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Deutsche Umwelthilfe

Gericht verhängt Baustopp für LNG-Pipeline vor Rügen

Rügen/Berlin / Lesedauer: 2 min

Gerät das umstrittene LNG-Projekt auf der Touristeninsel an der Ostsee ins Wanken? Eine aktuelle Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts lässt aufhorchen.
Veröffentlicht:11.01.2024, 15:16

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Auf Antrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hat das Bundesverwaltungsgericht am Donnerstag dem Gasnetzbetreiber Gascade aufgetragen, die Bauarbeiten an der Anschlusspipeline für das LNG-Terminal auf Rügen vorläufig zu stoppen. Das teilte die DUH in einer Presseerklärung mit.

Die neueste Entwicklung: Pipeline-Bauer gibt nicht auf

Entscheidung wegen Hering-Laichzeit und Vogelrast

Gascade wollte im Bereich des Greifswalder Bodden gleich an mehreren Unterwasserbaustellen die Pipeline mit Sediment und Steinen abdecken. Für den Zeitraum von Januar bis Mai gilt wegen Laichzeit des Herings sowie Vogelrastzeit jedoch ein absolutes Bauverbot. Gascade hatte dafür beim Bergamt Stralsund eine Ausnahme beantragt und auch eine Erlaubnis erhalten.

Dagegen war die DUH vor dem Bundesverwaltungsgericht mit einem Eilantrag vorgegangen. Mit dem Auftrag an Gascade, die Bauarbeiten vorläufig einzustellen, ist das Gericht nun dem Antrag der DUH gefolgt.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, sagte: „Der vorläufige Baustopp ist ein Etappensieg für Natur- und Klimaschutz. Die gewonnene Zeit muss nun genutzt werden, das Projekt grundsätzlich zu überdenken. Es ist längst klar, dass das LNG-Terminal Rügen keinen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten wird. Wir fordern die Bundes- und Landesregierung auf, dieses unnötige LNG-Terminal endlich abzusagen.“

Erhebliche Verzögerung bei LNG-Projekt auf Rügen 

Die vom Betreiber Gascade geplanten Bauarbeiten hätten nach Einschätzung der Umwelthilfe umfangreichen Schiffsverkehr mit hohen Unterwasserschall-Emissionen sowie Schütt- und Baggerarbeiten mit einer erheblichen Trübung des Wassers bedeutet. Und dies  in dem Bereich, den der Ostseehering für die Einwanderung in sein wichtigstes Laichgebiet im Greifswalder Bodden durchqueren muss. Unterstützung hatte die DUH in ihrer Argumentation vom bundeseigenen Thünen-Institut für Ostseefischerei erhalten.

„Die vorläufige Entscheidung des Bundesverwaltungsgericht ist Rückenwind für unser rechtliches Vorgehen gegen die LNG-Projekte an Nord- und Ostsee. Mit gut gefüllten Gasspeichern und der erfolgten Inbetriebnahme der ersten LNG-Terminals an der Nordsee ist der energiepolitische Nutzen weiterer Projekte mehr als zweifelhaft“, ergänzte Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz der DUH.

Das LNG-Projekt Mukran liegt mittlerweile stark hinter dem ursprünglich geplanten Zeitplan. Die Bauarbeiten für die Errichtung der Offshore-Anbindungspipeline sind noch nicht abgeschlossen, ebenso wie die Baggerarbeiten zur Vertiefung des Hafens und der äußeren Hafeneinfahrt. Eine Realisierung des Projektes noch in diesem Winter wird von der Umwelthilfe angezweifelt.