StartseiteRegionalUckermarkAfD-Politiker setzt auf Fundamentalopposition

Uckermärker Abgeordneter

AfD-Politiker setzt auf Fundamentalopposition

Prenzlau / Lesedauer: 6 min

Der vom Militärischen Abwehrdienst der Bundeswehr (MAD) als "Extremist" geführte Unteroffizier Hannes Gnauck (wir berichteteten mehrfach) vertritt die regionale AfD im Bundestag. Über seine politischen Ziele konnte er wie andere Abgeordnete der Region im Interview mit Redakteur Sven Wierskalla sprechen.
Veröffentlicht:04.01.2022, 18:27

Artikel teilen:

Hannes Gnauck vertritt die AfD und sitzt seit der Wahl 2021 für den Wahlkreis Uckermark – Barnim I im Deutschen Bundestag. Zur neuen Bundesregierung, der Ampelkoalition aus SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen, sieht er sich in Fundamentalopposition. Allerdings setzt er sich auch von CDU und CSU entschieden ab. Über seine Arbeit als Mitglied des Verteidigungsausschusses und seine politischen Ziele gab er im Interview mit Redakteur Sven Wierskalla Auskunft.

Was erwarten Sie von der neuen Bundesregierung aus SPD, FDP und Grünen?

Ich erwarte von der neuen Bundesregierung eine radikale Zuspitzung der Fehlentwicklungen der letzten Jahre. Ob Migration, Gesellschaftspolitik oder innere sowie äußere Sicherheit, alles deutet auf eine noch rasantere Entnationalisierung und Fragmentierung Deutschlands hin. In der Ära Merkel hat sich die Union den Inhalten und Zielen linker Meinungsmacher, Pseudowissenschaftler, Lobbys und NGO-Netzwerke aus Machtkalkül unterworfen und damit die Weichen für die Ampel gestellt. Die Früchte dieser Fehler erntet die CDU heute mit schlechten Wahlergebnissen und der Fake-Oppositionsrolle, keine überbezahlten Ministerposten, wie die Herren und Damen der Christdemokratie es in den letzten Jahrzehnten gewohnt waren.

Aber die (Kultur)-Revolution macht bekanntlich nicht Halt, und so sehen wir die radikalsten Standpunkte von gestern als vermeintliche Politik der Mitte von heute: der Umbau unserer deutschen nationalstaatlich verankerten Gesellschaft hin zur multikulturellen sogenannten offenen Gesellschaft, die Neutralisierung der klassischen Familie zugunsten von Modellen mit mehreren Elternteilen, weitere Beliebigkeit in der Geschlechtsidentität, Abtreibung auf Kosten der Allgemeinheit, der EU-Bundesstaat als Ziel und damit letztendlich die Abschaffung des souveränen deutschen Nationalstaates. Das sind teilweise Ideen und Forderungen, die man nur aus linksextremen Schriften oder absurden Genderstudies-Vorlesungen kennt. Die neue Ampelregierung schreibt sich diese Forderungen unverhohlen in den Koalitionsvertrag. Und genau diese radikal progressistischen Ungeister bestimmen nun die Politik des Landes. Von der mangelnden Kompetenz und den schon bald spürbaren ökonomischen Konsequenzen der kurzsichtigen Energiewendepolitik – Stichwort Strompreise – mal ganz zu schweigen. Deutschland wird von sendungsbewussten Politikerdarstellern, die nicht nur dem eigenen Volk, sondern Nachbarn wie Polen obendrein erklären wollen, wie sie zu leben haben, mit Ansage gegen die Wand gefahren.

Sie sind jetzt für die AfD Mitglied im Verteidigungsausschuss. Welche Ziele wollen Sie bei Ihrer Arbeit im Verteidigungsausschuss verfolgen?

Als Soldat, der selbst im Auslandseinsatz war, sind mir die Mängel und Probleme in der Truppe bestens bekannt. Zentral geht es im Verteidigungsausschuss um die materielle Ausrüstung der Bundeswehr, aber auch der Mensch in Uniform muss im Fokus stehen, das ist mir sehr wichtig. Was die regierende Politik mit unserem Militär seit Jahren anstellt, ist schlicht und ergreifend unwürdig. Die von der neuen Ampelregierung angedrohten Gesinnungsprüfungen der Bundeswehr sind für jeden normalen Soldaten unerträglich, gerade wenn man die Hintergründe jener Politiker betrachtet, die es nun als ihre große vaterländische Aufgabe erachten, eine linksliberale Umdeutung von Heimat, Verteidigung und Militär umzusetzen. Hier werde ich genau darauf achten, dass man unsere Männer und Frauen im Dienst als Soldaten unterstützt und sie nicht als schlecht ausgerüstete Diener auch noch demütigt.

Welche Projekte für den Wahlkreis Uckermark/Barnim I wollen Sie im neuen Jahr 2022 verfolgen, und was wollen Sie als Bundestagsabgeordneter erreichen?

Ich werde mindestens drei Bürgerbüros eröffnen, um für alle Uckermärker und Barnimer als ihr Volksvertreter ansprechbar zu sein. Wir sehen in der Bundesrepublik ein immer größeres Spannungsverhältnis zwischen zwischen Stadt und Land, West und Ost. Insbesondere für die Berliner grün-urbane Oberschicht sind Ostdeutsche bereits ein Menschenschlag zweiter Klasse. Wenn diese obendrein noch auf dem Land leben, ihren Unterhalt hart erarbeiten und vom Gendern nicht allzu viel halten, sind sie förmlich das Feindbild schlechthin. Gerade hier will ich kein Altparteienpolitiker sein. Es reicht, wenn der Ostbeauftragte meine Landsleute beleidigt. Ich will als Mann der Alternative für sie Wort und Partei ergreifen und ihre Probleme aus dem realen Leben in das Parlament tragen.

Das Vorantreiben der Energiewende ist ein Schwerpunkt der neuen Bundesregierung. Sie gelten als Skeptiker eines Ausbaus der Windkraft. Welche Auswirkungen der Energiepolitik erwarten Sie im Wahlkreis Uckermark/Barnim I?

Dass die grüne Lobby ihre Industrie erfolgreich als umweltfreundlich vermarktet hat und dies von Medien und Altparteien so transportiert wird, ist schon beeindruckend, das muss man dem politischen Gegner lassen. Jedoch ist es eben das: Marketing. Ein weiteres Zubauen unseres märkischen Bodens mit riesigen Windparks oder großen Solarfeldern ist nicht hinnehmbar. Unserem Land drohen im kommenden Jahr Blackouts. Die Energiewende ohne jegliche Kohle- oder Kernenergie ist ein irrsinniges Projekt, welches die Bundesrepublik unter jetziger Führung um jeden Preis durchziehen will. In der Uckermark sind wir klüger.

Die Corona-Pandemie ist nach fast zwei Jahren noch nicht überwunden. Im Gegenteil: Das Land Brandenburg fällt durch hohe Infektionszahlen und eine niedrige Impfquote auf. Was ist aus Ihrer Sicht zu tun, damit die Lage endlich besser wird?

Die Politik hat sich mit ihren Narrativen und Maßnahmenkatalogen in die Ecke manövriert. Sie hat mehrfach Wortbruch begangen, was bei keinem Thema so stark hervorsticht wie in der Debatte um eine allgemeine Impfpflicht. Impfungen werden zum Heilmittel aus der Pandemie erklärt. Zeitgleich gesteht die Regierung unlängst ein, dass Impfungen nicht vor den neuen Varianten des Coronavirus schützen können, ebenso wenig vor weiteren Infektionen. Was bedeutet das? Aus einem einzigen Piks zur Rückerlangung der Grundrechte wurde nun ein endloses Booster-Abo, ohne konkrete Exitstrategie. Hier gibt es kein Entkommen. Bei dieser Strategie wird es nie ein Ende der Pandemie geben, Grundrechte werden der Vergangenheit angehören, ebenso wie der unternehmerische Mittelstand. Hier muss endlich wieder Vernunft herrschen und nicht die planlose Forderung eines Gesundheitsministers Lauterbach. Gefährdeten Gruppen müssen Impfungen ermöglicht werden, das Gesundheitswesen muss ausgebaut werden, und den Bürgern müssen ihre Freiheiten zurückgegeben werden. Eine Impfpflicht und Dauerkontrollen lehnen wir ab. Alles andere treibt unsere Gesellschaft an den Rand des Kollaps, was in den zahlreichen Demonstrationen und aggressiven Reaktionen des politisch-medialen Komplexes bereits zum Ausdruck kommt. Hier muss endlich umgekehrt werden. Wir von der Alternative für Deutschland wollen unsere Gesellschaft einen und nicht spalten. Dies ist in dieser Zeit sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal meiner Partei.