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Bündnis UMsicht

500 Teilnehmer bei Prenzlauer Demo gegen Rassismus

Uckermark / Lesedauer: 3 min

Der Rathausvorplatz war am Sonntagnachmittag gut gefüllt. Menschen aus Prenzlau und der ganzen Uckermark demonstrierten gegen Rassismus und für die Bewahrung der Menschenrechte.
Veröffentlicht:04.02.2024, 18:22

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Rund 500 Menschen sind nach Veranstalterschätzung am Sonntagnachmittag dem Aufruf des uckermarkweiten Bündnisses für Solidarität und radikale Vielfalt (UMsicht) gefolgt und haben auf dem Vorplatz vor der Prenzlauer Stadtverwaltung gegen Rassismus, für Demokratie und die Bewahrung der Menschenrechte in Deutschland demonstriert. Damit folgten sie auch einem Aufruf des deutschlandweiten Bündnisses „Gemeinsam Hand in Hand“ gegen die rechte Normalisierung in Deutschland und Europa, dem sich bereits 1300 Organisationen angeschlossen haben. 

Ermutigt von der hohen Teilnehmerzahl

Natascha Feld aus Carmzow-Wallmow betonte in ihrer Ansprache, dass es sich bei UMsicht um ein loses Bündnis von Initiativen, Institutionen und Einzelpersonen handele, denen die Bewahrung der unteilbaren Menschenrechte für alle Menschen am Herzen liege. Sie gelten laut Grundgesetz eben nicht nur für Deutsche. Vor den Teilnehmern der Kundgebung zeigte sie sich ermutigt, so viele Menschen vereint zu sehen: „Wir wollen nicht das nächste Vertreiberland werden“, sagte sie. 

Mike Schirrmeister vom SPD-Ortsvorstand Prenzlau fand es höchste Zeit, dass sich auch in Prenzlau Widerstand regt gegen den seit Jahren zu beobachtenden Rechtsruck. Gerade scheine es, dass Rechtsextremismus, der sich in Fremdenfeindlichkeit, aber auch Ausgrenzung von Minderheiten und Ablehnung von Inklusion äußere, wieder gesellschaftsfähig werde. „Gut, dass wir zeigen, dass das nicht die Mehrheit ist, die so denkt“, sagte er.

Margot Eickmann (75) aus Güstow kam mit Mitstreitern einer katholischen Initiative „Omas gegen rechts“. „Wir haben Angst, dass der Frieden nicht mehr so sicher ist wie in den letzten Jahrzehnten“, sagte die Seniorin. Andreas Brandt (FDP) erinnerte daran, dass fast genau vor 100 Jahren ein Antrag auf Verbot der NSDAP abgelehnt worden sei. Man müsse endlich aus der Vergangenheit lernen.

Teilnehmer aus vielen Parteien

Teilnehmer der Demonstration aus Gandenitz, Gerswalde und der Feldberger Seenlandschaft zeigten sich erfreut, Menschen verschiedener politischer Parteien zu sehen, aus CDU, FDP, SPD, von Grünen und Linken. Denn bei aller Unzufriedenheit könne die Lösung nicht in einer Partei liegen, die Millionen Menschen abschieben wolle. Für Dagmar Blaha und Ilona Büge aus Potzlow war es eine Premiere, politisch Farbe zu bekennen. Bei all dem Hass und der Hetze, die derzeit von der AfD verbreitet würden, sei es ihnen wichtig zu sagen: Das Maß ist voll.

Auf der Demonstration wurde auch eine Petition des Bündnisses UMsicht verlesen.
Auf der Demonstration wurde auch eine Petition des Bündnisses UMsicht verlesen. (Foto: Sigrid Werner)

Landrätin nicht am Rednerpult

Landrätin Karina Dörk (CDU) ging nicht ans Rednerpult, wollte mit ihrer Teilnahme aber ein Statement abgeben für Demokratie und gegen Rassismus. Gerade da die Gesellschaft so auseinanderdrifte, sei es gut zu erleben, wie viele Menschen auch in Prenzlau sich für Freiheit, Demokratie und Toleranz aussprechen. Prenzlaus Bürgermeister war nicht vor Ort. Er sei verhindert gewesen, sagte er dem Uckermark Kurier. Die Stadt habe aber die Organisatoren unterstützt, zum Beispiel bei der Stromversorgung.

Natascha Feld verlas während der Veranstaltung eine Petition des Bündnisses UMsicht, in der von den Akteuren der Zivilgesellschaft in Verwaltung, Politik und Wirtschaft gefordert wurde, konsequent gegen Hass und Hetze einzutreten und rote Linien laut zu kommunizieren. Sie forderten unter anderem die Stadt Prenzlau auf, der AfD keine Räume mehr zu vermieten, wo Hass und Hetze gegen Menschen verbreitet werden können. Der Alexanderhofer Ortsvorsteher Bernd Rissmann fühlte sich dadurch bestärkt, die Diskussion zu diesem Thema in Prenzlau neu zu führen.