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Foto-Ausstellung

Wie man zu DDR-Zeiten bei der LPG arbeitete

Hohenzieritz / Lesedauer: 3 min

Zum Tag des offenen Denkmals sind bei Neustrelitz Bilder aus DDR-Zeiten gezeigt worden. Im Mittelpunkt standen die LPG's. Bei den Besuchern weckten die Bilder Erinnerungen.
Veröffentlicht:12.09.2023, 18:02

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Wer hätte das gedacht? Die historische Schmiede in Hohenzieritz mit ihrem riesigen Blasebalg, original erhaltener Feuerstelle und darüber liegender Esse hat am Tag des offenen Denkmals hohen Zulauf bekommen.

Bilder größtenteils für „Straße der Besten“ gemacht

Eigens für den Denkmaltag wurden in dem alten Gemäuer über 100 Fotos aus den Jahren 1975 bis 1998 gezeigt, die größtenteils für die „Straße der Besten“ aufgenommen wurden. Mit diesen Aufnahmen wurden in der Zeit der DDR besonders gute Leistungen bei der Erfüllung der sozialistischen Planvorgaben gewürdigt und auf großen Wandtafeln öffentlich präsentiert.

Die Besucher ließen nicht lange auf sich warten, denn so mancher Hohenzieritzer, Peckateler oder Klein Vielener Mitarbeiter in den damaligen LPG's (Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften) wusste, dass da Aufnahmen von ihm selbst mit dabei sind. So bildeten sich schnell Gesprächsgruppen, um noch mal in den Erfahrungsaustausch zu treten und die Erinnerungen an die damalige Zeit wachzurütteln.

Schnell fanden sich in der Hohenzieritzer Schmiede Gruppen zusammen, die über die vergangene Zeit diskutierten.
Schnell fanden sich in der Hohenzieritzer Schmiede Gruppen zusammen, die über die vergangene Zeit diskutierten. (Foto: Ulrich Krieger)

Da war zum Beispiel der 72–jährige Günter Werner aus Usadel, der mit Jochen Ahlgrimm durch die Räume ging und zeigte, was für ein „fescher Bursche“ er damals doch war. „1966 begann ich nach der achten Klasse mit 14 Jahren meine Lehre in der LPG Klein Vielen. Bis zur Rente bin ich der Landwirtschaft treu geblieben“, berichtete Werner. Aus der damaligen LPG wurde übrigens später die Agrargenossenschaft Hohenzieritz, aus der wiederum das heutige Landgut Luisenhof hervorging. 

Erinnerungen an Zeit, als noch selbst repariert wurde

Die Landwirtschaft sei immer eine schwere Arbeit gewesen und oft fehlten für die wenigen Maschinen die notwendigen Ersatzteile. „Ging mein Traktor in die Werkstatt, war ich immer mit dabei. An ihm konnte noch alles selbst repariert werden“, erinnert sich Werner. Nach der Wende 1989 wurden die Maschinen moderner und die Arbeit leichter. Reparieren allein — keine Chance mehr! „Ich blicke gern in meine Vergangenheit zurück“, sagte der Usadeler.

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In der Lohnbuchhaltung der LPG „Neuer Weg“ begann 1972 das Arbeitsleben von Helga Ahlgrimm. Später qualifizierte sie sich noch zur landwirtschaftlichen Kauffrau. Das Büro sei aber längst nicht ihr alleiniger Arbeitsplatz gewesen. „Waren die Kartoffeln eingefahren, halfen wir oft bei der Sortierung in der Halle. Im Frühjahr, noch vor der Aussaat, ging es dann auf die Felder, wo Steine gesammelt wurden, die es in der Endmoränenlandschaft unserer Gegend ja in Mengen gibt. Nicht selten wurden Sonderschichten, sogenannte „Subbotniks“ gefahren“ , erzählt sie. Dafür habe es auch ein wenig Geld gegeben, was wiederum für gemeinsame Reisen im Kollektiv gesammelt wurde. 

So wurde eine Geschichte nach der anderen erzählt und mit dem Betrachten des nächsten Fotos kamen weitere Erinnerungen zum Vorschein. Eine gelungene Veranstaltung, die nicht nur den Hohenzieritzern lange in Erinnerung bleiben wird und die Vergangenes wiederbelebte, waren sich die Besucher einig.