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Neue Sichtung

▶Wolf umkreist Bauernhof mitten am Tag

Feldberg / Lesedauer: 2 min

Immer wieder berichten Einwohner der Region von Wolfssichtungen. Einzelne Tiere verlieren wohl die Scheu vorm Menschen, vermutet eine Bürgermeisterin.
Veröffentlicht:06.12.2023, 13:07

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Als „Durchbruch“ feierte MV-Umweltminister Till Backhaus (SPD) vor wenigen Tagen einen Kompromiss zum Wolf. Neue Regeln sollen künftig eine schnellere Entnahme, sprich Abschüsse, von "schadenstiftenden Wölfen in Gebieten mit erhöhtem Rissaufkommen“ ermöglichen.  

Tiere verlieren die Scheu vor dem Menschen

„Ich sehe da aber keinen Durchbruch“, sagt Backhaus' Parteikollegin Constance von Buchwaldt. Die Bürgermeisterin der Feldberger Seenlandschaft erhält in ihrer Gemeinde immer wieder Berichte von Einwohnern über Wolfssichtungen, die sie mit Sorge erfüllen. Verschiedene Ereignisse würden demnach belegen, dass einzelne Tiere zunehmend die Scheu vor dem Menschen verlieren. 

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Die jüngste Sichtung in der Feldberger Seenlandschaft stammt dabei erst vom 1. Dezember. Am helllichten Tag hat sich da ein Wolf am Vormittag nahe einem Bauerhof mit Stallungen bei Triepkendorf gezeigt. Von der Hinweisgeberin liegt ein kurzes Video vor, welches Feldbergs Bürgermeisterin auch dem Nordkurier bereitgestellt hat. „Der Wolf hatte keinerlei Scheu, es waren mehrere Menschen auf dem Hof anwesend“, gibt von Buchwaldt die Schilderungen der betroffenen Pferdehalterin wieder. Diese habe weiterhin berichtet, dass das Raubtier hin und wieder stehen blieb, das Geschehen beobachtete und dann weiterzog. 

Nicht zum ersten Mal

Der Bauernhof bei Triepkendorf wurde dabei keinesfalls zum ersten Mal vor einem Wolf „besucht“. Hier kam es wiederholt zu ernsthaften Vorfällen in den vergangenen zwei Jahren. Unter anderem sei der Wolf dort schon in einen Hundezwinger und ein Pferdauslauf eingedrungen. „Ein Wolf der sich bis auf eine Distanz von 20-25 Metern Bauernhof und Menschen sowie Viehbestand nähert, muss entnommen werden“, fordert Feldbergs Bürgermeisterin. Dieser Wolf habe keine Scheu mehr vor den Menschen.

Bürgermeisterin: Ein „Witz“

„Wenn man diese Sichtungen und Nahbegegnungen sowie die aktuellen politischen Beschlüsse der Agrarministerkonferenz im Beisein der Bundesumweltministerin einordnet, halte ich die angekündigten Regelungen inzwischen für einen Witz. Da reden Blinde vom Sehen“, kritisiert von Buchwaldt in aller Deutlichkeit.

Die SPD-Frau fordert auf lokaler Ebene weiterhin eine praktikable Bestandsregulierung, und zwar sofort. „Somit fordere ich als Bürgermeisterin und damit auch als Ordnungsbehörde zum wiederholten Male ein sofortiges regionales Bestandsmanagement für den Wolf“, sagt von Buchwaldt.

Es müsse endlich vorausschauend gehandelt werden und der Bestand an Wölfen in MV sei zu reduzieren. Alles andere sei lediglich eine Beruhigungspille gegenüber der ländlichen Bevölkerung. Am Wochenende hatten bereits die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Beate Schlupp und Thomas Diener den Kompromiss über schnellere Entnahmen als ungeeignet zur Lösung des Wolfsproblems bezeichnet. 

19 Rudel bestätigt

Nach aktuellen Angaben der DBBW (Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf) gab es im Monitoringjahr 2022/2023 insgesamt 19 bestätigte Rudel in MV. Insbesondere in Mecklenburg-Strelitz haben sich Wölfe angesiedelt. Zwischen Müritz und Feldberger Seenlandschaft werden aktuell allein fünf Rudel gezählt, weitere Wolfsfamilien haben sich zudem im Norden Brandenburgs angesiedelt. Die Gemeinde Feldberger Seenlandschaft hatte in der Vergangenheit bereits Anträge zur Entnahme von Wölfen gestellt, war damit aber stets gescheitert.