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▶ Alte Bäume müssen auch wegen Birkenstock-Werk weichen

Pasewalk / Lesedauer: 3 min

Mit dem Schuh-Produzenten kommen Lkw nach Pasewalk. Darum muss die Allee Richtung Franzfelde verbreitert werden. Zuvor aber werden Bäume gefällt.
Veröffentlicht:07.02.2022, 16:30

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Bevor Birkenstock kommt, muss eine Reihe der Allee an der Straße zwischen Pasewalk und Franzfelde weichen. Seit Montag werden an der Kreisstraße Bäume gefällt. 39 sollen weg, vorwiegend Linden und ein paar Kastanien. Ralf Schröder aus Franzfelde blutete das Herz.

„Die Anwohner wurden nicht einmal informiert. Als ich heute Früh die Jalousien hoch zog, sah ich die Fällarbeiten. Das sind gesunde, schöne Bäume, um die 100 Jahre alt. Die wurden jedes Jahr gepflegt, und jetzt wegen Birkenstock müssen sie weg. Schade drum.“

Nicht allein wegen Birkenstock, sondern wegen des gesamten Gewerbegebiets sind die Bäume im Weg, sagte Pasewalks Bürgermeisterin Sandra Nachtweih (CDU). Die Straße sei zu schmal für den zu erwartenden Verkehr mit vielen Lkw. Darum baue der Landkreis Vorpommern-Greifswald die Straße aus. Entfernt wird die von Pasewalk aus gesehen rechte Baumreihe. Der Forstdienstleister Indorf aus Dömitz (Landkreis Ludwigslust-Parchim) trägt Kronen und Stämme stückweise mit einem Harvester ab.

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Naturschützer: Bäume hätten noch längst nicht gefällt werden müssen

Naturschützer Andreas Hagenguth vom Unternehmen Nanu aus Berge (Niedersachsen) begutachtet während der Fällarbeiten jeden einzelnen Stamm, sucht nach Fledermäusen oder Käfern, zum Beispiel dem Eremiten. „Am Sonnabend und Sonntag wurden alle Bäume von einem Hubsteiger aus durchleuchtet“, erklärte er. In dieser Woche inspizierte er das gefällte Holz. Am Montag fand er keine geschützte Art. Sollte er noch eine finden, wird der Stamm nicht geschreddert, sondern in den Krügerpark gelegt.

Der Agraringenieur fand es bedauerlich, dass die Bäume gefällt werden. „Die haben ihr biologisches Höchstalter längst nicht erreicht. Ich habe schon 1000-jährige Linden gesehen. Die hätten noch längst nicht gefällt werden müssen.“

Die Art und Weise, wie die Baumfäller vorgehen, gefällt ihm hingegen. „Die machen das schon gut, ganz vorsichtig. Selbst wenn hier eine Fledermaus drin wäre, könnte die unbeschadet wegfliegen.“ Auch der Straßenverkehr werde mit diese Methode vergleichsweise wenig behindert. Die Straße ist halbseitig gesperrt, der Verkehr wird mit Ampeln geregelt. „In zwei Tagen ist hier alles wieder sauber.“

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Kritik an Industriegebiet

Anwohner Ralf Schröder war der Aufwand suspekt. „Das ist ein Wahnsinn. Warum wird die Straße nicht einfach um ein paar Meter verlegt? Dann hätten die Bäume stehen bleiben können. Das Gewerbegebiet muss auch noch erschlossen werden. Wird das Dorf dann wenigstens gleich mit ans Abwasser angeschlossen?“, fragte er.

Das ist nicht vorgesehen, sagte Sandra Nachtweih, denn dafür gebe es keine Fördermittel. Ralf Schröder sagte, ihm seien die Entwicklungen in seiner Nachbarschaft ein Dorn im Auge. „Warum muss Pasewalk ausgerechnet ein Industriegebiet werden?“ Man hätte seiner Meinung nach besser auf Tourismus setzen, den Radweg Berlin-Kopenhagen vermarkten und Pasewalk zum Luftkurort entwickeln sollen.

Die Alleebäume werden durch junge ersetzt, kündigte Sandra Nachtweih an. Für jeden gefällten Baum würden drei neue gepflanzt.

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