Kollegen gesucht

Acht-Stunden-Tag und jede dritte Woche frei

Zollchow / Lesedauer: 3 min

Dieser Chef verspricht Mitarbeitern, dass sie weder Überstunden noch Sonderschichten machen müssen. So hofft Martin Paulsen, neue Leute zu gewinnen.
Veröffentlicht:03.02.2023, 08:47
Aktualisiert:03.02.2023, 08:50

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Quereinsteiger sind nicht nur im Bildungswesen eine wichtige Ergänzung zu den ursprünglich für den Beruf ausgebildeten Mitarbeitern. Auch in der Landwirtschaft spielen sie in Zeiten des Fachkräftemangels eine immer größere Rolle. Bio-Bauer Martin Paulsen wäre deshalb auch gar nicht traurig, wenn sich auf sein Stellenangebot „Melker gesucht” jemand aus einer artfremden Branche meldet. Die Zeiten, wo die Betriebe so jemandem keine Chance gegeben hätten, seien längst vorbei, sagt der Landwirt aus Zollchow. Der 26-Jährige bewirtschaftet in seinem Heimatdorf gemeinsam mit Ehefrau Annemarie, seinen Eltern Viola und Jürgen Paulsen sowie weiteren acht Kollegen einen großen Milchviehbetrieb. Das Team arbeitet sowohl mit zwei Melkrobotern als auch einem klassischen Fischgräten-Melkstand und kümmert sich neben den 350 Milchkühen um 420 Hektar landwirtschaftliche Fläche sowie eine Biogasanlage.

Wer möchte Kälber füttern?

Zurzeit wird für all das dringend Verstärkung gesucht, bestätigt der studierte Agrarwirtschaftler dem Uckermark Kurier. In erster Linie brauche man einen Melker, der auch fürs Kälberfüttern, die Betreuung der Herde und das Kühe-von-der-Weide-Holen zuständig sein wird. „Wir wären aber auch für jeden Traktoristen oder anderweitig landwirtschaftlich interessierten Menschen dankbar. Auch wer nur aufs Feld will, ist bei uns willkommen”, versichert der dreifache Vater. Abschlüsse seien dabei sekundär, setzt er schnell hinzu: „Am besten findet man in einem persönlichen Gespräch heraus, ob es passt und die Chemie stimmt – für beide Seiten. Und wie gesagt, auch Quereinsteiger sind uns lieb.”

+++ 100.000 Liter pro Kuh, das ist Rekord +++

Für den Betrieb spreche, dass nach einem klaren Schichtsystem gearbeitet werde, zeigt Martin Paulsen Vorzüge für die Arbeitnehmer auf: „Maximal acht Stunden am Tag ist man im Einsatz – entweder von 4.30 bis 12 Uhr oder von 14.30 bis 22 Uhr. Es fallen keine Überstunden und keine Extraschichten an. Jede dritte Woche hat man komplett frei.”

Flache Hierarchien

Erwähnenswert sei zudem das gute Betriebsklima, die Hierarchien seien schon deshalb flach, weil man Tag für Tag Seite an Seite mit den Chefs im Stall stehe, betont der Junior. Bewerber dürften sich außerdem über das niedrige Durchschnittsalter des Kollektivs freuen, setzt seine Frau hinzu. Das habe sich über die Jahre deutlich verjüngt. Interessenten sollten unbedingt Spaß am Umgang mit Tieren haben, zuverlässig sein und selbstständig arbeiten können. Vorkenntnisse im Rinderbereich wären natürlich von Vorteil, sind aber keine Bedingung. Die Paulsens und ihre acht Angestellten würden sich freuen, wenn vielleicht schon ab März ein, zwei neue Kollegen auf der Gehaltsliste stehen; eine leistungsgerechte Entlohnung wird zugesichert.

88.000 offene Stellen

Der Fachkräftemangel in Deutschland hat in den letzten Monaten trotz der Belastungen der Wirtschaft durch Corona-Pandemie und Ukrainekrieg Rekordniveau erreicht.

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2022 sei die Zahl der offenen Stellen, für die es bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen gab, auf den neuen Höchstwert von gut 558.000 gestiegen, berichtete das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung. Damit habe sich die Lücke innerhalb von drei Monaten um weitere 88.000 offene Stellen vergrößert.

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Der steigende Fachkräftemangel trifft der Untersuchung zufolge den gesamten Arbeitsmarkt. Besonders ausgeprägt sind die Engpässe im Bereich Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung sowie Landwirtschaft.

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