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Raubtier

Können Zäune die Wölfe wirklich abhalten?

Grünow / Lesedauer: 4 min

Die Debatte um die Bestandregulierung des Wolfes sieht Tierhalter Steven Buck aus Grünow kritisch.  Und das,  obwohl der Räuber wiederholt in seine Gatter eingedrungen ist und Schaden angerichtet hat. 
Veröffentlicht:07.02.2024, 07:07

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Nicht zum ersten Mal sieht Steven Buck sich mit Wolfsrissen konfrontiert. Im Januar erst verlor der Weidetierhalter auf diese Weise sechs Damwildkälber. Bis dahin hatte er eine ganze Weile Ruhe. Wohl auch, weil die Sicherheitsmaßnahmen, die der Grünower  für seine bis zu 120 Tiere starke Damwildrudel ergriffen hatte, Wirkung zeigten.

"Als im Herbst 2020 in kurzer Folge acht Kälber und ein Zuchttier in die Fänge des Wolfes gerieten und ähnliches im November 2022 geschah, kam auf meine Schadensanzeige sofort Hilfe. Das war auch diesmal wieder so", sagt er. Genauso wichtig wie der finanzielle Ausgleich war für ihn die praktische und materielle Unterstützung durch die Wolfsexperten. "Die machen nicht nur ihr Rissgutachten an den Tierkadavern, sondern packten gleich mit an, die Zäune zu verstärken", sagt er. 

Bodennahe Stromzäune installiert

Damals hatte der Wolf sich in seinem Jagdtrieb durch den  Zaun gegraben. Steven Buck rüstete also für seine Tiere auf und verbesserte den Schutz über die Grundsicherung hinaus. Auf Rat der Ranger aus dem Naturpark Feldberger Seenlandschaft - Grünow liegt in diesem Gebiet - setzte er um einen Teil seines parzellierten Geheges auch bodennahe Stromzäune. "Das hat gut funktioniert, bedeutet aber auch einen erheblichen Arbeitsaufwand, um den Zaun instand zu halten", sagt er. Allein, um die Ränder der Umzäunung zu mähen, damit das Gras nicht den Bodenstromzaun runterdrückt und außer Betrieb setzt, würde ihn das bis zu 14 Wochenenden im Jahr beschäftigen. "Ich habe 3, 7 Kilometer Zaun, der durch Moor und an Waldrändern, über Kuppen und Senken führt", beschreibt Steven Buck, der eine 120 Hektar große ökologische Landwirtschaft und die Weidetierhaltung auf zwölf Hektar im Nebenerwerb betreibt.  

Im Revier des Drewensee-Rudels

Für jede Lücke im Weidezaun gibt es irgendwann die Quittung - zumal sich Grünow mitten im Wolfsgebiet befindet. "Hier ist das Revier des Drewensee-Rudels", sagt Axel Griesau, Rissgutachter und Mitarbeiter im Naturpark Feldberger Seenlandschaft. Das Rudel ist über das landesweite Wolfsmonitoring recht gut bekannt. Zwei der Tiere trugen Halsbandsender, die regelmäßig Daten über ihre Wegstrecken liefert. Auch genetische Daten liegen über das Rudel vor. Gut möglich, dass eines der Tiere kürzlich in Steven Bucks Gehege auf Beutezug war. "Es hat sich vermutlich an einem Ende des Zauns durchgegraben, wo noch keine Stromlitze aufgestellt war", sagt er. 

Wölfe heulen in einem Wildpark. Wie umgehen mit dem Raubtier in freier Wildbahn? Darüber diskutieren Experten und Landwirte auch in unserer Region (Symbolbild) Foto: Swen Pförtner/dpa/Symbolbild
Wölfe heulen in einem Wildpark. Wie umgehen mit dem Raubtier in freier Wildbahn? Darüber diskutieren Experten und Landwirte auch in unserer Region (Symbolbild) Foto: Swen Pförtner/dpa/Symbolbild (Foto: Swen Pförtner/dpa)

Wo er einmal erfolgreich war, versucht er es wieder

Es sei sehr wichtig, dass Wolfsrisse so schnell wie möglich an die Wolfshotline gemeldet werden. "Denn wo der Wolf einmal erfolgreich war, versucht er es auch ein zweites Mal", sagt Griesau. Gemeinsam mit seinem Kollegen Sebastian Krage standen sie dem Grünower Agraringenieur auch diesmal prompt zur Seite, um die Lücke zu finden und zu schließen.

Dem Ruf nach Bestandsregulierung oder Vergrämung des Wolfes durch Bejagung mag Steven Buck nicht so recht folgen. "Wir müssen mit dem Wolf leben und es funktioniert ja auch. In meinem Dorf sind wir drei Landwirtschaftsbetriebe mit Weidetierhaltung. Außer bei mir ist nichts weiter vorgefallen", sagt er. Er stellt es sich schwierig vor, herauszufinden, welcher Wolf tatsächlich Probleme macht - meist folgt dieser lediglich seinem natürlichen Trieb - und bejagt werden soll. "Hinzu kommt, dass durch Bejagung Rudelstrukturen zerstört werden", sagt Rissgutachter Axel Griesau. "Und damit zerschießt man Erfahrungen, die die Wölfe gemacht haben und über Generationen weitergegeben werden, und erzeugt vermutlich zusätzliche Probleme durch ein zerstörtes Reviersystem". Ohnehin könne man erst dann darüber nachdenken, den Wolf in das Jagdrecht zu überführen, wenn sich seine Population in einem guten Erhaltungszustand befindet. "Da ist sie in Deutschland bei Weitem noch nicht", sagt Griesau.  

"Das kann ich mir nicht leisten"

Dem Weidetierhalter Steven Buck wäre auf ganz anderem Weg viel mehr geholfen. Das Umweltministerium stellt für Weidetierhalter Gelder für den Bau von sogenannten Untergrabzäunen zur Verfügung. Sie werden bis zu 50 Zentimeter tief in die Erde gebracht. "Sie verhindern effektiver als die bodennahen Stromlitzen das Eindringen von Wölfen ins Gehege", sagt Buck. Aktuell sei es aber so, dass der Tierhalter dafür in Vorkasse gehen muss. "Das kann ich mir nicht leisten. In meinem Fall kämen schätzungsweise bis 12.000 Euro zusammen", sagt er. Hier drängt er auf eine Änderung.