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Ohne Internet geht bei den "Schraubern" nichts mehr

Boitzenburg / Lesedauer: 3 min

Die Werkstatt ist in Boitzenburg und Umgebung ein Begriff. Seit 30 Jahren bietet das Familienunternehmen Müller auf dem dortigen Gutshof seinen Kfz– und Gartentechnikservice an.
Veröffentlicht:30.05.2023, 17:29

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Wenn im Winter die Batterie streikt, wenn die nächste Durchsicht ran, der TÜV wieder fällig ist oder sonst irgendwas mit dem Auto oder auch der Gartentechnik nicht stimmt, wird man in Boitzenburg zu „Kfz–Müller“ geschickt. Die Kurzbezeichnung der Freien Werkstatt ist in den 30 Jahres ihres Bestehens in Boitzenburg und Umgebung fast schon zum geflügelten Wort geworden. Es ist einfach keine Frage, mit seinen Technikproblemen geht man hier halt zu „Müller“!

Chef ganz allein

Vor 30 Jahren — am 1. Mai 1993 — hat Fred Müller die seit 2020 von seinem Sohn Karsten geführte Werkstatt auf dem ehemaligen Gutshof eröffnet. „Damals noch allein“, erinnert sich der Senior, der auch heute noch mit Rat und Tat zur Seite steht, genau wie seine Frau, die als Bürokraft hilft.

Mit „Landtechnik, Kfz und Metallbau“ wollte sich Fred Müller, der als Techniker in der LPG Tierproduktion Berkholz angefangen hatte und seit 1979 in Boitzenburg wohnte, selbstständig machen. „Meinen Landmaschinen–Meister hatte ich schon 1983 in der Tasche“, erzählt er von seinem Werdegang, „am 4. Dezember 1992 dann auch die erforderliche Westangleichung mit Kfz–Anerkennung.“ Von den damaligen Interessenten, die an einen Gewerbepark auf dem Gutshof glaubten, blieb fast nur er.

„Die erste Zeit hat mein Vater die Ersatzteile von der Telefonzelle aus bestellt“, wirft hier Karsten Müller, der auch schon seit 2008 seinen Meisterbrief hat, schmunzelnd ein, „das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen!“ Fred Müller fügt lachend hinzu; „später hatte ich dann ein Funktelefon, so einen großen Kasten — das waren schon wilde Zeiten!“

Selbstständig und unabhängig

Das zunächst nur gemietete Gebäude der Tierproduktion hat Fred Müller 1998 von der BVVG kaufen können. Selbstständig und unabhängig zu sein und zu bleiben, sagt er, das sei ihm stets wichtig gewesen. Davon habe er sich bei allen Entscheidungen leiten lassen und sei damit immer gut gefahren. So konnte seine Werkstatt langsam, kontinuierlich und solide wachsen.

Von Oldtimer bis E-Autos

„Schon nach einem halben Jahr brauchte ich Verstärkung und holte mir Rudi Reich mit in die Werkstatt.“ Heute hat in ihr ein neunköpfiges Team gut zu tun, und die Arbeit hat sich verändert. „Von der Landtechnik haben wir uns bald getrennt und dafür Kommunal– und Gartentechnik mit reingenommen, aber Kfz–Reparatur und -Wartung sind noch immer die größten Posten“, erklärt Fred Müller. Und sein Sohn ergänzt: „Ohne PC und Internet geht heute nichts mehr.“ Vieles hätte sich verbessert, aber einfacher sei es dadurch nicht geworden. „Wir arbeiten teilweise noch an 30 Jahre alten Autos“, verdeutlicht er die Herausforderungen „und haben schon die ersten Elektroautos auf der Hebebühne!“ Das bedeutet nicht nur einen erheblichen technischen Aufwand, sondern erfordert auch ständige Weiterbildungen. Dabei setzen sie auf innerbetriebliche Ausbildung. Mitstreiter, auch Lehrlinge werden immer gesucht. „Besonders wichtig ist uns, dass es passt“, unterstreicht Karsten Müller, „wir sind ein Familienbetrieb, da muss man sich aufeinander verlassen können!“