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Umweltschutz

Weggeworfen und geschreddert: Müll verteilt sich an Vorpommerns Straßen

Hintersee/Löcknitz / Lesedauer: 4 min

Straßenwärter sammeln auch in Südvorpommern so viel Abfall ein, wie sie können – nämlich tonnenweise. Alles schaffen sie aber nicht und das wird dann geschreddert.
Veröffentlicht:04.11.2023, 18:09

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Müll an Vorpommerns Straßenrändern ist schon schlimm genug, aber dass Straßenwärter Getränkedosen, Plastikflaschen und Verpackungen mitunter übermähen und in Einzelteile zerlegen ‐ das geht gar nicht, findet Utz Benkel aus Hintersee.

Müllsünder flächendeckendes Problem

„Da ich regelmäßig zwischen Hintersee und Löcknitz auf beiden Seiten der Straße Müll, der aus fahrenden Autos geworfen wird, einsammle und entsorge, war ich heute wieder in dieser Mission unterwegs. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Straßenmeisterei Eggesin vor dem Mähen den Müll nicht einsammelt. Das heißt, der Müll wird zerfetzt und bleibt liegen“, berichtet er und moniert: „Ich denke nicht, dass dies im Sinne des Umweltschutzes ist, wenn man sich vorstellt, dass dies ja nicht nur in Hintersee, sondern in ganz Mecklenburg-Vorpommern gängige Praxis sein wird.“

Müllsünder sind in der Tat ein flächendeckendes Problem und natürlich auch jenen ein Dorn im Auge, die sich hauptberuflich mit der Instandhaltung und Reinigung von Straßen beschäftigen, sagt André Horn aus dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr.

Behörde bedankt sich bei Bürger

„Wir möchten uns bei dem Bürger dafür bedanken, dass er sich genauso wie die Kollegen unserer Straßenmeistereien für die Beseitigung von fremdem Müll einsetzt. Unsere Kollegen machen die Erfahrung, dass das Einsammeln von Müll an den Straßen eine unbefriedigende Arbeit sein kann und wenn sie gerade fertig ist, schon der nächste Müll an der Fahrbahn liegt." Für die Straßenmeistereien im Land gebe es Vorschriften, „welche die Beseitigung von Müll regeln“. Demnach sollen die zu mähenden Flächen mindestens ein Mal im Jahr von Unrat befreit werden.

Die Müllbeseitigung ist zeitintensiv: Straßenwärter Michael Meincke sammelt Verpackungsmüll ein
Die Müllbeseitigung ist zeitintensiv: Straßenwärter Michael Meincke sammelt Verpackungsmüll ein (Foto: Landesamt für Straßenbau und Verkehr MV)

Das werde immer zwischen April und Mai erledigt und dokumentiert. Außerdem seien alle Kollegen der Straßenmeistereien angehalten, Müll auch auch neben ihrer eigentlichen Tätigkeit zu beseitigen. „Leider können wir dennoch nicht vermeiden, dass sich Müll an den Straßen ablagert und auch in den Mähkopf gerät. Unter anderem ist es für die Kollegen in ihren Unimogs schwierig, in dem hohen Gras Müll überhaupt zu erkennen“, erklärt der Behördensprecher.

Nicht genügend Personal für all den Abfall

Er werbe um Verständnis dafür, dass die Straßenbauverwaltung sehr viel Müll einsammelt aber auch nicht ausschließen kann, dass es zu unschönen Bildern kommt. „Hier ist jeder Einzelne gefragt, Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen und seinen Müll nicht achtlos wegzuwerfen. Solche ärgerlichen Umstände gänzlich auszuschließen, dazu sind wir personell nicht in der Lage.“ Utz Benkels Hinweis werde aber zum Anlass genommen, die Außendienstler bei der nächsten Dienstberatung erneut zu sensibilisieren.

Natürlich sei das Problem nicht lokal auf Südvorpommern begrenzt, sondern trete überall im Land auf, hier mehr, da weniger. „Teppichböden, Kühlschränke oder Bauschutt am Straßenrand ‐ viel zu häufig sind die Mitarbeiter der Straßenmeistereien damit beschäftigt, neben Verpackungsmüll sogar noch Haushaltsgeräte, Möbel und Sondermüll mit großem Aufwand einzusammeln. Besonders betroffen sind Straßenabschnitte an Rastparkplätzen, Fast-Food-Restaurants, Einkaufparks oder Autobahnzubringern. Das Müllsammeln ist zeit- und personalintensiv und kostet die Steuerzahler viel Geld, das wir an anderer Stelle einsetzen könnten“, sagt René Firgt, Direktor des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr.

500 Tonnen in einem Jahr

So wurden im Bereich der 25 Straßenmeistereien der Straßenbau und Verkehrsverwaltung Mecklenburg-Vorpommern allein im Jahr 2022 rund 500 Tonnen Abfall an den Bundes- und Landesstraßen entsorgt. Insgesamt wurden im Jahr 2021 landesweit mehr als zwei Millionen Euro für die Reinigung der Gräben, Mulden, Seitenräume sowie Park- und Rastanlagen ausgegeben. Ein Großteil der Kosten entfällt dabei auf die Beseitigung des Mülls.

Neben einer möglichen Verkehrsgefährdung seien Abfälle auch eine Gefahr für die Umwelt, wenn zum Beispiel Flüssigkeiten aus durchgerosteten Kanistern in den Boden sickern und das Grundwasser verunreinigen. Ebenso können Kunststoffe den Lebensraum von Pflanzen und Tieren stören.

Müllsünde kann teuer werden

Illegale Müllentsorgung kann nach Auskunft von René Firgt teuer werden. Ob es sich um eine Ordnungswidrigkeit oder um eine Straftat handelt, hänge von der Schwere der Tat ab. Es könnten Bußgelder bis zu einer Höhe von 100.000 Euro verhängt werden. Für die legale Entsorgung von Elektroschrott, Holzabfällen oder Sperrmüll stehen in jeder Region des Landes Recyclinghöfe zur Verfügung.

Insgesamt sind in den 25 Straßenmeistereien des Landes mehr als 550 Straßenwärter im Einsatz. Die Straßenbauverwaltung M-V ist für mehr als 1900 Kilometer Bundesstraße und etwa 3300 Kilometer Landesstraße zuständig. Dazu betreut sie 1250 Kilometer Kreisstraße.

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