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Streit

Ärger zwischen Gutshausrettern und Einwohnern ‐ Was ist da los?

Gehren / Lesedauer: 4 min

Im April 2021 hat die Stadt Strasburg das Gutshaus in Gehren an ein Paar aus dem Landkreis Rostock verkauft. Jetzt gibt es Ärger. Stein des Anstoßes ist ein Zaun.
Veröffentlicht:20.09.2023, 18:45

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Kurt Rabe findet deutliche Worte. Die Strasburger Stadtvertreter habe man ebenso belogen wie die Einwohner von Gehren, sagt der Ortsvorsteher. Den Unmut des 73-Jährigen erregt ein Zaun vor dem Gutshaus in Gehren, versehen mit einem Schild „Privatgrundstück“. Damit werde die als Wendeschleife vor dem Haus genutzte Fläche blockiert, ebenso der Zugang in den Park. 

Ortsvorsteher: Es wird über unsere Köpfe hinweg entschieden

Vor dem Verkauf an die als Gutshausretter bekannten Rensower Christina von Ahlefeldt Laurvig und Knut Splett-Henning habe er darauf hingewiesen, dass die Wendeschleife und der Park offen bleiben müssen. „Es hätte ein Wegerecht für die Wendeschleife geben müssen. Das ist nicht in die Beschlussvorlage zum Verkauf eingeflossen. Diese Fläche hätte die Stadt nicht mitverkaufen dürfen“, sagt der Gehrener Ortsvorsteher. „Wir als Einwohner werden nicht gehört, es wird über unsere Köpfe hinweg entschieden. So sind Streitigkeiten vorprogrammiert.“ Als Begründung für den Zaun hätten die Eigentümer illegal abgelagerten Müll angegeben. Das zweifele er an, Müll habe er am Gutshaus noch nicht gesehen. 

Knut Splett-Henning zeigt ein zerstörtes Bild, das er in dem Schuppen im Park gefunden hat und das aus dem Gutshaus stammt. Mehrfach sei in dieses eingebrochen worden.
Knut Splett-Henning zeigt ein zerstörtes Bild, das er in dem Schuppen im Park gefunden hat und das aus dem Gutshaus stammt. Mehrfach sei in dieses eingebrochen worden. (Foto: Fred Lucius)

„Spaziergänge im Park sind jetzt vorbei“

Auch Anwohnerin Petra Elies ist sauer. Die Zufahrt zum hinteren Teil ihres Grundstücks sei mit dem Zaun blockiert. Zudem bilde die rechte Hauswand des Guthauses die Grenze zwischen beiden Grundstücken. Ein Unding, wie sie findet. „Die Müllfahrer fahren hier ohne die Wendeschleife schon nicht mehr hoch. Was ist mit der Post, dem Öl-Lieferer? Und wie wird das dann mit dem Winterdienst?“ Vor dem Verkauf sei ihnen auch zugesichert worden, dass Einwohner des Ortsteils Räume in dem Gutshaus weiter nutzen können, etwa zum Sport oder zu Kartenspiel-Nachmittagen. „Die Leute sind im Park auch immer spazieren gegangen. Das ist jetzt vorbei.“

Ein Schreiben an die Stadt sei bis jetzt unbeantwortet geblieben. Kurt Rabe erinnert daran, dass man mit dem Verkauf des Gutshauses Ersatz für die Einwohner des Ortsteils schaffen wollte. Im Dorf sei nur noch die alte Schmiede im Eigentum der Kommune. Die müsse man aber erst sanieren und dafür Fördermittel einwerben. 

Nach Angaben des Eigentümers wurde auf dem Grundstück illegal Müll wie dieser Bauschutt entsorgt.
Nach Angaben des Eigentümers wurde auf dem Grundstück illegal Müll wie dieser Bauschutt entsorgt. (Foto: Fred Lucius)

Einbrüche, illegaler Müll, kaputte Scheiben

Anke Heinrichs, Bau- und Ordnungsamtsleiterin in Strasburg, bestätigt, dass die Eigentümer illegale Müllentsorgung als Grund für den Zaun angegeben haben. Das Tor zu dem Grundstück sei weiterhin offen. Offene Räume auf Dauer für die Einwohner seien mit dem Verkauf aber nicht vereinbart worden. Es solle im Oktober einen Termin mit den Eigentümern und Bürgermeister Klemens Kowalski in Gehren geben.

Knut Splett-Henning zeigt sich von der Kritik überrascht. Ziel des Verkaufs sei die Rettung des Gutshauses gewesen, mittlerweile habe man viel geschafft. „Uns unehrenhaftes Verhalten vorzuwerfen, ist nicht fair“, wehrt er sich. Mehrfach sei in das Gebäude eingebrochen worden. Bei einem Mal hätten der oder die Täter einen Wasserhahn aufgedreht, was Schäden verursacht habe. Auf dem Grundstück sei auch Müll abgelagert worden, jemand hätte zudem am Haus Scheiben eingeschlagen. Bei einem Termin in Gehren habe die Polizei dazu geraten, durch einen Zaun zu kennzeichnen, wo das Privat-Grundstück ende und wo das öffentliche beginne.

„Stadt hatte kein Interesse an Mietung von Räumen“

Die Stadt habe er über den Zaun informiert, alles sei abgestimmt mit den Ämtern. Vonseiten der Stadt habe es keine Einwände gegeben. „Die Nachbarn können unser Grundstück überfahren, um auf ihren Hof zu kommen. Das Tor ist geöffnet“, sagt Knut Splett-Henning. Den Kaufvertrag habe er, so wie von der Stadt ausgearbeitet, unterschrieben.  Als Eigentümer stehe man auch in der Verkehrssicherungspflicht und Haftung. Der Stadt habe er zudem einst eine Liste zukommen lassen, welche Räume sie mieten könne. Daran habe kein Interesse bestanden. Am 30. September solle die nächste Kunstausstellung im Gehrener Gutshaus eröffnet werden, wozu er Interessenten einlade.