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Gerichtsbericht

Reinrassig? Ehepaar fühlt sich beim Hundekauf übers Ohr gehauen

Pasewalk / Lesedauer: 2 min

Weil sich die Käufer eines kleinen Vierbeiners vom Verkäufer in Sachen Rasse und Klasse des Kaufobjekts getäuscht sehen, fordern sie Geld zurück. War das Tier eine Mogelpackung?
Veröffentlicht:20.12.2022, 11:37

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Das kleine Amtsgericht in Pasewalk ist auf den Hund gekommen. Vor Richter Gerald Fleckenstein sitzt ein Ehepaar, das sich heftig über den Kauf eines Welpen im Sommer 2021 beklagt. „Der Hund wurde uns untergeschoben“, heißt es. 900 Euro haben die Hundeliebhaber auf den Tisch gelegt für ein Tier ihrer Lieblingsrasse. Erhalten haben sie allerdings einen Hund, der keineswegs reinrassig ist, was sich mit zunehmendem Alter des Tieres herausstellte.

Reinrassigkeit ist dem Ehepaar wichtig

Deshalb fordern die beiden Kläger ihr Geld zurück – und sind damit bisher bei der Verkäuferin des Welpen auf Granit gestoßen. Niemals, so deren Argumentation, wäre in dem Kaufvertrag die Rede von Reinrassigkeit gewesen. Und eigentlich müsste bei dem Kaufpreis damals schon einiges klar gewesen sein, reinrassige Welpen seien viel teurer. 1200 bis 1400 Euro müssen dafür gezahlt werden, mindestens.

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Dabei ist die Reinrassigkeit dem älteren Ehepaar so wichtig gewesen – die vor Jahren schon einmal einen Hund ihrer Lieblingsrasse besaßen. Wesensmerkmale dieser Rasse seien Freundlichkeit und gute Erziehbarkeit – und davon könne bei dem Tier, das sie vor eineinhalb Jahren erstanden, so überhaupt keine Rede sein. „Wenn Sie wüssten“, barmt die Frau des Hauses bei Richter Fleckenstein um Verständnis und Mitgefühl, „was der Hund schon alles angerichtet hat“. Kein Möbelstück sei vor dem sicher, selbst die Türen würde der anfressen, was für ein Ärger. Und überhaupt, mittlerweile habe man sich einen zweiten Hund angeschafft, natürlich einen reinrassigen, etwas ganz anderes sei das. Und deshalb wolle man Geld zurück und auch den Hund Nummer eins wieder loswerden.

Richter baut Klägern eine goldene Brücke

So einfach ist das aber nicht, macht der Richter den beiden Klägern klar. Sie seien in der sogenannten Beweislast, sie müssen den „Mangel“ beweisen, dass wirklich und tatsächlich die Reinrassigkeit eine Kaufbedingung gewesen sein soll. Fleckenstein baut dem Ehepaar eine goldene Brücke, um vielleicht einem Vergleich zwischen den Streithähnen den Weg zu bahnen. Es wäre nicht unklug, wendet sich der Richter an die beiden Kläger, eine Lösung zu finden. Die machen gemeinsam mit ihrem Rechtsanwalt einen Vorschlag: Sie erhalten 450 Euro zurück und die Sache ist vom Tisch. Der Rechtsbeistand der beklagten Verkäuferin bietet jetzt 400 Euro und keinen Cent mehr, schweren Herzens stimmen die Besitzer zweier Hunde zu.

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Den ungeliebten Hund will das Ehepaar nun schnell wieder loswerden.