Erneuerbare Energien

"Politik verbreitet Panik mit Wärmepumpen"

Uecker-Randow / Lesedauer: 4 min

Die Politik sieht die Wärmepumpe als Lösung, um dem Klimawandel zu begegnen. Die alten Gas– und Ölheizungen sollen ab 2024 verschwinden. Aber funktioniert das auch?
Veröffentlicht:22.04.2023, 17:21

Von:
  • Zoltán Szabó
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Die Wärmepumpe in Eigenheimen und Wohnhäusern soll das Klima retten, wenn es nach der Ampel–Koalition geht. Ab Januar 2024 soll möglichst jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Doch wie soll das funktionieren? Das fragt sich auch Heizungsbauer Frank Marquardt aus Rollwitz.

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Das Gas– und Ölheizungsverbot ab 2024 würde bei Kunden für Verunsicherung und Panik sorgen, sagt Marquardt. „Die Politik suggeriert, dass Wärmepumpen die Heilsbringer wären, aber sie reduzieren nur den CO2–Ausstoß. Dass man mit Wärmepumpen Kosten sparen kann, bezweifle ich.“

Wärmepumpen nur sinnvoll für gedämmte Häuser

Die Austausch–Pflicht werde laut dem Heizungsbauer viele Menschen betreffen, denn viele Kunden seien nach 30 Jahren Nutzungsdauer an den Punkt gekommen, an dem sie ihre Heizung tauschen müssten. Sinnvoll sei eine Wärmepumpe in der Regel nur, wenn das Haus gedämmt sei. Somit würde sich die Lösung vor allem für Neubauten anbieten. Bei Altbauten müssten die Eigentümer neben Kosten von etwa 25.000 Euro für eine Wärmepumpe mit zusätzlichen Kosten von mehreren zehntausend Euro für die Dämmung rechnen, damit sie effizient arbeitet.

„Das können sich nur die Wenigsten leisten“, glaubt der Heizungsbauer. Die Leute müssten wohl oder übel einen Kredit aufnehmen, um die Kosten für den Umbau zu finanzieren. Die Förderprogramme seien keine Lösung, denn in der Regel müssten die Leute das Geld vorfinanzieren, bevor sie eine Förderung erhalten.

Höchste Effizienz bei Fußbodenheizung

Die höchste Effizienz weise die Wärmepumpe im Zusammenspiel mit einer Fußbodenheizung auf, da diese eine Vorlauftemperatur von nur 35 Grad benötige, um den gesamten Raum zu beheizen. Doch es gebe mittlerweile auch Heizkörper, die den Raum effizient beheizen würden. Ob ein Heizkörper eine Vorlauftemperatur von 70 oder 55 Grad benötige, hänge von mehreren Faktoren ab — dem Dach, der Fassade und der Größe des Heizkörpers. Einzelheiten kläre man am besten im Gespräch mit dem Heizungsbauer.

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Noch besser als eine Wärmepumpe sei die Nutzung von Erdwärme, auch Sole genannt, im Zusammenspiel mit einer Fußbodenheizung. Der Wirkungsgrad sei höher. Luft–Wärmepumpen im Außenbereich hätten den Nachteil, dass der Wirkungsgrad bei Temperaturen unter dem Nullpunkt sich verringere. Doch um die Erdwärme–Lösung nutzen zu können, bedarf es Bohrungen, die laut Marquardt im Durchschnitt mit 20.000 Euro zu Buche schlagen können. 

„Unrealistische Vorstellungen“

Es sei zudem gar nicht zu schaffen, alle Haushalte in Deutschland innerhalb eines Jahres umzurüsten, wie die Politik sich das wünsche. „Das ist nicht machbar.“ Die Materialbereitstellung sei das Problem. Während die Lieferzeiten für eine Gasheizung bei ein bis zwei Wochen und für eine Ölheizung bei vier Wochen liegen, könne die Lieferung einer Luft–Wärmepumpe auch ein Jahr dauern. Er frage sich auch, wie viele Leute die Heizungsbauer bei dem vorhandenen Fachkräftemangel einstellen sollen, damit das innerhalb eines Jahres funktionieren soll.

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Die Politik habe das nicht verstanden, glaubt er und unterstellt den Politikern, mit Blick auf den angedachten Wechsel zur Wärmepumpe, „weltfremd“ zu sein und „unrealistische Vorstellungen“ zu haben. 

Bundestagsabgeordneter plädiert für flexible Austauschfristen

Wie aber reagiert die Politik auf die Kritik des Heizungsbauers? Der Nordkurier hat Erik von Malottki (SPD), der für den Wahlkreis in den Bundestag eingezogen ist, um eine Einschätzung gebeten. Aus Sicht von Malottki ist die „klimaneutrale Wärmeversorgung“ nur zu schaffen, wenn niemand überfordert werde und sich die Politik an den realen Rahmenbedingungen orientiere. „Das heißt, beim Austausch von alten Gas– und Ölheizungen müssen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Menschen und die besondere Lage im ländlichen Raum berücksichtigt werden“, sagt Malottki. Er spricht sich daher für flexible Austauschfristen, etwa durch Ausnahmeregelungen aus.

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Der Vorschlag von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sehe nicht das Herausreißen bestehender Gas– und Ölheizungen vor. Lediglich neue Heizungen sollen ab dem Jahr 2024 möglichst zu 65 Prozent mit Erneuerbaren Energien betrieben werden. Der Bundestagsabgeordnete wolle sich dafür einsetzen, das Gebäudeenergiegesetz sozialverträglich und technisch umsetzbar zu gestalten, damit die „Wärmewende“ beschleunigt werde. Für Hinweise aus der Praxis sei er sehr dankbar und werde diese mit nach Berlin nehmen. Er wolle daher Kontakt zu dem Heizungsbauer aufnehmen.