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Angelverein schlägt Alarm: Biber fällt zig Bäume

Grünz-Radewitz / Lesedauer: 4 min

In Deutschland sind Biber streng geschützt. Aber die wachsende Population verursacht auch in der Region erhebliche Schäden. In Radewitz und Grünz will man das so nicht hinnehmen. 
Veröffentlicht:10.02.2024, 06:06

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Carsten Ehrke hat ein Problem. "Der Biber treibt in Radewitz verstärkt sein Unwesen. Das haben wir auch schon im Frühherbst 2023 dem Landkreis gemeldet", sagt der Ortsvorsteher von Radewitz. Einen Monat später sei sogar eine ganze Böschung abgerutscht, weil der Wasserstand gestiegen war. "Auch Bäume sind umgestürzt und haben einen Weg blockiert. So fing das im September an. Vonseiten der Behörde hat sich aber nichts getan", moniert Ehrke. Der Verantwortliche für Bibermanagement im Landkreis habe sich nicht gemeldet. 

 Am späten Abend, kurz vor Sonnenuntergang, frisst ein Europäischer Biber (Castor fiber) Erlenzweige an einem See (Symbolbild) 
 Am späten Abend, kurz vor Sonnenuntergang, frisst ein Europäischer Biber (Castor fiber) Erlenzweige an einem See (Symbolbild)  (Foto: Patrick Pleul/dpa)

Wasser konnte nicht mehr ablaufen

"Der Biber hat Bäume (ca. 30 Stück) in Größenordnungen an einem Weiher gefällt. Auch die Unterführung der Autobahn wurde zugestaut, dadurch ist es Ende Januar zu einem Eklat gekommen", betont der Ortsvorsteher. Das Wasser sei angestiegen, weil es nicht mehr ablaufen konnte. "Die Feuerwehr musste hinzugezogen werden, konnte aber auch nichts machen. Erst der Wasser- und Bodenverband konnte sich mit einem Bagger bis an das Wehr heranarbeiten und den Abfluss freilegen", erläutert Ehrke das Drama. Dabei seien Kosten in Höhe von rund 25.000 Euro entstanden. Das Geld fehle jetzt natürlich für die eigentlichen Aufgaben des Verbandes. Die Zeche würden die Grundstücksbesitzer zahlen. "Die Situation ist aus dem Ruder gelaufen und es wird nichts getan." Aber damit sei das Problem nicht behoben. Es werde wieder passieren. Er schätzt, dass eine ganze Biberfamilie mit acht bis zehn Tieren dafür verantwortlich ist.

Diese kräftige Pappel ist nicht mehr zu retten, sie kann nur noch gefällt werden. Hier haben die Biber ganze Arbeit geleistet.
Diese kräftige Pappel ist nicht mehr zu retten, sie kann nur noch gefällt werden. Hier haben die Biber ganze Arbeit geleistet. (Foto: Ronny Franke)

Angler: Sämtliche Eichen sind kaputt

Ronny Franke vom Angelverein Grünz hat ein ähnliches Problem - nur mit geschätzt zwölf bis 15 Bibern. "Am Achtersee und Mittelsee stehen Pappeln mit einem Durchmesser von knapp drei Metern. Die sind alle angefressen und kurz vorm Umkippen", beklagt Franke. Zudem seien sämtliche Eichen kaputt und jetzt gehe es den Weiden und Eschen an den Kragen. "Der Biber zerlegt uns den ganzen See. Wir haben Gefahr im Verzug gemeldet, damit wir die Bäume fällen können. Es ist Wahnsinn, wie viele Biber nachts über den See schwimmen. Die Tiere machen uns die Seen und die Landschaft kaputt", betont der Angler. Das starte beim Dorfsee über den Mittelsee, Großsee, Achtersee, Angelsee bis hin zum Moospfuhl. Diese Gewässer seien miteinander verbunden.

"Es sieht katastrophal aus"

"Die Biber lassen die Bäume ins Wasser fallen, sodass wir als Angler, die den See bewirtschaften, überhaupt nicht mehr herankommen", merkt Franke an. Der Verein habe den See gepachtet und sei damit für die Ordnung am See zuständig. "Es ist wirklich eine Schande, dass uns der Biber die Eichen weggenommen hat. Es sieht katastrophal aus", bekräftigt der passionierte Angler. Inzwischen sei Harald Janzen von der Unteren Naturschutzbehörde dagewesen.  "Wir müssen einen großen Teil der Pappeln fällen. Auch da entstehen wieder Kosten, die wir als Angelverein mit Unterstützung von landwirtschaftlichen Betrieben stemmen müssen", so der Mann vom Angelverein Grünz

An diesem Ufer eines Sees bei Grünz ist fast jeder Baum angenagt. Da ist die Frage durchaus berechtigt,ob  Biberschutz oder Naturschutz hier Priorität haben?
An diesem Ufer eines Sees bei Grünz ist fast jeder Baum angenagt. Da ist die Frage durchaus berechtigt,ob  Biberschutz oder Naturschutz hier Priorität haben? (Foto: Ronny Franke)

Der Landkreis sieht keinen Konflikt

Vom Landkreis hieß es auf Nordkurier-Nachfrage, dass bislang bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Vorpommern-Greifswald (UNB) keine Anzeigen über Konflikte an den genannten Gewässern durch Einwirkungen des Bibers vorliegen. "Es konnte auch nicht bestätigt werden, dass eine entsprechende Anzeige beim Bibermanagement des Landes Mecklenburg-Vorpommern oder beim örtlich zuständigen Wasser- und Bodenverband gestellt worden ist", teilte Pressesprecher Florian Stahlkopf mit. Hinsichtlich durch Biberfraß beeinträchtigter Bäume sei am 26. Januar eine Anfrage bei der UNB eingegangen. "Diesbezüglich wurde bereits am 31. Januar ein Vororttermin durchgeführt, zu dem Absprachen mit einvernehmlicher Lösung im Umgang mit den durch Biberfraß beeinträchtigen Bäume erfolgten."

Weshalb es so schwierig ist

Bei den Teichen bei Grünz handele es sich um naturnahe Gewässer mit einer reichhaltigen Gehölzstruktur an den Ufern. "Aufgrund der Nähe zur Uecker erreichen Biber auch diese Reviere und lassen sich in den Seen nieder. Grundsätzlich dürfte hier kein Konflikt mit dem Angelverein bestehen", informierte Stahlkopf. Es liege in der Natur des Bibers, Gehölze und insbesondere Bäume anzunagen, um damit seinen Nahrungsbedarf im Winter zu sichern. "Es ist daher schwierig, sämtliche Bäume vor dem Biber zu schützen. Da es sich um ein freilebendes Wildtier handelt, besteht kein Rechtsanspruch auf einen Baumschutz. Schutzmaßnahmen für die Bäume vor dem Verbiss können selbstständig getroffen oder die angenagten Bäume gefällt werden." Die UNB könne hier nur beratend tätig sein.