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Frauentag

Kartoffeln als Symbol für Frauen – ist das Kunst?

Pasewalk / Lesedauer: 3 min

Was war da auf dem Marktplatz los? Mit Vorhängen, Kartoffeln, einem Pferd und viele Namen wurde der Internationale Frauentag in Pasewalk zelebriert. Wir können alles erklären.
Veröffentlicht:08.03.2022, 17:12

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Die Liste der Namen ist lang. Die Feministin Alice Schwarzer findet sich darauf, die Sängerin Billie Eilish, Ex-Kanzlerin Angela Merkel, Pasewalks Bürgermeisterin Sandra Nachtweih, "Oma", "Lina", "meine Mutter", die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg .... „Das Spektrum ist wirklich sehr breit. Der Rücklauf vor allem unter jungen und unter älteren Frauen war am größten“, sagt die bildende Künstlerin Barbara Caveng, die gemeinsam mit der Malerin Lana Svirezheva und weiteren Helferinnen am Internationalen Frauentag auf dem Pasewalker Markt das Projekt „Die Vorreiterin“ umsetzte.

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Frauen, die inspirieren

Frauen waren in den vergangenen Tagen aufgerufen, Namen weiblicher Personen zu benennen, die für sie von Bedeutung sind. Mehr als 100 Menschen beteiligten sich vorab. 180 Namen wurden übermittelt, spontan kamen am Dienstag weitere hinzu, insgesamt waren es dann um die 300. Vor allem junge Menschen haben Barbara Caveng zufolge einen Blick über Grenzen, das gebe Hoffnung. Tabea Steußloff aus Pasewalk und Schülerin am Gymnasium etwa hatte den Namen Milli Bobby Brown für die Liste notiert, eine britische Schauspielerin und Model. „Sie ist eine herzliche Person und sehr offen, das gefällt mir“, begründet Tabea ihre Wahl.

Das Projekt findet im Rahmen der Dorf-Residenz von Barbara Caveng aus Berlin in Pasewalk statt, welches durch das Kulturlandbüro Bröllin unterstützt wird. Letzteres wiederum wird gefördert vom Trafo-Modell für Kultur im Wandel, zu dem mehrere Partner gehören.

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Kartoffeln als Symbol der Frauen

Die Aktion am Frauentag begann für die beiden Künstlerinnen, die sich die „Schrifttmacherinnen“ nennen, mit dem Schnitzen von Buchstaben aus Kartoffeln, die für das Bedrucken der Namen auf Vorhängen gebraucht wurden. „Kartoffeln sind existenzielle Lebensmittel. Sie erhalten und retten Leben. In Kriegen sind sie lebenswichtig. Sie sind aber ebenso ein Symbol für Frauen“, erklärt Barbara Caveng. Die Kartoffel stehe aber auch dafür, dass Frauen an die Häuslichkeit gebunden, oft gefesselt sind und ihre Lebensträume nicht verwirklichen können, meint die Künstlerin, die im Jahr 2013 bereits ein Kunstvorhaben in Blankensee und Pampow umsetzte.

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Symbolik mit Vorhängen und Pferd

Die bedruckten „Vorhänge des Ruhmes“ stammen aus Pasewalk, unter anderem aus dem ehemaligen Kürassier-Casino. Am Nachmittag erschien dann die symbolische Vorreiterin mit dem Pferd Edda, die vor dem von Frauen gezogenen Vorhang des Ruhmes beim Umzug durch die Stadt ritt. Die Reiterin, Hanna Mau aus Ulrichshof bei Woldegk, sei Stellvertreterin aller Frauen, die im Privaten oder Öffentlichen für Gleichberechtigung der Geschlechter in allen Lebensbereichen eintreten, sagt Barbara Caveng. Pasewalk nenne sich Kürassierstadt, und Kürassiere hätten Panzer. Die Vorreiterin müsse sich aber nicht verteidigen, sie sei Vorbild.

Der Künstlerin zufolge war die Aktion am Frauentag der Auftakt für weitere im Rahmen der Dorf-Residenz in Pasewalk. Die Stute Edda stellte Kenny Rebenstock aus Pasewalk für die Aktion zur Verfügung.