StartseiteRegionalUckermarkDas sagen die Chefs des verprügelten Notarztes (67)

Bewusstlos geschlagen

Das sagen die Chefs des verprügelten Notarztes (67)

Prenzlau / Lesedauer: 3 min

Der Rettungsdienst steht nach dem brutalen Angriff auf einen Mediziner nahe Prenzlau noch immer unter Schock. Das sind die Konsequenzen der Attacke ...
Veröffentlicht:04.12.2023, 12:48

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Eine Woche nach dem Angriff auf einen Notarzt im uckermärkischen Schönwerder sitzt der Schock noch immer tief bei den Betroffenen. Die Redaktion bat den Geschäftsführer der Uckermärkischen Rettungsdienstgesellschaft (URG) Mike Förster um eine Stellungnahme. Zusammen mit dem Ärztlichen Leiter im Rettungsdienst Dr. Tobias Kaschel verfasste er ein Statement.

Vorweg nahmen die beiden, dass es sich dabei um ein sehr sensibles Thema handele, „deshalb bitten wir, damit behutsam umzugehen, insbesondere in Hinsicht auf unsere Mitarbeiter. Es darf am Ende nicht dazu führen, dass sie verunsichert werden, denn das führt in der Regel zu Fehlern im Einsatz, und diese Entwicklung wäre fatal. Wir sind hier nicht  in Berlin oder in einer anderen Großstadt. Sicher kann auch hier wieder mal sowas passieren, weil es immer wieder zu Ausnahmesituationen beim Menschen kommen kann, aber bisher ist das ein Einzelfall.“

Zu Tendenzen in Sachen Gewaltbereitschaft könne von ihrer Seite nicht viel gesagt werden, warb Mike Förster um Verständnis: „Solch ein Vorfall kann  jederzeit passieren. Gefühlt haben wir eine zunehmende Tendenz, aber wie gesagt nur gefühlt. Das kommt wahrscheinlich auch aus der zunehmenden Berichterstattung über derartige Übergriffe. Offizielle Zahlen liegen uns nicht vor.“

Es gebe mit Sicherheit eine gewisse Dunkelziffer, weil leichte oder Beinahe-Übergriffe nicht gemeldet würden, „und diese entgehen somit unserer Kenntnis. Eine Tendenz wie in den Ballungszentren, zum Beispiel Berlin, sehen wir aber in der Uckermark noch nicht.“

Gespräche angeboten

Welche Auswirkungen dieser Übergriff auf die Psyche der Betroffenen habe, könne man noch nicht abschätzen, teilten die beiden Vertreter des Rettungsdienstes mit: „Deshalb haben wir die Teamleiter und andere Verantwortliche wie das Einsatznachsorgeteam ENT, die Gespräche anbieten können, die auf Signale der Mitarbeiter achten und ggf. weitere Hilfeangebote organisieren können. Wir sind uns dieser Problematik bewusst und haben auch schon durch persönliche Gespräche mit den Betroffenen signalisiert, dass wir jederzeit selbst oder durch weitere, professionelle Hilfe jedem einzelnen zur Seite stehen werden.

Mit dem Notarzt wurde ebenfalls schon mehrfach gesprochen und weitere Hilfe angeboten. Hier werden wir nochmal mit dem standortverantwortlichen Arzt das Gespräch suchen." 

Retter werden geschult

Der Landkreis als Träger des Rettungsdienstes, die URG und der Ärztliche Leiter sehen sich in einer großen Verantwortung für die Einsatzkräfte, manifestierten sie weiter: „Es steht jedoch fest, dass sich unser Bewusstsein und unsere Achtsamkeit in zukünftigen Einsätzen ändern muss und wird. Dazu müssen und werden  seit geraumer Zeit entsprechende Trainings- und Schulungen für die Retter angeboten. Aktuell findet im kommenden Monat eine Schulung unter dem Thema 'Deeskalation und Eigensicherung im Rettungsdienst' statt. Weitere Präventivmaßnahmen werden erarbeitet und den Mitarbeiter des Rettungsdienstes in weiteren Schulungen vermittelt." 

33-Jähriger rastet aus

Zum Hintergrund: Ein 33-jähriger Mann hatte sich am 24. November offenbar in einer psychischen Ausnahmesituation befunden, dass Bekannte den Notruf wählten. Die Leitstelle schickte umgehend einen 67-jährigen Notarzt und Rettungssanitäter zum Einsatz. In Schönwerder angekommen, wurde der Mediziner von dem Patienten allerdings sofort angegriffen und bewusstlos geschlagen, woraufhin sich die Kollegen zurückzogen und die Polizei alarmierten. Den Beamten aus der Uckermark gelang es wenig später, den Schläger zu überwältigen.

Die bereits angeforderten Einsatzkräfte des SEK Potsdam konnten deshalb zurückbeordert werden. Inzwischen war ein zweiter Notarzt aus Neubrandenburg eingetroffen, der seinen schwer verletzten Kollegen medizinisch versorgte. Dieser musste anschließend stationär aufgenommen und behandelt werden. Was seinen aktuellen Zustand anbelangt, ist nichts bekannt.