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Heizung und Strom

Was hält ein Energieberater von Solaranlagen und Wärmepumpen?

Strasburg / Lesedauer: 4 min

Steigende Strompreise belasten viele Haushalte. Immer mehr Eigenheimbesitzer suchen nach Alternativen. Ein Energieberater  und die Verbraucherzentrale geben Tipps. 
Veröffentlicht:13.04.2023, 18:20

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Die Energiepreise sind enorm gestiegen seit dem Krieg in der Ukraine. Die Politik setzt auf Wärmepumpen und Solaranlagen, um unabhängig von russischem Öl und Gas zu werden. Doch lohnt sich das auch für Privathaushalte? Der Strasburger Energieberater Gert Brandt meint ja. Er selbst setze seit dem Hausbau 1998 privat auf eine Wärmepumpe und zahle pro Jahr nur 800 bis 1000 Euro an Heizkosten — manch anderer dagegen 2000 Euro für eine Gas– beziehungsweise 3000 Euro für eine Öl–Heizung. Das Einsparpotenzial sei also groß.

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Persönliche Erfahrungen mit einer Photovoltaik–Anlage

Auch mit dem Thema Photovoltaik–Anlage habe er schon früh persönlich Erfahrung gesammelt und im Jahr 2002 eine Anlage auf dem Dach installiert. Das Konzept habe ihn überzeugt. Nach einer Weiterbildung im Bereich Solarthermie arbeitet Gert Brandt seit 2002 als selbstständiger Energieberater, zunächst für eine Firma mit Sitz in Ostfriesland, mittlerweile in erster Linie für das Versorgungsunternehmen EWE Solar. Brandt berät sowohl Privatkunden, Firmen wie Kommunen.

Eine PV–Anlage rechne sich ab dem ersten Tag, sagt er. Der Großteil des Stroms werde für den Eigenbedarf verwendet — externen Strom müsse man nur noch in geringem Umfang beziehen, meist im Winter, wenn die Sonne nicht so oft scheint. Dazu komme der überschüssige Strom, der in das Stromnetz eingespeist werde — dafür bekomme man Geld vom Netzbetreiber. Von den 5000 Kilowattstunden im Jahr, die er mit seiner 6,3–kW–Anlage auf rund 40 Quadratmetern erzeugt, könne er rund 1000 Kilowattstunden einspeisen.

Wie schnell amortisiert sich die Anschaffung?

Mittlerweile sei die Vergütung für eine Kilowattstunde bei Neuverträgen für Anlagen bis 10 Kilowatt zwar von 40 Cent auf 8,2 Cent enorm gesunken, doch es rechne sich weiterhin mit Blick auf die gestiegenen Strompreise. Die Anschaffungskosten einer Photovoltaikanlage amortisieren sich laut Energieberater je nach Größe der Anlage nach zehn bis 16 Jahren. Auch für kleinere Dächer mit 20 Quadratmetern Fläche gebe es mittlerweile Hersteller, die 3–kW–Anlagen anbieten, sagt Brandt. Eine kleine Familie könne bei 2800 Kilowattstunden im Jahr durchaus den Eigenbedarf decken.

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Recycling ist möglich 

Eine moderne Solaranlage halte mindestens 30 Jahre, sagt Brandt. Die Lieferzeiten würden vom Hersteller abhängen. Einige hätten die Module auf Vorrat gekauft, um den Bedarf schnell zu bedienen. Die Wiederverwertung alter Anlagen sei mittlerweile auch gegeben. Bis auf die Folie auf den Solarmodulen würden alle Teile wiederverwendet oder eingeschmolzen und anschließend recycelt.

Überdachungen mit Solarfunktion

Immer mehr Menschen würden sich mittlerweile auch für eine Kombination aus Solaranlage und Wärmepumpe interessieren, sagt Brandt. Er selbst wolle privat nun noch einmal in eine Solarterrasse und einen Solarzaun — also Anlagen, bei denen Solaranlagen in eine Terrassenüberdachung beziehungsweise in Zaunfelder integriert sind — investieren, um den Energiebedarf der Wärmepumpe komplett selbst zu decken.

Gründe, auf alternative Energiequellen umzusteigen, gebe es genug, meint der Strasburger. Die Öl– und Gas–Vorkommen seien endlich — Länder wie Russland hätten bereits Probleme, neue Gasvorkommen zu finden. Das werde in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer deutlicher werden, auch bei den Energiepreisen, ist er sich sicher.

Was sagt die Verbraucherzentrale Mecklenburg–Vorpommern?

Wie ordnet die Verbraucherzentrale Mecklenburg–Vorpommern die Aussagen von Energieberater Brandt? Der Zeitpunkt, ab der sich die PV–Anlage rechne, hänge nicht nur von der Anlagengröße ab, sondern auch von der Leistungsfähigkeit, der Ausrichtung und der Pflege der Anlage, dem Wetter und Eigenverbrauch. Ebenso seien die Finanzierungskosten ein Faktor, der die Zeit bis zum Break–Even–Punkt mitbestimmt.

Kleinere 3–kW–Anlagen können laut Verbraucherzentrale zur Deckung der Grundlast sinnvoll sein. Es könne sich rechnen, wenn die Bewohner die Nutzung ihrer Geräte auf die Anlage abstimmen, etwa indem Geschirrspüler und Waschmaschine vorprogrammiert werden und am Tag laufen. Den Eigenbedarf zu 100 Prozent zu decken, mache eine Anlage jedoch mit Blick auf den Energiespeicher und dessen Eigenverbrauch unwirtschaftlicher.

Strom für die Heizung im Winter nötig

Bei einer Kombination aus Solaranlage und Wärmepumpe müsse bedacht werden, dass der Strom nicht immer zur Verfügung stehe. Die meisten Stromerträge würden im Sommer erwirtschaftet. Der Strom für die Heizung werde jedoch im Winter gebraucht, wenn der Energieeintrag pro Fläche wesentlich geringer sei als im Sommer. Eine Kombination wäre daher eher im Frühjahr und Herbst zur „Eigenversorgung mit Wärme“ sinnvoll.

Die konkrete Lebens– und Nutzungsdauer einer Solaranlage könne nicht pauschal bestimmt werden. Diese könne beim Hersteller erfragt werden und sollte sich in den Garantie– oder Gewährleistungszeiten widerspiegeln, empfehlen die Verbraucherschützer. Wer sich unsicher sei, worauf er achten müsse, könne sich auch durch einen Energieberater, etwa der Verbraucherzentrale oder beim Solarverband MV, beraten lassen.