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Als DDR-Musiker spielte er schon mit Helga Hahnemann und für die DEFA

Uckermark / Lesedauer: 4 min

Georgi Georgiew kam als Musiker aus Bulgarien in die DDR. Hier musizierte er nicht nur mit den TV-Größen, sondern lernte auch seine große Liebe kennen. 
Veröffentlicht:12.02.2024, 10:00

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Heute wie damals lebt Georgi Georgiew aus Röpersdorf bei Prenzlau für die Musik. Es war das Jahr 1968, als der Musiker am 1. Mai in Berlin landete. Der gelernte Saxophonist kam im Rahmen des Kulturaustausches mit der sozialistischen Bruderrepublik Bulgarien in die DDR.

Damals gab es noch ein anderes Nachtleben. In den Bars der großen Hotels an der Küste, in der Messestadt Leipzig oder in der Hauptstadt der Republik spielten verschiedene Musikgruppen zum Tanz. Auch in Prenzlau, im Hotel Uckermark, wurde zum Tanz gespielt.

Auftritte mit unterschiedlichen Instrumenten

Georgiew erzählt, dass damals die Ungarn und die Rumänen für Saiteninstrumente engagiert waren, während DDR-Musiker und Bulgaren eher die Tasten- und Blasinstrumente spielten. Er hatte, seit er ein Kind war, die verschiedene Saxophone und Tasteninstrumente gelernt und spielt bis heute Klavier, Synthesizer, Akkordeon und Harmonika.

Heute gebe es kaum noch Harmonikas. Unter einer Harmonika versteht er allerdings nicht die allseits bekannte Quetschkommode, sondern eine Blasharmonika, die ihre Töne dadurch produziert, dass man hineinbläst wie in eine Flöte, aber eine Tastatur wie auf einem Klavier bedient.

Doppelt Steuern gezahlt

Mit seinem Talent und seinem Fleiß etablierte sich Georgi Georgiew schnell und wurde für Touren durch die Touristenhotels und Erholungsheime der DDR engagiert. Drei Monate war er immer unterwegs - zuerst auf Bädertour in Schwerin, Rostock und Stralsund. Später ging es in den Süden nach Halle und Oberhof. 

Sein Spiel überzeugte die Kulturfunktionäre. Das Arbeitsvisum galt aber zunächst nur für drei, später für sechs Monate. Immer wieder musste er der Botschaft um die Verlängerung seiner Arbeitserlaubnis bitten. Gleichzeitig zahlte er sowohl in Bulgarien als auch in seiner neuen Heimat Steuern. 

Da interessierte es nicht, ob Georgi Georgiew im Lindenkorso, im Friedrichstadtpalast und für die Defa-Filmstudios spielte oder auch  TV-Stars wie Helga Hahnemann begleitete. 

So sah Georgiew aus, als seine Frau Eveline ihn kennen und lieben lernte
So sah Georgiew aus, als seine Frau Eveline ihn kennen und lieben lernte (Foto: Harald Melzer)

Amors Pfeil traf im Hotel Uckermark

Zwischenzeitlich hatte Georgiew nicht nur bei der Einweihung des berühmten Hotel Neptun in Rostock Warnemünde gespielt, sondern hatte auch drei Monate in Prenzlau im Hotel Uckermark gastiert. 1971 traf er hier Eveline, die er 1974 heiratete. Und dann ging es wieder auf Reisen - sogar bis in die Mongolei.

Einfach war das Leben an der Seite eines Vollblutmusikers nicht. Er hatte zwar für ein Grundstück in Röpersdorf gesorgt, aber handwerklich begabt ist ein Künstler nicht unbedingt. Georgiew ging für sechs Monate auf Tournee, und als er wiederkam, hatte seine Frau das Haus fertig gebaut, sodass der Musikus nur noch von Berlin-Lichtenberg umziehen musste.

Bandauftritt statt Feier zur Goldenen Hochzeit

Überhaupt, ohne seine Frau wäre ein so vielfach engagierter Musiker wahrscheinlich aufgeschmissen. Zwar spielte zur Hochzeit im Prenzlauer Hotel Uckermark  eine Big Band auf - ein absolutes Privileg. Im Gegenzug musste seine Eveline aber auch manches erdulden. Zum Beispiel war der Gemahl zum 50. Hochzeitstag - der berühmten Goldenen Hochzeit - nicht zu Hause. Stattdessen trat Georgi Georgiew mit einer Musikcombo beim Uckermarktag auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin auf.

Zusammen mit seinen Freunden von der „Uckermark Bluesband“ begleitete er den Tag musikalisch. Die Musiker haben sich zum Teil vor sechs Jahren gefunden. Inzwischen besteht die Band aus Gitarrist und Mundharmonikaspieler Jörg Kolbe (Mitglied der Kultband F.altenrock aus Prenzlau), Bassist Rainer Schleicher (Schwedt), Drummer Christian Lutz (Prenzlau) sowie dem unverwüstlichen Keyboarder Georgi Georgiew.  Sänger der Band ist Detlev „Koko“ Grosenek, ebenfalls Mitglied von F.altenrock.

Heute noch in drei Bands aktiv

Die fünf Männer spielen Rock- und Blues-Klassiker von Eric Clapton, Gary Moore, B. B. King, John Scofield sowie Joe Bonamassa, John Mayer, Larry Carlton und anderen Bluesgrößen. Georgiew ist in noch zwei weiteren Bands aktiv. So ist er Mitglied bei den Cadillacs in Templin und unterstützt die "Sechs Richtigen" in Oranienburg. Er träumt davon, einmal auf dem Prenzlauer Stadtfest zu spielen.

Georgiew (links) tritt immer noch mit der Uckermark Bluesband auf.
Georgiew (links) tritt immer noch mit der Uckermark Bluesband auf. (Foto: Privat)

Der Musiker erklärt: "Ich bin überall zu Hause, wenn die Leute nett sind, das Bier schmeckt und gute Musik gemacht wird." Man kann sicher sein, wo Georgi Georgiew in die Tasten haut, erklingt gute Musik. Und wenn er mal keine Lust hat, auf der Bühne zu stehen, dann angelt er  oder probt in seinem Studio im Keller. Das hat ihm seine Frau gebaut.