StartseiteRegionalPasewalkBistro und Gemütlichkeit – Bahnreisen im Nordosten soll komfortabler werden

Neue Stiftung

Bistro und Gemütlichkeit – Bahnreisen im Nordosten soll komfortabler werden

Pasewalk/Prenzlau/Neustrelitz / Lesedauer: 4 min

Eine relativ junge Stiftung will stillgelegte oder schwach genutzte Strecken um Pasewalk, Prenzlau und Neustrelitz reaktivieren. Die Züge sollen auch richtig schick werden.
Veröffentlicht:07.12.2023, 05:56

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Wenn diese Vision Wirklichkeit wird, sausen durch die Uecker-Randow-Region, die Uckermark und die östliche Mecklenburgische Seenplatte in ferner Zukunft lauter charmante Eisenbahnen mit Bordbistros, gemütlichen Abteilen, gepflegten Toiletten, zuvorkommenden Schaffnern und allem, wovon Bahnreisende träumen.

Eine neue Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, stillgelegte oder schwach befahrene Bahnlinien im Nordosten und auch den längst verblichenen Charme der Bahnhöfe zum Leben zu erwecken.

Beeindruckte Kommunalpolitiker

Holger Kodim, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Reichsbahn- und Länderbahnstiftung mit Sitz in Berlin, hat das Vorhaben den Pasewalker Stadtvertretern bei ihrer jüngsten Sitzung vorgestellt und den einen oder anderen Kommunalpolitiker durchaus beeindruckt hinterlassen.

„Das wäre eine tolle Sache für unsere Region“, sagte Pasewalks Bürgermeister Danny Rodewald (parteilos). Allein die angedachte Zeit der Umsetzung von bis zu 40 Jahren stimme ihn nachdenklich. Schließlich wolle nicht nur er den Durchbruch auf den Schienen noch miterleben. „Ich hoffe doch, dass das Geld schneller reinkommt.“

Geht vielleicht zügiger

Holger Kodim, 62 Jahre alt und pensionierter Lokführer, schloss auf Nachfrage nicht aus, dass es eventuell doch alles etwas zügiger gehen könne. Das Projekt laufe gerade erst richtig an.

Es gehe um die Strecken Prenzlau-Pasewalk-Jatznick-Torgelow-Eggesin-Ueckermünde, Prenzlau-Strasburg, Prenzlau-Fürstenwerder, Prenzlau-Templin, Templin-Lychen-Neustrelitz-Feldberg, Templin-Boitzenburg-Fürstenwerder-Strasburg, Prenzlau-Damme-Gramzow-Schönermark und Templin-Milmersdorf-Friedrichswalde und darüber hinaus.

Priorität hätten die Strecken Pasewalk-Ueckermünde, Templin-Fürstenberg und Templin-Joachimsthal. Nach und nach wolle man das Netz erweitern.

(Foto: NK-Grafik / H. Ackermann)

Auch die Bahnhöfe wolle seine Stiftung nicht aus den Augen verlieren, wenngleich deren überwiegende Privatisierung vieles verkompliziere. Der Bahnhof in Strasburg sei früher „ein ganz schmuckes Gebäude“ gewesen. Sein heutiger Zustand sei „grauenvoll“.

Gleiches gelte für Pasewalk, wo es immerhin noch einen Fahrkartenschalter gebe, es aber an mindestens einer Gaststätte, Toiletten und vielem mehr mangele. „Bahnfahren soll wieder Spaß machen, mit allem Drum und Dran.“

Niedergang der Bahn Dorn im Auge

Der scheinbare Niedergang der Deutschen Bahn sei ihm und seinen Mitstreitern ein Dorn im Auge. Es sei nicht auszuschließen, dass die Bahn gerade im Osten weitere Strecken „abstoßen“ wird, weil sie sich nicht rentieren. Dabei seien gerade diese Verbindungen für Touristen wie Einheimische besonders wichtig.

Seine „gemeinnützige, ganzheitliche Eisenbahnstiftung“ wolle einspringen. Das sei durchaus möglich, denn schließlich müssten Stiftungen keine Gewinne erwirtschaften, sondern plus minus Null genüge.

Für das Vorhaben gebe es Förderprogramme und Beispiele, bei denen es gelungen ist, etwa im Harz oder beim Rasenden Roland auf Rügen. Außerdem lasse sich der Personenverkehr über den Güterverkehr querfinanzieren. „Der bringt richtig Geld.“ Erste Interessenten für Holztransport auf Schienen gebe es etwa im Raum Pasewalk-Ueckermünde, für Beton-, Splitt- und Holztransporte bei Templin und Milmersdorf. „Alle wollen auf die Schiene.“

DDR als Vorbild

Zu DDR-Zeiten habe das Eisenbahnwesen schließlich auch funktioniert. Da habe nicht der Staat die Bahn finanziert, sondern umgekehrt. „Nach der Wende hatten wir die Chance, das Konzept aus der DDR zu übernehmen. Aber durch falsche Strukturen, Zersplitterung und Privatisierung kam es zu diesem Rückfall in die Gründerzeit, den wir heute erleben.“

Die Stiftungsgründer seien „alle Eisenbahner, alle vom Fach“. Kontakte zu Eisenbahnunternehmen und Eisenbahnvereinen würden seit Jahrzehnten bestehen, erste Sponsoren seien gefunden, erste Arbeiten am zu ertüchtigenden Bahnbetriebswerk in Templin erfolgt. Parallel starte eine Werbekampagne und eine Tour durch Rathäuser und Stadtvertretungen, um das Projekt bekannt zu machen. Strasburgs Bürgermeister habe sich bereits sehr begeistert gezeigt.

Klemens Kowalski (parteilos) verfasste prompt einen offenen Brief, den er unter anderem an alle Bürgermeister schickte, die das Projekt Uckermärkische Kreisbahn tangiert. „Das ist eine außergewöhnliche Chance für unsere Region“, schrieb er. „Viele ländliche Gebiete wurden in den 90ern von dem wichtigen Verkehrsnetz abgeschnitten, was negative Auswirkungen auf Tourismus, Wirtschaft und die demografische Entwicklung hatte. Doch es besteht Hoffnung, das brachliegende Schienennetz in der Uckermark und der Uecker-Randow-Region wiederzubeleben und historische Eisenbahnstrecken im Kontext des modernen Eisenbahntourismus neu zu beleben.“ Er ermunterte seine Amtskollegen: „Gemeinsam können wir zeigen, dass auch in dünn besiedelten Regionen ein effizienter und attraktiver Bahnverkehr möglich ist. Lassen Sie uns zusammenarbeiten, um unsere Uckermark und die Uecker-Randow-Region wieder zu einem lebendigen Knotenpunkt des Eisenbahnverkehrs zu machen.“

Viele Millionen sind wohl nötig

Holger Kodim und seine Mitstreiter seien von der Pike aus ausgebildet, in Betriebs- und Verkehrsdienst. „Wir wissen, wie man Eisenbahn zu betreiben hat.“ Für Laien, die heute oft maßgebliche Entscheidungen träfen, sei alles natürlich etwas schwieriger. Wie viel Geld benötigt wird, lasse sich allerdings noch nicht abschätzen. Viele Millionen müssten es wohl sein. Wenn nur genügend Geld zusammen komme, könne der einstmals erlebte Traum vom entspannten Reisen in komfortablen und schicken Zügen durchaus ein zweites Mal wahr werden. www.deutschereichsbahn-laenderbahnstiftung.de