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▶So sieht es im DDR-Atombunker bei Pasewalk aus

Pasewalk / Lesedauer: 3 min

Ein Atombunker bei Pasewalk soll verkauft werden. Der Nordkurier durfte einen exklusiven Blick ins unterirdische Gemäuer werfen. 
Veröffentlicht:29.01.2024, 19:04

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Mitten im Wald liegt unweit von Pasewalk ein alter DDR-Atombunker. Das dreieinhalb Hektar große Gelände ist umgeben von Maschendrahtzaun, wuchernden Gräsern und hochgewachsenen Kiefern. Ein Funkturm ragt in die Luft. Zwei rostige Tore versperren unerwünschten Besuchern den Eintritt. An einem alten Laternenmast hängt eine moderne Videokamera und überwacht das Geschehen. 

100.000 Euro Schaden durch Vandalismus

Inhaber Heinz Fuhrmann steigt mit seiner Frau Gertraud Tilscher aus dem Auto, schaltet den Alarm aus und öffnet das Fußgängertor. Das gesamte Gelände sei videoüberwacht und alarmgesichert, sagt der 63-Jährige. Aus gutem Grund: Immer wieder würden Personen auf sein Grundstück einbrechen und randalieren.

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Das Ausmaß des Vandalismus lässt sich wenige Meter weiter auf einem Platz erblicken. Dort hatte Fuhrmann einen weißen Twingo geparkt, um das Gelände belebter aussehen zu lassen. Als die Alarmanlage einmal für knapp drei Tage ausgefallen sei, hätten die Randalierer ihre Chance ergriffen und das Auto demoliert.  

Das Gelände des Atombunkers ist videoüberwacht und alarmgesichert. Trotzdem schafften es Randalierer, hineinzukommen.
Das Gelände des Atombunkers ist videoüberwacht und alarmgesichert. Trotzdem schafften es Randalierer, hineinzukommen. (Foto: Dominic Schmidt)

Alle Fenster des Autos wurden eingeschlagen, der rechte Scheinwerfer herausgerissen. In der Windschutzscheibe steckt eine lange Metallstange. Die Scherben der Randale liegen noch auf dem Platz. Auch die Gebäude blieben nicht verschont. Die Decken im Bürogebäude sind aufgerissen, die Türen eingetreten und die Wände mit Altöl beschmutzt.  

Der geparkte Twingo wurde von Randalierern demoliert.
Der geparkte Twingo wurde von Randalierern demoliert. (Foto: Dominic Schmidt )

In drei Jahren habe Fuhrmann zwölf Anzeigen bei der Polizei wegen Vandalismus erstattet. Insgesamt seien Schäden von rund 100.000 Euro entstanden, erzählt er im Bürogebäude. Trotz seiner hochauflösenden Bilder durch die Videokameras seien alle Anzeigen eingestellt worden.

Doch nicht alles im Bürogebäude haben Randalierer beschädigt. Eine Metalltür an einer Treppe blieb unversehrt. Heinz Fuhrmann kramt den Schlüssel hervor und öffnet sie. Die Treppe führt hinab zum Eingang des Atombunkers in sieben Metern Tiefe. 

Überbleibsel aus der DDR-Zeit

Der Eingang wird durch eine schwere blaue Stahltür und eine elektrisch gesicherte Brandschutztür vor unangekündigten Besuchern geschützt. Dadurch ist im Bunker einiges im Originalzustand, weil Randalierer nicht hineinkommen können, erklärt der 63-Jährige. Er öffnet die gesicherte Tür und geht voran.

Neben einer Kommandozentrale haben sich damals weitere Arbeitsbereiche, ein Sanitärraum, Küche und Schlafräume in dem ehemaligen Nachrichtenbunker befunden, sagt Fuhrmann. Allerdings sei ein Großteil der Räume schon beim Kauf leer geräumt gewesen.

In manchen Räumen stehen jedoch noch Überbleibsel aus der DDR-Zeit wie ein alter Fernmelder, weitere Geräte, Wartungspläne und ein Notstromaggregat. Über eine Belüftungsanlage werde für frische Luft gesorgt. Die Anlage werde regelmäßig gewartet. Auch zwei Toiletten mit Dusche sind vorhanden. Rund 35 Personen könnten auf der knapp 1000 Quadratmeter großen Fläche 60 Tage lang überleben, so Fuhrmann.

Bunker steht für 1 Million Euro zum Verkauf

Den Kauf des Atombunkers habe der 63-Jährige nach eigenen Worten "etwas blauäugig" abgeschlossen. Vor fünf Jahren habe er das Gelände auf einer Immobilienplattform entdeckt, Potenzial erkannt und nicht lange darüber nachgedacht. Durch Insolvenz des vorherigen Besitzers sei das Gelände ein Schnäppchen gewesen.

Die Immobilie besitzt Fuhrmann gemeinsam mit seiner Frau. Ursprünglich habe der 63-Jährige den Atombunker an die Prepper-Szene vermieten wollen, aber daraus sei bislang nichts geworden. Manche der Räume seien aktuell als Serverräume vermietet.

Heinz Fuhrmann zeigt den schmalen Notausgang des Atombunkers.
Heinz Fuhrmann zeigt den schmalen Notausgang des Atombunkers. (Foto: Dominic Schmidt )

Inzwischen will Fuhrmann den Bunker jedoch für 1 Million Euro verkaufen. Der Hauptgrund sei, dass er und seine Frau nicht mehr jünger würden und "der erste Elan ist raus". Die Räume des Bunkers könnten von den Kunden als Serverfarm genutzt werden. Auch für Photovoltaik-Anlagen eigne sich das große Gelände.

Mittlerweile hätte außerdem ein großer Kampfmittelräumdienst Interesse an der Immobilie gezeigt, der demnächst "die ganze Ostsee beräumen" wolle, berichtet Fuhrmann. Eine Einigung sei aber noch nicht erzielt worden.