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Krieg in Ukraine

Freundliche Pasewalker begrüßen Flüchtlinge am Bahnhof

Pasewalk / Lesedauer: 4 min

Für viele Ukrainer ist Pasewalk die erste deutsche Stadt, die sie zu sehen bekommen. Sie sollen den Aufenthalt in guter Erinnerung behalten, auch wenn er für viele nur vier Minuten dauert.
Veröffentlicht:16.03.2022, 10:16

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Wenn Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Pasewalk zum ersten Mal deutschen Boden betreten, sollen sie nicht nur von Bundespolizisten und einem trostlosen Bahnhof empfangen werden. Das haben Patrycja und Heinz-Werner Jacubi sowie Manja Neumann aus Pasewalk beschlossen. Zusammen mit neun Freunden, Verwandten und Bekannten haben sie am Dienstag einen Willkommensstand vor dem Bahnhofsgebäude aufgebaut. Dort wollen sie die Stellung halten, bis der Krieg vorbei ist.

Flüchtlinge sollen sehen, dass sie willkommen sind

„Pasewalk ist die erste deutsche Stadt, die die Leute sehen. Wir wollen ihnen einfach helfen und ihnen zeigen, dass sie willkommen sind“, sagte Patrycja Jacubi. „Wir haben selbst neun Kinder zu Hause. Es ist schön, den Kindern aus der Ukraine wenigstens eine kleine Freude machen zu können“, erklärte ihr Mann. Im Zwei-Stunden-Takt rollen Züge aus Polen in Pasewalk ein. „Aus jedem steigen Flüchtlinge. Schon im ersten heute Morgen waren 40 Frauen, Kinder und Senioren. Auch aus anderen Richtungen kommen sie nach Pasewalk. Täglich kommen rund 600 Menschen aus der Ukraine hier an, Tendenz steigend.“

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In Pasewalk bleiben wollen wenige. „Sie wollen nach Berlin oder in andere Großstädte“, hat Heinz-Werner Jacubi festgestellt. Deswegen haben es die Ankömmlinge außerordentlich eilig. Zum Umsteigen in den Zug nach Berlin bleiben ihnen vier Minuten. Sie sind gestresst und abgekämpft. Viele haben solche Angst, den Anschlusszug zu verpassen, dass sie rennen. In Windeseile zeigen ihnen die Helfer den Weg, halten Türen auf, tragen Gepäck und drücken jedem ein Verpflegungspaket und Kindern ein Kuscheltier in die Hand. „Sie freuen und bedanken sich. Man sieht ein kurzes Lächeln.“ Dann sind die meisten auch schon wieder weg. Doch manche bleiben etwas länger, denn niemand darf ohne Polizeikontrolle einreisen.

Die Helfer suchen noch Unterstützung

„Damit das schnell geht, steigen die ersten Bundespolizisten schon in Grambow in den Zug. Alle, die sie im Zug kontrollieren, dürfen in Pasewalk sofort umsteigen. Diejenigen, die nicht mehr im Zug an die Reihe kamen, müssen sich am Polizeiauto vor dem Bahnhof einfinden. Wenn es zu viele sind, müssen manche auf den nächsten Zug warten“, beschreibt Patrycja Jacubi. Für sie halten die Helfer Kaffee und Tee bereit, haben 50-Cent-Stücke für die Bahnhofstoilette gesammelt und beantworten so gut wie möglich Fragen. „Manche können Englisch oder Polnisch, manche sogar Deutsch. Ich bin gerade dabei, Ukrainisch zu lernen“, sagt Patrycja Jacubi, die aus Polen stammt. Damit das Projekt so richtig gut läuft, benötigen die Helfer selbst Hilfe.

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Sie stehen täglich von 5.30 bis 21.45 Uhr am Bahnhof und wechseln sich in Schichten ab. Pro Schicht werden rund fünf Leute benötigt. Gerade für die Früh- und Spätschicht werden Freiwillige gesucht. Hilfe beim Übersetzen wäre schön und jemand, der Brötchen schmiert und verpackt. Auch gut erhaltene und saubere Sachspenden sind gefragt und können direkt am Bahnhof abgegeben werden. „Besonders Plüschtiere, aber eigentlich alles. Im Moment kommen relativ gut situierte Flüchtlinge an. Später kommen die, die nur das blanke Hemd am Leib haben“, sagt Jacubi. Und natürlich wird Geld gebraucht. „Auch wenn die Verpflegungsbeutel nur ein Brötchen, etwas Obst, ein Getränk und etwas Süßes enthalten, kostet jeder 2,25 Euro. Das macht am Tag 350 bis 600 Euro am Tag.“ Geldspenden können auf ein Spendenkonto der Caritas überwiesen werden.

Aktuell wird im Hintergrund ein Hilfenetzwerk aufgebaut. Neben der Caritas soll auch die Bürgermeisterin ins Boot geholt werden, die Bundespolizei hilft und viele mehr. Wer sich nützlich machen möchte, kann das Team um Familie Jacubi am Bahnhof besuchen. Außerdem ist die Initiative über Manja Neumann zu erreichen unter Telefon 0173 1539047 oder per E-Mail an [email protected]. Am Dienstag wurden schon die ersten Sachspenden abgegeben und ein Reisender erkundigte sich nach dem Spendenkonto. Taxifahrer Werner Voigt beobachtete die Vorgänge gerührt. „Ich finde, das ist wirklich eine richtig gute Sache. Die armen Kinder tun mir so leid.“