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Zeitgeschichte

Erinnerungen an Götschendorfer Gedenkstein bewahrt

Götscheindorf / Lesedauer: 2 min

Wer sich für die Geschichte eines Findlings auf dem Friedhof in dem kleinen uckermärkischen Ort interessiert, der wird jetzt informiert.
Veröffentlicht:12.10.2022, 05:58

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„Die Toten mahnen uns, bewahret das Leben, kämpft für den Frieden!“ steht auf einem Gedenkstein auf dem Friedhof in Götschendorf. Er erinnert an sowjetische Soldaten, die während des Zweiten Weltkrieges in Götschendorf von Angehörigen der SS erschossen worden waren. 1954 hatte man die Überreste dieser Soldaten bei der Neugestaltung der Außenanlagen der damaligen Friedensratschule entdeckt. Der Stein wurde gleichermaßen gefallenen deutschen Wehrmachtssoldaten gewidmet.

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Jetzt steht vor diesem Findling eine kleine Tafel, die mit einem QR-Code versehen wurde. Wer den mit seinem Handy einscannt, der wird direkt auf eine Webseite geführt. Darauf findet man die wichtigsten Informationen zu diesem Gedenkstein. Dass diese Erinnerungen nicht in Vergessenheit geraten, dafür haben sich Elke und Dr. Michael Polster eingesetzt. Die beiden Berliner haben eine besondere Beziehung zu Götschendorf. Denn dass dieser Stein auf dem Friedhof steht, hat der Vater von Elke Ploster veranlasst. Fritz Rathing war von 1953 bis 1958 Leiter der Zentralschule des Deutschen Friedensrates, die sich im Götschendorfer Schloss befand.

Aufzeichnungen an die Gemeinde übergeben

Fritz Rathing habe immer in enger Verbindung mit der Gemeinde gestanden, berichtete Michael Polster während eines Besuches in Göltschendorf. „In einer Versammlung wurde er von einem älteren Einwohner auf den Fund angesprochen.“ So sei die Idee entstanden, Soldaten beider Länder eine würdige letzte Ruhestätte auf dem Friedhof des Dorfes zu geben. „Am 8. Mai 1955 wurde der Gedenkstein, ein Findling, der aus der Region stammt, eingeweiht. Vor dem geschichtlichen Hintergrund war es eine Veranstaltung mit großer Symbolwirkung“, so Michael Polster mit Blick auf die Geschichte. Elke Polster wurde 1953 in Templin geboren. Fünf Jahre war sie Götschendorf zu Hause, wohnte mit ihren Eltern und ihrer älteren Schwester im Schloss. „Teilnehmer aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, auch aus Österreich und der Schweiz, sind zu Lehrgängen an die Friedensschule gekommen“, berichtete Michael Polster von seinen Recherchen. Später habe man die Friedensschulen aufgelöst. „Fritz Rathing hat die Erinnerungen an seine Zeit als Leiter aufgeschrieben. Seine Aufzeichnungen haben wir der Gemeinde übergeben.“

Er und seine Frau hatten den Gedenkstein in Eigenregie gesäubert und sich an die Milmersdorfer Gemeindevertreter mit der Bitte gewandt, die völlig verblasste Inschrift wieder zu erneuern. Die Gemeinde stellte dafür Mittel zur Verfügung. Seit 2021 sind die mahnenden Worte wieder gut lesbar. Inzwischen arbeiten die Polsters an einem Buch, das Auskunft über die Friedensratschule in Götschendorf in der Zeit von 1953 bis 1958 geben soll.

https://findling-goetschendorf.net/