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Gesundheitssystem

Krankenhaus macht letzte OP-Station dicht

Pasewalk / Lesedauer: 2 min

Auch am Montag wurden Hilfesuchende bei der Asklepios-Klinik wieder abgewiesen, Operationen wurden abgesagt. Auch die Gynäkologie war nun nahezu arbeitsunfähig.
Veröffentlicht:04.12.2023, 16:49

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Aus der Asklepios-Klinik in Pasewalk werden immer neue Hiobsbotschaften bekannt. Neben Orthopädie, Urologie und Chirurgie sei auch die Gynäkologie weitgehend stillgelegt. Selbst einfachste Operationen könnten nicht mehr durchgeführt werden, weil Instrumente fehlen, hieß es am Wochenende aus Betroffenen-Kreisen. Nur Geburten seien dort noch möglich.

Krankenhaus kämpft ums Überleben

Damit sind alle vier operativen Stationen im Haus nahezu lahmgelegt. Auch die Notaufnahme muss chirurgische Notfälle ablehnen. Krankenhaus-Sprecher Mathias Eberenz bestätigte das am Montag auf Nachfrage und erinnerte zugleich daran, dass man weiter darauf hoffe, ab Dienstag wieder einigermaßen normal arbeiten zu können. „Auf Hochtouren“ werde das OP-Besteck, das zum Sterilisieren ins 400 Kilometer entfernte Hamburg gebracht wurde und danach nicht mehr einsetzbar war, gesichtet, sortiert, gezählt, erneut desinfiziert, verpackt und nach Pasewalk transportiert. Dieser offenbar äußerst aufwendige Vorgang läuft seit der vergangenen Woche und sollte, so der Plan, am Montagabend abgeschlossen werden.

Das relativ kleine Krankenhaus am Rande der Kleinstadt kämpft seit vielen Monaten ums Überleben. Steigende Kosten bei ausbleibender staatlicher Förderung seien schwer auszugleichen, hieß es. Vor rund sieben Tagen spitzte sich die Lage extrem zu. Die Mitarbeiter der Sterilisationsabteilung hatten sich zunächst geschlossen krank gemeldet und sollen nach Nordkurier-Informationen inzwischen entlassen worden sein. Seither sollen Skalpelle, Scheren und alle anderen OP-Instrumente in Hamburg gereinigt werden.

Politiker entsetzt und weitgehend ratlos

Zumindest in der Umstellungsphase ging das neue Konzept aber krachen. Durch Insider und Patienten war die katastrophale Lage an die Öffentlichkeit gelangt. Politiker hatten sich auf Nordkurier-Nachfrage entsetzt gezeigt, aber nicht wirklich Vorschläge zur Stabilisierung der für Vorpommern, die Uckermark und Teile der Mecklenburgischen Seenplatte wichtigen Versorgungseinrichtung parat.

Intern tue man alles erdenklich Mögliche, um „die OP-Versorgung in Pasewalk wieder auf das normale Niveau zu bringen“, versicherte der Asklepios-Sprecher. „Aktuell gehen wir davon aus, dass die Klinik am Dienstag den regulären OP-Betrieb wieder aufnehmen kann. Gleiches gilt für die Teilnahme an der Notfallversorgung.“ Oberstes Gebot sei die Sicherheit der Patienten.

Der Asklepios-Konzern betreibt nach eigenen Angaben mehr als 160 Krankenhäuser in ganz Deutschland. Ein nahezu Totalausfall wie der in Pasewalk dürfte für das Unternehmen vorläufig zu den Tiefpunkten zählen.