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Verschollenes Gemälde

An diesem "Wunder" haben viele mitgewirkt

Pasewalk / Lesedauer: 3 min

Nach mehr als 100 Jahren hängt ein uraltes Gemälde wieder an seinem alten Platz in der Pasewalker Marienkirche. Es hat eine spannende Geschichte.
Veröffentlicht:06.02.2024, 06:00

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Pastor Johannes Grashof war überrascht. „Mit so viel Interesse habe ich gar nicht gerechnet“, räumte er angesichts der vielen Besucher ein. Sie alle wollten dabei sein, wenn das alte Gemälde von der Kreuzabnahme Jesu offiziell eingeweiht wird. Schnell wurde deutlich, dass viele Menschen an der Verwirklichung dieses "Wunders" beteiligt waren. Über Jahrzehnte war die barocke Kopie des Gemäldes, das nach dem Original von Federico Barocci geschaffen wurde, verschollen. Erst im Sommer 2020 war es in einer Holzkiste in der Pasewalker Nikolaikirche wiederentdeckt worden.

"Wie ein Märchen"

Ein Zufall und intensive Nachforschungen hatten dazu geführt, wie Siegfried Thews, Kirchenältester und Vorsitzender des Bauausschusses, ausführte. Es sei wie ein Märchen gewesen, das hier in der Marienkirche Wirklichkeit wurde. "Eigentlich habe ich Unterlagen aus der Wiederaufbauzeit des Turms - nach dem Einsturz und der Sprengung - gesucht. Da fiel aus einem der Ordner ein Blatt Papier heraus", erzählte Thews. Dabei habe es sich um eine Inventarliste gehandelt, die Kunstgegenstände enthielt, die nach dem Einsturz des Turmes gerettet werden konnten. Darunter auch ein großes Ölgemälde, welches nach Greifswald gesandt worden sei. "Handschriftlich hatte jemand dazugeschrieben, dass dieses Gemälde wieder nach Pasewalk zurückgeschickt worden sei." 

Siegfried Thews, Kirchenältester und Vorsitzender des Bauausschusses in der evangelischen Kriche Pasewalk.
Siegfried Thews, Kirchenältester und Vorsitzender des Bauausschusses in der evangelischen Kriche Pasewalk. (Foto: Mathias Scherfling)

Das sei der Auftakt gewesen. "Ein zweiter Zufall war, dass wir zeitgleich in der Stadtgründungskirche St. Nikolai damit beschäftigt waren, die Rumpelkammer aufzuräumen, um auf der Empore eine Baumaßnahme durchzuführen." Bei der Entrümplungsaktion sei eine riesige Kiste entdeckt worden, über deren Inhalt niemand etwas wusste. Nach dem Auffinden der Liste schien es plausibel, dass das Gemälde darin war. "Dann stand ein kleiner Kreis um die Kiste herum und hat sie geöffnet. Darin befand sich eine schneeweiße, mit Papier umhüllte Rolle." Diese sei vor den Altar transportiert und vorsichtig ausgerollt worden.

Das Staunen war groß

"Und siehe da, es handelte sich um das etwa drei mal vier Meter große Ölgemälde. Wobei wir zunächst nur die Beine und Füße mit den bekannten Wundmalen erkennen konnten", erinnerte sich Thews. Als es ganz ausgerollt dagelegen habe, sei das Staunen groß gewesen. Doch die Leinwand sei dunkel und beschädigt gewesen. Dies sei der Anfang eines langen, komplizierten Weges gewesen.

Restauratorin Anja Gundermann Bujak (Mitte stehend) erläutert, wie viel Arbeit sie mit dem historischen Gemälde hatte.
Restauratorin Anja Gundermann Bujak (Mitte stehend) erläutert, wie viel Arbeit sie mit dem historischen Gemälde hatte. (Foto: Mathias Scherfling)

Es tauchten viele Fragen auf, die inzwischen weitgehend beantwortet sind. Demnach ist das Gemälde nach 1789 nach Pasewalk gekommen. Zuvor hatte es in der Marienstiftskirche in Stettin in einer Seitenkapelle gehangen. Diese war am 9. Juli 1789 durch Blitzschlag abgebrannt. In der Folge wurde alles Wertvolle aus dem Inneren verkauft. Die Pasewalker Kirchengemeinde hatte eine ganze Reihe von Kunstgegenständen erworben, darunter auch das auffälligste Stück - dieses Gemälde.

Baubeauftragte beschaffte erfoderliche Summe

Bevor die Restauratorin Anja Gundermann Bujak aus Mesekenhagen  vor gut einem Jahr ans Werk gehen konnte, musste die Finanzierung geklärt werden. Immerhin rund 70.000 Euro waren dafür notwendig. Hier habe Anett Burckhardt, die Baubeauftragte des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises, ein Wunder vollbracht, betonte Pastor Johannes Grashof. "Sie hat es geschafft, die erforderliche Summe aus Spenden und Fördergeldern zu beschaffen." Es sei Zeit, diesen Spendern und Förderern zu danken. Denn nur diese hätten mit ihrer materiellen und ideellen Unterstützung die Restaurierung bis zum Ende des Jahres 2023 möglich gemacht.