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Gerichtsbericht

Fünffache Mutter noch im Gerichtssaal verhaftet

Uckermark/Neuruppin / Lesedauer: 3 min

All ihre Tränen nützen der 33-Jährigen vor der großen Strafkammer nichts. Der Richter sieht in ihr die Drahtzieherin für einen brutalen Überfall auf einen 79-jährigen Uckermärker.
Veröffentlicht:12.02.2024, 13:00

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Der heute 79-Jährige erwartete am Nachmittag des 27. November 2022 in seiner Wohnung in Schwedt eine Pflegeschwester. Deshalb dachte er an nichts Böses, als es an seiner Terrassentür klopfte. Er öffnete und wurde sogleich von einer Unbekannten so geschubst, dass er gegen eine Tischplatte stürzte. Die Frau war nicht alleine, hinter ihr drängten sich vier weitere Personen, darunter zwei Kinder, in das Zimmer. Die Frau drückte ihm ein Kissen aufs Gesicht, der Mann griff sich ein Obstmesser und drohte dem nun im Sessel sitzenden Mann, während die anderen die Wohnung durchsuchten. Mit knapp 100 Euro suchten die Täter das Weite.

Freiheitsstrafe von sieben Jahren und acht Monaten

Unter anderem wegen schweren Raubes stand die 33-jährige gebürtige Slowakin Magareta H. nun vor dem Landgericht Neuruppin, außerdem noch wegen eines Handtaschenraubes zwei Tage nach dem Überfall auf den Senior. Die fünffache Mutter hatte um Gnade wegen ihrer Kinder gebeten. Sie sei alleinerziehend, wohne seit acht Jahren in Schwedt und gehe einer Arbeit nach. Doch alle Tränen und Unschuldsbeteuerungen halfen ihr nicht.

Die erste Große Strafkammer des Landgerichts Neuruppin verurteilte sie zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren und drei Monaten. Noch im Gerichtssaal wurde die 33-Jährige verhaftet. Zu groß sei der Fluchtanreiz bei dieser hohen Strafe, begründete das Gericht die Anordnung.

„Hanebüchen“, so nannte der Vorsitzende Richter Jörn Kattenstroth die Einlassung der Angeklagten. Sie hatte zugegeben, bei beiden Taten dabei gewesen zu sein. Mehr aber nicht:„Ich habe niemandem etwas getan und hatte nichts davon.“

Dass innerhalb von zwei Tagen zwei Raubtaten mit denselben Personen aus dem Familienkreis geschehen sind, ohne dass sie etwas damit zu tun hatte, hielt das Gericht für unglaubhaft.

In brutalster Art und Weise ausgeraubt

Es sah die bereits wegen Diebstahls vorbestrafte Magareta H. als diejenige, die bei dem Überfall auf den Rentner den Hut aufhatte. „Sie haben ihn auf brutalste Art und Weise in seiner Wohnung ausgeraubt“, sagte Kattenstroth.

Sieben Jahre und drei Monate hatte auch Oberstaatsanwalt Torsten Sauermann gefordert. „Das war eine verdammt harte Nummer“, sagte er. Nämlich einen bald 80-Jährigen in seiner eigenen Wohnung zu überfallen. Die zweite Tat sah er als einen „typischen“ Handtaschenraub.

Die eigenen Kinder in Straftaten einbezogen

Das Opfer, eine heute 82-Jährige, hatte die Angeklagte bereits im Bus wahrgenommen. Als die Rentnerin ausstieg, ging Magareta H. mit einem Mann und zwei Kindern vor ihr und dann gleichzeitig mit ihr in den Hausflur. Sie drängelten sich mit in den Aufzug. Als die Gruppe mit ihr gemeinsam ausstieg, wusste sie, dass „etwas faul war“, wie sie vor Gericht sagte. Der minderjährige Junge wollte ihr die Handtasche entreißen. „Ich habe mit ihm gekämpft“, sagte sie. Schließlich behielt er die Oberhand. Sie war die Tasche mit 300 Euro und ihrem Handy los.

Beide Taten, so Kattenstroth, zeigten ein Tatbild mit krimineller Energie. Insbesondere kreideten die Richter der Angeklagten an, dass sie ihre eigenen Kinder oder die von Familienangehörigen in die Straftaten mit einbezogen hat. Diese Minderjährigen wussten genau, was zu tun war, brauchten keine Anleitung mehr.

Sie seien sich bewusst, was so eine hohe Strafe für sie als Mutter bedeute, so Kattenstroth. Aber: „Deswegen können wir keine Gnadenerweise verteilen.“ Ihnen erschiene die Strafforderung der Staatsanwaltschaft als „wohl abgewogen“.

Magareta H. wurde nach dem Urteil von Polizeibeamten abgeführt – direkt ins Gefängnis.