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Kreishandwerkerschaft Uckermark

Das ist der Todesstoß für die letzten Einzelhändler

Boitzenburg / Lesedauer: 4 min

Gemeinsam mit der Landrätin besucht die Kreishandwerkerschaft regelmäßig Handwerksfirmen. In Boitzenburg redete eine Friseurmeisterin Klartext.
Veröffentlicht:06.07.2023, 16:55

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Die Boitzenburger Friseurmeisterin Monika Lange–Gohlke ist dafür bekannt, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt. Und so durften sich Landrätin Karina Dörk (CDU), Kreishandwerksmeister Klaus Schreiber der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frank Ecker und die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Uckermark Katrin Grothe ordentlich etwas anhören. Aber genau dazu fahren sie gemeinsam seit einem Jahr wieder regelmäßig zu Besuchen in Uckermärker Handwerksbetriebe.

Kundschaft enttäuscht von Sparkasse

Monika Lange–Gohlke spiegelte der Landrätin und Verwaltungsratsvorsitzenden der Sparkasse Uckermark noch einmal, wie der Volksmund bei ihr auf dem Friseurstuhl so auf die beabsichtigte Schließung von fünf kleineren Sparkassenfilialen auf dem Lande, insbesondere in Boitzenburg, reagiert. Anders als es von den Sparkassenvorständen kommuniziert werde, äußerten sich ihre Kunden keineswegs verständnisvoll über diesen Schritt. „Besonders die alten Leute fühlen sich hintergangen und sind enttäuscht“, erzählte sie. Den Brief von der Sparkasse mit der Versicherung „Wir bleiben an Ihrer Seite“ empfinde sie daher eher als Hohn, da die Sparkasse doch gehen wolle. „Viele ältere Leute sind schon stolz, wenn sie mit ihrem Rollator zur Sparkasse schieben und dort noch die PIN im Kopf haben, um sich Geld zu holen“, so ihre Beobachtung. Aber dieses Stück lohnender Bewegung werde ihnen ja nun auch erspart. Damit gehe ihnen wieder ein Stück Eigenständigkeit verloren. „Wir haben in Boitzenburg die Sorge, dass der Rückzug der Sparkasse auch Auswirkungen auf Handwerk und Gewerbe haben wird“, sagte Bürgermeister Frank Zimmermann bei dem Treffen mit der Kreishandwerkerschaft. Er habe Sorge, dass der Wegfall der Sparkassenfiliale auch der Todesstoß für die letzten Einzelhändler werden könnte. Wenn die Leute wegen des Bargeldes oder einer Überweisung in die Stadt müssten, würden sie dort gleich einkaufen und andere Wege mit erledigen und auf den Dörfern fehle wieder ein Teil der ohnehin rar gewordenen Kundschaft. 

Hier wird nur bar gezahlt

Dass das bargeldlose Bezahlen immer mehr zunehme, kann die Friseurmeisterin zumindest für ihren Salon nicht bestätigen. Gefühlt 75 Prozent der Menschen seien alte Leute, die weder online unterwegs sein, noch mit Karte bezahlen wollen. Obwohl die Friseurmeisterin längst im Onlinebanking unterwegs sei — in ihrem Geschäft werde nur bar bezahlt. Klaus Schreiber erklärte, warum viele kleine Geschäfte  keine Kartenterminals haben. Wenn sie schon allein dafür 170 bis 200 Euro im Monat zahlen müssten, sei das für kleine Geschäfte einfach zu viel. Man müsse mal überlegen, wie viele Brötchen à 40 Cent über den Ladentisch gehen müssten, ohne dass der Bäcker nur einen Cent verdient habe. Klaus Schreiber befürchtet, die Herren im Vorstand könnten die Verbindung zur Wirklichkeit verloren haben. „Wir können unsere Brot– und Brötchenpreise jedenfalls kaum noch erhöhen“, sagte er. „Da muss sich doch keiner wundern, wenn sich niemand mehr selbstständig machen will“, so Schreiber.

Schlechte Kommunikation eingeräumt

Frank Zimmermann sah die Gefahr einer Entfremdung der Leute vor Ort von der Politik und den demokratischen Parteien, wenn sich die Bürger mit ihren Sorgen nicht mehr wahr– und ernstgenommen fühlten. Landrätin Karina Dörk, selbst einmal Unternehmerin, konnte die Sorgen der Handwerker nachvollziehen. Sie wisse, wie es sei, wenn man nicht schlafen könne, weil man bange, ob eine Rechnung rechtzeitig bezahlt werde, bevor Krankenkasse und Steuer Geld abbuchten. Dennoch rede sie niemandem zum Munde. Sie wisse auch um die Anforderungen des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, von Sonder– und Stützungsfonds und Regularien der Bankenaufsicht, die die Sparkasse erfüllen muss und dabei auch noch wirtschaftlich agieren soll. Auch wenn der Kreis der Träger sei und die Sparkassen einen öffentlichen Auftrag hätten, so stünden sie dennoch im Wettbewerb mit anderen Banken. Karina Dörk räumte eine schlechte Kommunikation des Vorstandes ein. Eigentlich sollten noch vor den Medien die Bürgermeister informiert werden. Die Landrätin versprach, dass sie die Sicht der Basis noch einmal in den Verwaltungsrat tragen werde. „Ich habe aber dort nur eine Stimme“, sagte sie. 

Konto bei der Sparkasse

Zur Daseinsvorsorge und Solidarität mit der eigenen Sparkasse gehöre aber auch, so Dörk, dass die Kommunen dann auch ihr Konto bei der Sparkasse haben sollten. Frank Zimmermann erinnerte daran, dass er von der Kommunalaufsicht, dem Landkreis, bei seinem defizitären Haushalt verpflichtet werde, stets das wirtschaftlichste Angebot zu
nehmen.