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Stadtwerke-Chef: Diese Idee gefährdet die Stadt

Pasewalk / Lesedauer: 3 min

Der Pasewalker Haushalt ist im Minus, darum soll jetzt den Stadtwerken in die Taschen gegriffen werde. Deren Geschäftsführer warnt: Ein Mal mag gerade noch gehen!
Veröffentlicht:28.10.2023, 06:15

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Stadtwerke-Chef Rüdiger Behrendt warnt: Wer den Stadtwerken Pasewalk dauerhaft in die Tasche greift, um den städtischen Haushalt zu entlasten, gefährde die Zukunft der Kürassierstadt. „Die Stadtwerke haben im Geschäftsjahr 2022 einen Gewinn von 1,33 Millionen Euro erwirtschaftet. Dieser Gewinn ist aber kein Plus auf dem Konto, sondern wird zum Großteil investiert in die städtische Infrastruktur.“

Werde etwa eine alte Trafostation, die 15. 000 Euro gekostet habe, durch eine moderne ersetzt, weil damit Photovoltaik-Anlagen angeschlossen werden können, dann koste diese neue Station jetzt 65. 000 Euro.

Es fehlen im Haushalt rund 760.000 Euro

Wenn bei einer Straßensanierung das alte Wasser-, Gas- und Stromnetz durch neue Kabel und Rohre ersetzt wird, dann seien das Hunderttausende Euro Gewinn, obwohl sich für den Bürger nichts ändere und die Rohre nur ausgetauscht werden. „Die Stadtwerke haben Rückstellungen gebildet und bilden weitere“, erklärt Rüdiger Behrendt. Eine Stadt brauche eine funktionierende Infrastruktur, damit sich Gewerbe ansiedeln und erweitern kann oder Wohnungsunternehmen bezahlbare Mieten anbieten können.

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Weil im städtischen Etat für 2024 noch 756. 700 Euro fehlen, hatte Kämmerin Nicole Herrmann im jüngsten Finanzausschuss eine Gewinnausschüttung von städtischen Tochterunternehmen wie den Stadtwerken favorisiert.

100 Millionen Euro für Wärme, Strom und Wasser

Dem Geschäftsführer zufolge werden die Stadtwerke in den kommenden Jahrzehnten mindestens 50 bis 100 Millionen Euro in den Bereichen in Wärme, Strom und Wasser investieren müssen. So werde der Bau von zwei Windkraftanlagen einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Ohne Kredite sei das nicht machbar. „Der Bau von einem 1,5 Kilometer langen Fernwärmenetz kostet um die zwei Millionen Euro.“ Ein vorgesehenes Wasserwerk im Industriepark werde mit 10 bis 15 Millionen Euro veranschlagt.

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„Es ist wie bei jedem privaten Häuslebauer, nur in anderen Größenordnungen: Ohne Eigenmittel geht nichts, sagt der Geschäftsführer. Deshalb sei es schade, dass man aufgrund der Zwangslage in der Verwaltung aus dem Stadtwerke-Topf Gelder entnehmen und zweckentfremden müsse. Eine dauerhafte Gewinnentnahme Jahr für Jahr werde dazu führen, dass die Stadtwerke den Umbau zu einem klimaneutralen Netz nicht schaffen können und Bürger und Wohnungsunternehmen mit ihren Problemen allein gelassen werden.

„Unternehmen nicht kaputtsparen“

Ähnlich argumentiert Wilfried Sieber (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke. „Das Unternehmen hat große Aufgaben vor sich, die sich vor allem aus der Bundespolitik ergeben. Mit denen kommen Kosten auf die Stadtwerke zu. Man darf ein gesundes Unternehmen nicht kaputt sparen.“ Noch nicht abgeschlossen sei zudem der Glasfaserausbau in Pasewalk. Ein Anlagevermögen in Millionenhöhe sei kein frei verfügbares Kapital. Trotzdem habe der Aufsichtsrat die Empfehlung einer einmaligen Gewinnausschüttung gegeben.

Bürgermeister Danny Rodewald (parteilos) als Vertreter des Gesellschafters versicherte, keine weiteren Forderungen über die vom Aufsichtsrat genannte Summe hinaus zu erheben. „Wenn es eine Lösung gibt, kann der Betrag auch reduziert werden. Uns ist bewusst, dass das dem Unternehmen wehtut.“ Laut Rüdiger Behrendt ist eine einmalige Gewinnentnahme ein bedauernswerter Rückschritt, den die Stadtwerke jetzt irgendwie verkraften müssen.