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Kundgebung

Nazi-Parolen, Raub, Körperverletzung: Attacken auf Demo für Toleranz

Pasewalk / Lesedauer: 2 min

Gegendemonstranten störten die friedliche Kundgebung für Toleranz und Weltoffenheit auf dem Pasewalker Markt. Es wurden Nazi-Parolen laut. Ein Demo-Teilnehmer wurde verletzt.
Veröffentlicht:05.02.2024, 18:50

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Trotz Dauerregens haben sich am Montagabend auf dem Markt in Pasewalk nach Polizeiangaben 100 Menschen eingefunden, um ein Zeichen für Weltoffenheit, Demokratie und Toleranz zu setzen. Mehrere Redner bemerkten, dass endlich einmal für etwas demonstriert werde und nicht gegen etwas. Mitorganisatorin Kerstin Seeger verlas zunächst eine Botschaft von Bürgermeister Danny Rodewald (parteilos), der persönlich nicht vor Ort sein konnte.

Ein deutliches Zeichen setzen

„Dass wir uns mit Hass, Hetze und Verachtung gegenseitig das Leben schwer machen und billigend Verletzung, Demütigung und Zerstörung hinnehmen, akzeptiere ich nicht. Lasst uns gemeinsam ein deutliches Zeichen gegen die vorhandenen neonazistischen Strukturen setzen“, ließ der Bürgermeister ausrichten. Des Weiteren sprachen die Landtagsabgeordnete Bettina Martin (SPD), Pastor Johannes Grashof, Katarzyna Werth vom Bürgerbündnis „Gemeinsam für Löcknitz“ und Emanuel Reim vom Bauernverband Uecker-Randow. 

Polizei muss erst geholt werden

Die Veranstaltung wurde von rund einem Dutzend Gegendemonstranten lautstark gestört. Wobei auffiel, dass zu Beginn der Kundgebung keine Polizei vor Ort war. Diese musste erst von einem Ordner aus dem gegenüberliegenden Revier herbeigeholt werden, was dem Pfeifen und Rufen aber kein Ende setzte.

Nazi-Parole gerufen

Ein Unbekannter habe sich unbefugt Zutritt zur Bühne verschafft und dort das Mikrofon eingefordert, teilte die Polizei am späten Abend mit. Als ihm dieses nicht ausgehändigt worden sei, sei er von der Bühne geflüchtet. Die Beamten hätten den Störer nicht mehr ermitteln können. Kurz darauf habe eine weitere Person die Kundgebung gestört und die Parole „Deutschland
den Deutschen, Ausländer raus!“ gerufen. Die Polizisten hätten den 35-Jährigen aus der Region aufs Revier gebracht, dort seine Identität festgestellt und Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet.

Fahne geraubt und Mann zu Boden gestoßen

Wie die Polizei weiter mitteilte, ereignete sich nach
Abschluss der Versammlung ein weiterer Zwischenfall. Demnach habe ein Unbekannter einem Demo-Teilnehmer eine Fahne der
Partei „Die Linke“ aus der Hand gerissen und sei geflüchtet. Als der Fahnenbesitzer den Störer verfolgen wollte, habe ihn jemand zu Boden gestoßen. Beim Sturz habe er sich leichte Verletzungen zugezogen. "Gegen die unbekannten Täter wurde
Strafanzeige wegen Raubes erstattet", teilte die Polizei mit und bat Zeugen, sich im Polizeihauptrevier Pasewalk unter Telefon 03973- 2200, in jeder anderen Polizeidienststelle oder über die Internetwache der Polizei zu melden.

Die Teilnehmer der Kundgebung hatten teilweise liebevoll gestaltete Schilder mitgebracht.
Die Teilnehmer der Kundgebung hatten teilweise liebevoll gestaltete Schilder mitgebracht. (Foto: Mathias Scherfling)