Schätze aus alter Zeit

Warum Restauratoren diese kleine Grabkapelle lieben

Battinsthal / Lesedauer: 3 min

Das historische Bauwerk in Battinsthal im Süden Vorpommerns lässt das Herz der Restauratoren höher schlagen. Kein Wunder, denn es birgt einige Überraschungen.
Veröffentlicht:21.12.2021, 05:43
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Von:
  • Author ImageUlrike Müller
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Dorothea Laab und Andreas Vorpahl haben die Türen der Battinsthaler Grabkapelle hinter sich abgeschlossen. Seit April sind sie hier als Restauratoren tätig gewesen, nun treibt der Winter sie an den heimischen Herd in der Nähe von Güstrow. Die Farben binden bei niedrigen Temperaturen nicht mehr, und es besteht Frostgefahr – kein Wetter zum Arbeiten. Insgesamt noch zwei Wochen Arbeit sind noch nötig, schätzt Andreas Vorpahl ein. Dann kann das Ende der Restauration gefeiert werden, vielleicht im März, wenn Corona es zulässt.

Das historische Gemäuer begeistert die Fachleute

Die beiden Fachleute sind von dem historischen Bauwerk begeistert. Für Restauratoren ist es ein wahrer Schatz, hat doch niemand bisher groß an der Innengestaltung gearbeitet. „Alles ist noch so, wie es im Original hinterlassen wurde“, erzählt Dorothea Laab. In den 1920er-Jahren sei man wohl einmal an die Farben gegangen. Das mussten sie abputzen. Darunter ist alles wie aus dem Jahr 1860. „Die Muster wurden damals alle mit Schablonen vorgezeichnet. So etwas habe ich noch nicht gesehen an einem historischen Bauwerk“, erklärt Andreas Vorpahl. Überall sei in Schwarz deutlich die Umrandung zu sehen gewesen. Innen wurden die Farben im Stil einer Scheinarchitektur aufgetragen. Man denkt, es gäbe Stuck und Sockel in der Wand, aber alles ist nur gemalt – mit Schatten und dreidimensional. „Das ist eine typische Gestaltungsart der Entstehungszeit der Grabkapelle“, weiß Dorothea Laab. Und so haben es die beiden Restauratoren zu Beginn ihrer Arbeit übernommen.

Für Schellack werden Läuse zerbröselt

Sie haben auch die gleichen Farben benutzt. Für die Sterne haben die Restauratoren Schellack angerührt. „Dafür werden Läuse zerbröselt“, erzählt Andreas Vorpahl. Schon damals sei das eine herkömmliche Farbzubereitung gewesen, bei der ein goldener Glanz entsteht.

Für die beiden Experten war es spannend, ganz nah heranzukommen an die Malerei von damals. Hilfe bekamen sie dabei von Restauratoren aus Hamburg und Berlin. Übernommen haben sie die Arbeit von Johanna Bethke, die aus Krankheitsgründen den Beruf an den Nagel hängen musste. Doch Dorothea Laab war bei ihr schon im Team und so mit der Kapelle vertraut. Im März wollen sie, wenn das Wetter es zulässt, weitermachen. Und dann freuen sie sich, ihr Werk der Öffentlichkeit zu übergeben.

Heiligabend gibt es um 22 Uhr einen Festgottesdienst, die Battinsthaler Christnacht. „Wir werden draußen feiern“, kündigt Pastor Bernhard Riedel an. Doch die Kapelle sei offen, und wer wolle, könne sie sich anschauen.