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Am Milower See

Aufnahme eines Wildtieres lässt zahlreiche Leser rätseln

Milow / Lesedauer: 4 min

Im Raum Berlin entpuppte sich eine vermeintliche Löwin als Wildschwein. Doch welches Tier kam Fritz Gampe in der Uckermark vor die Kamera?
Veröffentlicht:24.07.2023, 17:39

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Als die Redaktion unter www.nordkurier.de und auf der Facebookseite „Wir sind Uckermärker“ am Wochenende informierte, dass Fritz Gampe aus Milow am dortigen See ein unbekanntes Wildtier mit der Kamera aufgenommen hatte, gab es in der User–Gemeinschaft ein riesiges Echo. Die Berliner und Kleinmachnower hatten ja ihre „Löwenjagd“ gehabt, doch welches Tier ist es, das durch die Wildnis der Uckerländer streift?

„Ein Wildschwein ist es nicht“, so Fritz Gampe. Um sich diesbezüglich sicher zu sein, hatte es übrigens keine 30 Stunden, eines großen Polizeieinsatzes und des Rates ausgewiesener Experten gebraucht. Doch was ist es dann? „Das Bild zeigt das Tier eben gerade noch, nachdem es Wasser geschlürft hatte, wie es sich auf den Weg macht, um sich im Schilf des Dorfsees zu Milow gänzlich zu verstecken“, hatte Gampe zu seinen eigenen Fotos kommentiert. Um die „Sensation der Sensation“ perfekt zu machen, schloss er (Ironie an) es nicht aus, dass die Berliner „Löwin“ inzwischen in die Uckermark ausgewichen sei, des Trubels in Berlin und Potsdam–Brandenburg überdrüssig ...

Unzählige Vermutungen

Nach der Veröffentlichung im www wurde bei der Suche nach Antworten in über 130 Facebook–Kommentaren bei „Wir sind Uckermärker“ dem „Affen richtig Zucker“ gegeben. Die Mutmaßungen reichten von „Löwenschwein“, über „Big Foot“, „schwarzem Panther“, „Ed, die Hyäne auf Futtersuche“ bis hin zu „keine Ahnung, aber auf jeden Fall niedlich“.

Natürlich war unsere Suchaktion augenzwinkernd gemeint — ganz im Schatten der Löwin, die mächtig in das mediale „Sommerloch“ rasselte. Doch ganz so einfach, wie zunächst gedacht, war es dann doch nicht, die richtige Antwort herauszufinden.

Das Tier schlürfte zunächst Wasser aus dem Milower See, bevor es sich im Schilf versteckte.
Das Tier schlürfte zunächst Wasser aus dem Milower See, bevor es sich im Schilf versteckte. (Foto: Fritz Gampe)

Womöglich ein Marderhund

„Bei dem vermeintlich unbekannten Tier handelt es sich um einen jungen Marderhund. Die kommen überall vor, wenn auch selten gesichtet“, meinte Barbara J. Schneider. Ähnlich Barbara Kugelmeier: „Bei dem unbekannten Tier, das Herr Gampe in der Uckermark fotografiert hat, könnte es sich um einen Welpen eines Enoks oder Marderhundes handeln.“

„Es ist ein Waschbär und das sieht auch ein ‚Blinder mit nem Krückstock‘. Genauer gesagt ist es ein Waschbär–Welpe. Wir in Berlin haben sie an jeder Ecke und sehen sie öfter. Ist also keine Sensation, sondern einfach nur drollig“, schrieb Monika Lück, die zugleich ein Plädoyer für die Waschbären hielt: „Bevor wieder auf Waschbären gehetzt wird, die ja angeblich für Artensterben und was auch immer verantwortlich gemacht werden, es stimmt nicht. Das sind sehr faule Jäger, sie fressen also alles, was herumliegt und einfach zu haben ist, die fischen oder sammeln also keine Amphibien zuhauf auf oder plündern massenhaft Nester. Zudem sind sie sogar sehr sauber und beherbergen kaum Parasiten, weil das Fell zu dicht ist und sie zu oft im Wasser baden. Sie plündern Tierfressnäpfe, wenn sie nachts draußen stehen, fressen gerne vergorenes Obst und liegen dann besoffen herum und pennen ihren Rausch aus, die gehen auch an ungesicherte Mülltonnen, wenn da was Gutes zu holen ist“, so die Berlinerin. Anstatt auf Dachböden zu hausen, würden die Waschbären Baumkronen vorziehen. Auch Stephan Heinrich hielt es für wahrscheinlich, dass es sich bei dem aufgenommenen Tier um ein Waschbärenjunges handelt.

Aus Nordosteuropa eingewandert

Heiko Kretschmer aus Drage bekannte, vor vielen Jahren etwas Ähnliches gesehen
zu haben: „Es handelte sich um einen Vielfraß Gulo gulo, eine sehr große Marderart. Entweder ist ihr Exemplar aus Nordosteuropa eingewandert oder irgendwo ausgebüxt.“ Auch Thomas Pohland tippte auf einen Marderhund.

Wenn man einen solchen nicht kennt, könne solch ein Exemplar „schon etwas exotisch aussehen“, räumte Christian Karbe ein. „Marderhund oder Waschbär mit Räude. Egal, was von beiden, sieht nicht gesund aus“, kommentiere Monika Heidinger die Veröffentlichung.

Definitiv ein Marderhund

Diese Antwort kommt jener des Stadtförsters aus Templin, den der Uckermark Kurier um seine Meinung bat, sehr nahe. „Es sieht aus wie ein Marderhund mit Räude“, so Christian Hierdeis. Wie der Zufall so will, heißt der Mitarbeiter der unteren Jagdbehörde des Landkreises, der jeden Zweifel zerstreut, Silvio Löwenberg. Auf Nachfrage des Uckermark Kurier kann dieser versichern: „Es handelt sich definitiv um einen jungen Marderhund.“