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Pleite-Welle im Winter?

Habecks Pleite-Auftritt lässt Vorpommerns Unternehmer aufhorchen

Pasewalk / Lesedauer: 4 min

Der Fernseh-Auftritt des Bundeswirtschaftsministers lässt Geschäftsleute einmal mehr an der Politik zweifeln. Einer hat Lust zu demonstrieren, der Nächste wähnt seine Branche verloren.
Veröffentlicht:07.09.2022, 17:59

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Der Fernsehauftritt von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) am Dienstagabend bei der ARD stößt Unternehmern in der Uecker-Randow-Region sauer auf. Er rechne damit, dass bestimmte Branchen ihre Produktion einstellen müssen, weil ihre Produkte wegen hoher Energiepreise nicht mehr marktfähig sein werden, hatte Habeck beim Polit-Talk mit Sandra Maischberger gesagt. Insolvenz sei das aber nicht.

Am Beispiel eines Bäckers führte Habeck aus, dieser gehe nur dann pleite, wenn er trotz explodierter Energiekosten weiter Brötchen backe, obwohl er die höheren Kosten nicht an die Kunden weitergeben kann. Weitere Branchen, die Habeck in seinem TV-Auftritt erwähnte, waren Blumenläden und Bioläden, Handwerksbetriebe und Reinigungsfirmen.

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Bäcker fordert Atomkraftwerke zurück

Tiefbau-Unternehmer Guido Nentwich platzte am Mittwoch der Kragen. Die gesamte Wirtschaftspolitik sei verfehlt und „ein Chaos“. „Wir haben die Nase schon lange voll. Meine Leute haben kaum noch Lust, zur Arbeit zu gehen. Die Spritpreise und die Materialpreise sind ungeheuerlich. Vor allem in den vergangenen zwei Wochen wird nur noch ein Krisenmodus gefahren. Die Wirtschafts- und Energiepolitik muss jetzt sofort reagieren, jetzt etwas ändern“, forderte der Pasewalker. „Es ist gar nicht nötig, so ein Chaos zu verbreiten und eine Revolte der Bürger regelrecht einzukalkulieren. Das sind unmögliche Zustände. Die fahren alles gegen die Wand. Das macht keinen Spaß mehr.“ Er selbst habe nicht übel Lust, demnächst zusammen mit Branchenkollegen eine Demonstration zu veranstalten und Straßen zu sperren. „Ich hoffe, dass die Bürger endlich wach werden, sonst stirbt die Wirtschaft ganz leise.“

Bäcker Bernd Kurzweg sieht die Politik ebenfalls in der Pflicht, umgehend zu handeln. „Ich bin mit dieser ganzen Wirtschaft nicht einverstanden“, sagte er. Der Pasewalker fordert, dass die Atomkraftwerke wieder in Betrieb genommen werden, um die Energiepreise unter Kontrolle zu bekommen.

„Bevölkerung wird bald aufstehen“

Taxi-Unternehmer Heinz Schulz aus Strasburg sagte, er befürchte, dass es schon zu spät ist. „Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird hier keiner mehr Taxi fahren. Das wird sich im kommenden halben Jahr zeigen.“ Kollegen würden hoffen, sich gerade noch in die Rente retten zu können. Er selbst mache so lange weiter, wie es irgendwie geht. Schon jetzt würden sich nur noch jene Leute ein Taxi leisten, die gar keine andere Möglichkeit haben. „Dafür braucht man keine Hand, die kann man an einem Finger abzählen.“ Er glaube, dass die Bevölkerung bald auch in Strasburg aufstehen wird. Die Stimmung sei jedenfalls entsprechend angespannt.

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Bioladen-Besitzer ist froh, unabhängig zu sein

Maik Rollin vom Pasewalker Bioladen war am Mittwoch einmal mehr froh, von Gas nicht abhängig zu sein. „Wir haben vor ein paar Monaten die Gasversorgung komplett abgeschafft, zu Hause und auch in der Kaufhalle.“ Daheim heize er mit Holz. Für seinen Bioladen denke er ebenfalls über den Einbau eines Kamins nach. „Natürlich haben wir dann keine 25 Grad im Raum, aber das brauchen wir auch nicht. Der kleine Mann muss sich selbst helfen.“ Das habe er schon bei seinen ersten Schritten in die Selbstständigkeit gelernt. Im Gegenzug lasse er sich aber auch vom Staat nichts mehr vorschreiben. „Jedes Problem birgt auch Chancen. Man muss Vorteile nutzen und Risiken minimieren.“ In seinem Unternehmen sei bisher alles im Lot. Umsatzeinbrüche habe er nicht zu verzeichnen und sehe auch noch keine kommen. Sollte er sich irren, werde er auch dann wieder eine Lösung finden. Er gehe jedenfalls nicht davon aus, „dass das, was in den vergangenen 50 Jahren versäumt wurde“, jetzt auf die Schnelle nachgeholt werden kann.

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