausgegangen. Nach der Trocknung drückte aber wieder Wasser in die Halle. Das war der Ausgangspunkt für tiefgründigere Untersuchungen. Bestehende Baugrunduntersuchungen reichten nicht aus.   Kamerafahrten in der Entwässerungsrohren wurden durchgeführt, eine durch Wurzeln verschlossene Abflussleitung ist bereits repariert. 

In der Stadt waren gar schon Unkenrufe zu hören, wonach ein Komplettabriss drohen soll?

Nein, so ist es nun wirklich nicht. Wir sind bestrebt, so gut und so schnell wie möglich die Halle wieder saniert zu bekommen. Wir brauchen aber Klarheit. Erst mit Abschluss der weiteren Baugrunduntersuchungen steht wirklich fest, was gemacht werden muss. Erkannt wurde etwa schon, dass das Drainagesystem nicht optimal arbeitet und komplett erneuert werden muss. Darüber hinaus ist die innenliegende Dachentwässerung ein Schwachpunkt und soll nach außen gelegt werden. 

Wann kann wieder mit einer Nutzung der Halle gerechnet werden?

Die Orientierung liegt auf dem Anfang des Schuljahres 2024/25. Aber wie gesagt, das ist nur eine Orientierung. 

Die Sanierung der Seestraße ist im letzten Drittel angekommen. Die Maßnahme ist eingebettet in das Vorhaben, eine Verkehrsberuhigung auf den Zufahrtsstraßen zum und auf dem Markt zu erreichen. Gibt es schon erste Erkenntnisse?

Daten gibt es noch nicht, die Straße ist ja noch im Bau. Zudem folgt im nächsten Jahr auf die Bauarbeiten in der Seestraße, Glambecker Straße und Bruchstraße noch die Zierker Straße, die das gleiche gesägte Pflaster erhalten wird. Aber unsere Wahrnehmung ist, dass weniger Durchgangsverkehr auf den Straßen unterwegs ist seit Tempo 30 und ein Durchfahrtsverbot für Lkw in der Glambecker Straße gilt. Zudem soll nach Abschluss aller Straßensanierungen eine Omega–Variante auf dem Markt getestet werden.

Können Sie das näher erklären?

Bei der Omega–Variante wird die Fußgängerzone aus der Strelitzer Straße kommend bis auf die Marktmitte erweitert. Der Markt wäre dann kein Kreisverkehr mehr. Wir versprechen uns davon eine Steigerung der Aufenthaltsqualität auf dem Markt. Die Einbahnstraßenregelung in der Töpferstraße würde dann umgekehrt. Eine weitere Veränderung der Verkehrsführung betrifft die Schloßstraße, welche in beide Richtungen für den Verkehr geöffnet und natürlich mit Lkw–Verbot versehen wird.

Welche Rolle werden Klimawandel und Veränderung bei der Energieversorgung in der Stadtentwicklung spielen?

Beides sind zentrale und langwierige Herausforderungen. Der Schwammstadt–Beschluss der Stadtvertretung spiegelt die Notwendigkeit wider, Regenwasser gezielter abzuführen bzw. auch im Kontext zu den Trockenperioden effektiver an Ort und Stelle zu nutzen. Beim Wandel in der Energieversorgung sind wir mit den Neustrelitzer Stadtwerken, die das Fernwärmenetz weiter ausbauen werden, wirklich sehr gut aufgestellt. Unter Federführung der Stadtwerke wird aktuell an der Transformationsplanung gearbeitet, die eine entscheidende Grundlage für die zukünftige Energieversorgung der Stadt darstellt und in die anschließende kommunale Wärmeplanung mündet. Dies hat natürlich erhebliche Auswirkungen auf zukünftige Straßenbaumaßnahmen, sodass wir hier auch immer Synergieeffekte mit notwendigen Sanierungen erzeugen wollen. Der Ausbau der Straßen erfolgt aber auch bereits jetzt in der Regel in Absprache mit den Stadtwerken. Diese Themen werden wir im engen Zusammenwirken mit der Stadtvertretung voranbringen und anstehende Entscheidungen für Bürgerinnen und Bürger transparent gestalten.