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Aufruf

Vorpommer will aus vielen wahren Geschichten ein Buch machen

Ueckermünde / Lesedauer: 4 min

Michael Schmal aus Ueckermünde kann sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen. Nun plant er eines mit Geschichten von ganz normalen Leuten. Doch dazu braucht er Hilfe.
Veröffentlicht:02.02.2023, 05:58

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Würden Sie jemandem eine Geschichte erzählen? Eine Geschichte aus Ihrem Leben, und darin gewissermaßen ganz Persönliches preisgeben? Auch wenn diese Geschichte dann veröffentlicht werden würde – in einem Buch womöglich?

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Schriftsteller stellte Bedingung: Geschichten mussten wahr sein

Fraglich, ob viele Menschen aus Vorpommern dies tun würden. Und doch nicht unmöglich, wie ein Beispiel aus den USA zeigt. Paul Auster, ein Schriftsteller, hat so einen Versuch gewagt und viele Leute dazu angeregt. Die Idee dazu entstand eher zufällig – und ein bisschen Faulheit hatte wohl auch mitgespielt. Ein Journalist des National Public Radio hatte Auster gefragt, ob er jeden Monat ein paar Geschichten schreiben und im Radio vorlesen könne. Der Autor hatte aber dazu wohl keine Lust und womöglich auch keine Zeit. Seine Ehefrau riet ihm deshalb, doch einfach Hörer des Senders zu bitten, ihm Geschichten zu schicken. Zu Thema, zu Umfang und zu anderen Details hatte Paul Auster keine Vorgaben gemacht. Lediglich eine Bedingung gab es: Die Geschichte musste wahr sein.

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Aus tausenden Geschichten ausgewählt

Immerhin etwa 4000 Texte wurden dem Schriftsteller geschickt. Kurze, lange, humorvolle, ernste, traurige, dramatische, bewegende. Eine recht große Zahl und eine recht bunte Mischung also, da war Auswahl nötig, und Paul Auster hat 126 Texte ausgewählt und sie in einer Textsammlung mit dem Namen „Ich glaubte, mein Vater sei Gott” herausgegeben. Das Buch, das auch auf Deutsch veröffentlicht wurde, trägt den Untertitel „Wahre Geschichten aus Amerika”.

„In den vergangenen drei Jahren ist viel passiert“

Nicht immer muss man sich an den USA orientieren. Aber man kann, und das mit den Geschichten sei eine gute Idee, findet der Ueckermünder Literaturkenner und Autor Michael Schmal. Er kam deshalb auf den Gedanken, einen Aufruf in der Region zu starten und Menschen zu bitten, ihm und seinen Mitstreitern ebenfalls wahre Geschichten zu liefern.

„Denn immerhin ist in den vergangenen drei Jahren so viel passiert im Leben wohl jedes Menschen, dass man darüber mit Sicherheit einiges schreiben kann“, sagt Schmal und denkt an Corona-Pandemie, Energiekrise, Inflation und Ukraine-Krieg. Schon jedes Themengebiet für sich liefere genügend Stoff. Insofern sei es sehr interessant, etwas von dem zu erfahren, was zum Alltagsleben der Leute im Landkreis Vorpommern-Greifwald gehört, etwas über ihre Erfahrungen, ihre Freuden, aber auch über die Ängste und Sorgen.

Unterstützung für Buchprojekt willkommen

„Ich würde dann, wenn es genügend Geschichten hier aus der Region gibt, gern ein Buch daraus machen“, sagt Schmal. Erfahrungen hat er damit schon. Vor Jahren hat er ein Büchlein herausgebracht, mit Lyrik von Frauen und Männern aus der Region. Das habe damals allen Beteiligten Freude bereitet.

Allerdings, und das weiß Schmal natürlich auch, ist es schon eine umfängliche Aufgabe, alles zusammenzubringen, was für so ein Buchprojekt nötig ist. Geld ist ein Thema, aber auch die Mithilfe von Literaturfreunden, um das Buch in die richtige Form zu bringen und ansprechend zu gestalten. „Wir wären deshalb dankbar für jede Form der Unterstützung, egal, ob moralisch oder finanziell“, sagt Schmal und meint damit nicht nur Hilfe von seinen Freunden etwa vom Ueckermünder Kulturspeicher, vom Literaturclub und vom Erinnerungsatelier Angelika Janz.

Sechs Monate Zeit

Übrigens können alle, die sich für die Idee begeistern, schon jetzt zur Feder, zu Kugelschreiber, Füller oder Tastatur greifen. Unter dem Motto „Schreibe, wie du redest, so schreibst du schön“ von Gotthold Ephraim Lessing sind alle eingeladen mitzumachen. Einsendeschluss ist der 1. August 2023. Gewünscht sind ein bis eineinhalb DIN-A4-Seiten. „Schicken Sie Ihre Geschichte mit dem Vermerk ‚Wir suchen Ihre Geschichte‘ gerne an den Kulturspeicher, Bergstraße 2 in 17373 Ueckermünde oder an [email protected]“, fordert Schmal alle Interessierten auf. Er ist sehr gespannt, wann die ersten Geschichten bei ihm und den Mitstreitern auf dem Tisch landen. Denn zu erzählen gibt es viel, davon ist der Ueckermünder zutiefst überzeugt.