StartseiteRegionalPasewalkGeldstrafe und Bewährung für Schläger – andere brutale Tat ungesühnt

Gerichtsurteil

Geldstrafe und Bewährung für Schläger – andere brutale Tat ungesühnt

Pasewalk / Lesedauer: 3 min

Vor Gericht stand diesmal ein 25-Jähriger, dem andere Männer in der Region lockere Zähne und Nähte am Kopf verdanken. Hat er auch bei einem Dorffest brutal zugetreten?
Veröffentlicht:09.12.2021, 20:25

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Der 63-Jährige ist vom Fach. Oder besser, war vom Fach, denn mittlerweile ist der Mann aus Strasburg nur noch ein Ex-Polizeibeamter. Damals, als geschehen ist, woran sich der Pensionär den Rest seines Lebens erinnern muss, stand er noch im aktiven Dienst. Bei der Kripo in Neubrandenburg sorgte der Mann als Kriminaltechniker dafür, dass Tatorte von Verbrechen akribisch unter die Lupe genommen werden. Damit nichts übersehen wird.

Tritt ins Gesicht bei Dorffest

Am 2. September 2018 lag der Polizeibeamte selbst an einem Tatort. Weit nach Mitternacht wurde der Mann bei einem Dorffest in Vorpommern zusammengeschlagen und, als er schon am Boden lag, mit einem gezielten Tritt mitten ins Gesicht erledigt. Dabei wollte er, der hier nur Gast und privat unterwegs und nicht Polizist war, Minuten zuvor nur helfen, als er mit ansehen musste, wie eine junge Frau auf einen am Boden liegenden Mann eintrat. Er zog die wütende Frau von ihrem Opfer weg – und wurde fast im gleichen Augenblick umgerissen. „Ich kam erst im Krankenwagen wieder zu mir“, sagt er nun im Pasewalker Amtsgericht.

Ein ganzer Strauß von Angriffen und Prügeleien

Der 63-Jährige ist Zeuge und Nebenkläger in dem Prozess gegen einen 25-Jährigen, der wegen mehrfacher Körperverletzung angeklagt ist. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ist der Angeklagte derjenige gewesen, der den Polizisten angegriffen hat. Die wütende junge Frau war damals die Freundin des jungen Mannes.

Außerdem soll der Angeklagte im Februar 2018 – vor fast vier Jahren (!) – einen Autofahrer, dessen Fahrstil ihm nicht passte, ausgebremst und dem Opfer durch das geöffnete Fester Fausthiebe ins Gesicht versetzt haben. So heftig, dass dabei Zahnkronen zu Bruch gingen. Im vergangenen April mussten einem viel älterer Herr Platzwunden am Kopf genäht werden, weil er Schläge des jungen Mannes einzustecken hatte. Angeblich sollte der dafür verantwortlich sein, dass der Opa des Delinquenten einen elektrischen Viehtreiber und ein Luftgewehr vermisste.

Der Ex-Polizist mit der Zivilcourage erkennt den Angreifer nicht, das ging alles viel zu schnell seinerzeit. Sein Schwiegersohn, der so hastig zur Hilfe eilte, wie er konnte, kam zu spät und sah den Schläger nicht mehr – hörte aber wohl, wie andere dessen Namen nannten.

Kiefer doppelt gebrochen

Einzig die Lebensgefährtin des Opfers vermag den Angeklagten als den Angreifer von damals zu identifizieren: „Ja, er ist es“. Sie hat dem Angreifer gegenüber gestanden und musste das Elend mit ansehen. Denn danach war für ihren Freund nichts mehr wie früher, der Tritt ins Gesicht brach gleich doppelt den Unterkiefer. Im Pasewalker Krankenhaus waren die Ärzte zu einer Operation außerstande, die Spezialisten im Neubrandenburger Klinikum mussten ran. Ein halbes Jahr habe er Probleme beim Essen und Kauen und Sprechen gehabt, heißt es, noch sechs Monate länger war er krankgeschrieben – auch aus psychischen Gründen.

Richter Gerald Fleckenstein verurteilt den Angeklagten zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 800 Euro Geldbuße – wegen der Schläge gegen die beiden anderen Männer. Die brutale Tat beim Dorffest indes bleibt ungesühnt. Die vorgelegten Beweise, so der Richter, könnten ihn nicht von der Schuld des Angeklagten überzeugen.

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