Templiner Kugelstoßer

Er will als U23-Athlet stets bei den Männern anklopfen

Templin / Lesedauer: 4 min

Ein 19-jähriger Templiner machte 2021 im Dress des SC Neubrandenburg auf sich aufmerksam. Nun winkt ihm eine besondere Auszeichnung.
Veröffentlicht:15.12.2021, 12:07
Aktualisiert:06.01.2022, 22:25

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Das Jahr 2021 wird Claudio Stoessel so schnell nicht vergessen. Als national Vierter in der Rangliste der deutschen U20-Kugelstoßer fuhr er im Sommer zur Europameisterschaft in Tallin. Dort wuchtete er die Kugel im fünften Versuch auf 19,43 Meter und gewann damit die Bronzemedaille. Der erste große internationaler Erfolg für den Schützling von Trainer Gerald Bergmann „Dass ich nun dafür auf die Kandidatenliste des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) zur Wahl des besten Jugend-Athleten gesetzt wurde, war eine Entscheidung des nationalen Verbandes. Ich selbst erfuhr davon erst nach einem Anruf eines Freundes beziehungsweise über Instagram. Aber ich freue mich sehr über diese Anerkennung.“

Schließlich kann nun jedermann bis zum 31. Dezember unter www.leichtathletik.de, per Mail an [email protected] oder brieflich an Redaktionsbüro Wipperfürth GmbH Redaktion Leichtathletik, Schanzenstraße 36, Gebäude 31a, 51063 Köln seine Stimme für den SCN-Athleten abgeben.

Als Junge lange verspielt

Dass aus dem einst selbst an Wettkampfstätten verspielt wirkenden Jungen mittlerweile ein Kämpfer mit genauen Zielvorstellungen geworden ist, erstaunt viele. Inzwischen 1,80 Meter groß und 101 Kilogramm schwer verbesserte er seine Leistungen kontinuierlich. Sein Vater Sandro bekennt, ihn zu den ersten Trainings und dem ersten Wettkampf in Eberswalde mitgeschleppt zu haben. Aber ohne Leistungsvorgaben oder gar Druck auf ihn. „Das wirkte durch zahlreiche gute Ergebnisse seiner älteren Schwester Nikita oder anderen Nachwuchsathleten des SV Alemania 52 Templin wohl eher unbewusst auf ihn.“

Dass er zum Laufen zu faul sei, hielten ihm sein Vater oder Trainer Volker Quandt nie vor. Nein, sie wussten seine aufkeimende Liebe zur Leichtathletik zu kanalisieren. Im Wurf-/Stoßbereich gehörte er in den Schülerklassen alsbald zu den Besten im Land und mischte in der nationalen Rangliste auch vorn mit. So auch 2015/16, als die Verantwortlichen des SC Neubrandenburg beim Weihnachtssportfest 2015 ihr Interesse an diesem Talent aus der Uckermark bekundeten.

Wechsel nach Neubrandenburg

Nach den Winterferien darauf absolvierte er eine Probewoche in der Stadt am Tollensesee. „Im Nachhinein war sein Entschluss, zur Sportschule nach Neubrandenburg zu gehen, die beste Entscheidung für seinen weiteren Werdegang“, so sein Vater. Auch Claudio sieht das so. „Ich wollte das, obwohl es mir nicht leicht fiel, nun von meiner Familie getrennt zu sein. Auch dass die Resultate sich zunächst bei den -Rängen vier und fünf einpendelten, warf mich nicht zurück. Denn die Trainingswerte zeigten einen Aufwärtstrend.“ Dennoch verblüffte es ihn, Bronze bei den Deutschen Hallenmeisterschaften der Jugend erkämpft zu haben. „Ich würde sagen, dass war der Punkt, der meinen Ehrgeiz besonders anstachelte.“

Und wie weiter? „Das nun erreichte Niveau möchte ich bestätigen, möchte mich in der U23-Spitze festsetzen und damit immer bei den Männern anklopfen.“ Trainer Gerald Bergmann wird diese zielorientierte Aussage erfreuen. Er weilte jetzt mit Claudio Stoessel zum Trainingslehrgang in Kienbaum. Und er wird auch registriert haben, dass sein Schützling künftig versucht, Nägel mit Köpfen zu machen. Die von ihm jüngst erreichten 16,91 Meter mit der 7er Kugel kann man schon als ein Anklopfen bei den „Großen“ werten.

Krafttraining wichtig

Wegen der pandemischen Lage wurden jüngst etliche Wettkämpfe national abgesagt. „Daher hoffe ich, dass die Anfang 2022 in Rochlitz und Sassnitz geplanten Wurf-/Stoß-Meetings stattfinden. Im Training konzentriere ich mich auf den Zuwachs von Kraft. Da habe ich noch Defizite“ bekennt er. Und er bekennt sich zu seinen Wurzeln. „Der SV Alemania war mein Wegbereiter. Und auch jetzt registriert man dort noch, wie ich mich entwickle.“

Das Loslassen von zu Hause war für ihn nicht einfach. „Aber selbst wenn es hier Probleme für mich geben sollte, weiß ich meine Familie hinter mir.“ So kann er sich voll auf das Sportliche konzentrieren. Auch beruflich möchte er einst weiter diesem Metier verbunden bleiben. Doch die Würfel sind noch nicht gefallen. Gegenwärtig absolviert er ein freiwilliges soziales Jahr. „Da arbeite ich bereits mit Kindern. Ob ich später, wie meine Schwester, ein Lehramtsstudium mache oder die Trainerlaufbahn anstrebe, das könnte ich mir vorstellen, das ist aber noch alles offen.“

Hartes Training ein Muss

Somit ist klar, das viele weitere harte Trainingsstunden ein Muss sind. „Ich habe gelernt, mich zu schinden. Und ich bleibe dabei, ich will oben bei den Männern anklopfen.“