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Naturschutz

Abrissliste am Uckersee sorgt für Aufschrei in Prenzlau (Video)

Prenzlau / Lesedauer: 5 min

Seit 14 Jahren sorgt Eckhard Kroll ehrenamtlich dafür, dass es die Leute beim Baden und Spazierengehen schön haben. Jetzt soll er seine Bauten entfernen.
Veröffentlicht:07.08.2019, 15:56

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Die Nachricht machte am Mittwoch wie ein Lauffeuer die Runde in Prenzlau: Eckhard Kroll ist dabei, seine Ministege, Treppchen und Sitzbänke am Ufer des Uckersees wieder abzureißen. „Das kann doch wohl nicht wahr sein“ – Heilpraktikerin Bärbel Schünemann gehörte zu den ersten, die sich darüber beim Uckermark Kurier beschwerten. Vor allem die älteren Bürger Prenzlaus seien dem ehrenamtlich tätigen Mann dankbar dafür gewesen, dass er ihnen den Aufenthalt in der Natur mit seinen Konstruktionen erleichtert habe, echauffierte sich die Kreisstädterin am Lesertelefon: „Und dann das. Die Leute erzählen ja, dass er von den Behörden dazu gezwungen worden ist. Wenn das stimmt, werden wir auf die Barrikaden gehen.“

Sie verriet, dass es bereits Pläne für einen Sitzstreik gebe, bei dem man medienwirksam gegen diesen, aus ihrer Sicht unnötigen Rückbau protestieren werde. „Wir werden uns das nicht gefallen lassen. Es gibt unzählige Ecken, an denen die Naturschützer tätig werden können. Am Kap beispielsweise machen Arbeiter mit Trimmern gerade wieder die schönen, grünen Büsche platt. Aber unseren Herrn Kroll und seine Anlagen sollen die mal schön in Ruhe lassen.“

Entsetzen anzumerken

Als der Uckermark Kurier den 77-Jährigen am Mittwochnachmittag erreicht, ist ihm sein Entsetzen deutlich anzumerken. 2016 erst waren er und sein Freundeskreis „Aktivitäten zum Wohle der Stadt“ mit dem „Preis der Stadt“ für ihr Engagement am Uckersee geehrt worden. Der rührige Rentner versteht die Welt nicht mehr, wie er traurig sagt. Am Freitag sei er urplötzlich ins Rathaus bestellt worden, wo ihm der Bürgermeister eine lange Abriss-Liste der Umweltbehörde vorgelegt habe, blickt er zurück.

Angesichts der angedrohten Strafen sei ihm ganz anders geworden, räumt der Prenzlauer ein. Kein Wunder, schließlich sieht der Bußgeldkatalog für das unerlaubte Errichten baulicher Anlagen in Landschaftsschutzgebieten Strafen von bis zu 50.000 Euro vor... Deshalb habe er unverzüglich mit dem Rückbau begonnen, sagt Kroll fast entschuldigend – keine Frage, ihm ist bewusst, wie traurig das vermutlich viele Menschen machen wird. „Aber ich habe keine andere Wahl.“ Zuerst dran ist der Bereich Weiße Berge, wo seine hölzernen Einstiegshilfen in den See nicht mehr sein dürfen und zum Teil schon verschwunden sind. Auch kleinere Treppen und Sitzmöglichkeiten im weiteren Uferverlauf werden in den nächsten Tagen dran glauben müssen, unter anderem an der Badestelle Sievershof. Ebenfalls zur Disposition steht die stets gut frequentierte Kneipp-Badestelle im Bereich des geplanten Campingplatzes.

Vereinbarkeit von Mensch und Natur

„Ich bin seit 14 Jahren unermüdlich tätig gewesen, um die Vereinbarkeit von Mensch und Natur zu gewährleisten. Keine Ahnung, wie viel tausende Stunden meine Mitstreiter und ich hier schon unentgeltlich abgeleistet haben, um etwas Schönes zu schaffen.“ Die derzeitige Entwicklung sei ein Schlag ins Gesicht, räumt er betreten ein: „Irgendetwas läuft hier doch verdammt schief. Man wird sich wirklich gut überlegen müssen, wem man in drei Wochen bei der Wahl seine Stimme gibt.“

Für den Prenzlauer Bürgermeister dürfte die entstandene Situation mehr als unersprießlich sein. Ihm fiel letztlich die schwere Aufgabe zu, dem allseits geachteten und geehrten Ehrenamtler zu vermitteln, dass ein Großteil seiner Arbeiten wird weichen müssen. Noch stehe zwar der Vor-Ort-Termin mit dem Umweltamt aus, wie Hendrik Sommer auf Nachfrage des Uckermark Kurier erklärte. Aber schon jetzt sei wohl zweifelsfrei, dass es für viele der „sicher aus Gutmütigkeit und Nettigkeit errichteten Bauten“ keine Genehmigungen gab. Aufgefallen sei das auch dem Prenzlauer Stadtförster, der ihn davon, so Sommer, in Kenntnis gesetzt habe. „Es gab also Handlungsbedarf.“ Der Bürgermeister sicherte aber zu, sich vor allem für den Bestand der Kneipp-Stelle stark zu machen.

Landkreis wehrt sich gegen Vorwürfe

Harry Wendt vom Landkreis Uckermark sieht das Umweltamt zu Unrecht an den Pranger gestellt. Dem Gespräch vorweg nahm der Sachgebietsleiter, dass man ja noch gar nicht mit der großen Keule gekommen sei, sondern versucht habe, das Problem auf kurzem Dienstweg zu klären. Will heißen, er habe einen Brief an den Bürgermeister geschrieben, um ihn zu sensibilisieren. "Und dabei ging es noch gar nicht primär um das Landschaftsschutzgebiet, sondern darum, dass solche Baumaßnahmen aus wasser- und naturschutzrechlichen Gründen generell genehmigungspflichtig sind, außerdem gibt es eine Verkehrssicherungspflicht. "Man stelle sich doch nur mal vor, dass jemand auf diesen kleinen Einstiegshilfen stürzt oder ein Kind auf den glatten Steinen der Kneipp-Wassertretanlage zu Fall kommt. Was dann? Dann droht der Klageweg. Wer soll dafür gerade stehen?"

Er sehe durchaus die Mühen und den guten Willen von Eckhard Kroll. Aber es gebe Richtlinien, an die man sich zu halten habe, wirbt Wendt um Verständnis. Und spätestens, als er gesehen habe, dass man auf dem besten Wege sei, die Weißen Berge zu möblieren, sei der Punkt dagewesen, zu reagieren. Der Sachgebietsleiter verwies des Weiteren auf ein Bundesgerichtsurteil zu Stegen. "Mir haben darüber hinaus jetzt Leute gesagt, dass dort sogar Nägel und Schrauben rausgucken...." Als Vertreter des Landkreises habe er sich in der Pflicht gesehen, auf diese Gefahrenquellen und die rechtlichen Probleme hinzuweisen. Noch sei kein Bußgeld angedroht worden.

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