Auszeichnung

Für das Ehrenamt opfern sie gern ihre Freizeit

Herrenstein / Lesedauer: 6 min

Zweimal musste die traditionsreiche Veranstaltung ausfallen. In diesem Jahr fand die Ehrung auf Schloss Herrenstein statt.
Veröffentlicht:02.09.2022, 17:19
Aktualisiert:02.09.2022, 17:21

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Insgesamt 14 verdienstvolle Ehrenamtler aus der Uckermark hat der Landkreis Uckermark in einer Auszeichnungsveranstaltung am Freitagmittag auf Schloss Herrenstein mit einer Ehrenurkunde und Ehrennadel des Landkreises, einer Sonnenblume und einem 3-Gang-Menü gewürdigt.

Erstmals seit 2019 fand damit die traditionsreiche Veranstaltung nach der Corona-Zwangspause wieder statt. Nicht alle Geehrten konnten persönlich an der Ehrung teilnehmen. Aber auch ihre Laudatio wurde vor den Vertretern der Kreistagsfraktionen und den anderen Geladenen gehalten und mit Beifall bedacht. Die Ehrung nahmen der stellvertretende Landrat Frank Bretsch (SPD) und der Vorsitzende des Kreistages Uckermark Wolfgang Banditt (CDU) vor.

Freiwillig und unentgeltlich

„Sie rennen und rennen, und niemand dankt es ihnen“, das bekämen Menschen, die sich so herausragend ehrenamtlich einbringen, oft von Familienangehörigen zu hören, sagte Wolfgang Banditt aus Erfahrung. Mit dieser festlichen Veranstaltung wolle man Danke sagen. Frank Bretsch würdigte die Geladenen als Menschen, „deren bürgerliches Engagement unverzichtbar für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft ist“, und die dafür vor allem eines für andere Menschen investierten: eigene Lebenszeit. Freiwillig und unentgeltlich. Bretsch zitierte den römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca: „Wir sind geboren, um gemeinsam zu leben. Und unsere Gemeinschaft ähnelt einem Gewölbe, in dem die Steine einander am Fallen hindern“. Die Ehrenamtler in der Uckermark leisteten auf verschiedene Art und Weise ihren freiwilligen Dienst an der Gesellschaft, für die Gemeinschaft. Frank Bretsch nannte die 2500 Feuerwehrleute, die Menschen in Vereinen und Kommunen, die sich in der Jugend-, Kultur- und Sportarbeit, in der Kommunalpolitik, im Denkmal-, Natur- und Umweltschutz, im Tourismus und der Seniorenarbeit engagierten. Ohne sie wäre das Leben in der Uckermark um vieles ärmer und kälter. Was die Ehrenamtler leisteten, sei mit Geld nicht zu bezahlen.

„Ich mache das, weil es mir Spaß macht“, brachte es Katharina Heinz aus Ringenwalde auf den Punkt. Außerdem bleibe sie so in Bewegung und jung. Keine Zeit, nur am eigenen Herd zu kleben. Die frühere Ortsbürgermeisterin, die dieser Tage 83 Jahre alt wird, bereichert auf vielfältige Weise das Dorfleben, unter anderem im Dorfverein.

Thomas Rommenhöller, Jahrgang 1962, heute ehrenamtlicher Bürgermeister von Temmen-Ringenwalde und Amtsausschussvorsitzender, hat in seiner Funktion schon so manchen Konflikt erfolgreich moderiert. Er habe sich aber noch nie gefragt: „Warum tue ich mir das an?“ Und er wolle auch weiter dabei bleiben, sagte er dem Uckermark Kurier. „Ich hoffe nur, dass wir bald wieder ohne Angst und Unsicherheiten und Zeit der Orientierungslosigkeit perspektivischen denken und unsere Gemeinde weiter entwickeln können.“

Unermüdlicher Einsatz

Susanne Fürstenau aus Templin wurde als langjährige Leiterin des Kaufhauses für Bedürftige und als Vorsitzende des Fördervereins Hilfe gegen soziale Not e. V., unter dessen Dach auch der Templiner Brotkorb betrieben wird, für ihren unermüdlichen Einsatz geehrt. Trotz gesundheitlicher Probleme lasse sie nicht nach, sozial Schwachen zu helfen, hieß es in der Laudatio.

Anke Drewlo hat nicht nur ein, sondern gleich mehrere Ehrenämter. Sie engagiert sich in Prenzlau für Menschen mit Behinderung, als Truppführerin in der Feuerwehr, im Kreisfeuerwehrverband und als ehrenamtliche Brandwartin bei der AWO.

Renate Scheffler, Jahrgang 1940, aus Gartz (Oder) wurde für ihre 30-jährige ehrenamtliche Tätigkeit im Kulturbund der Stadt Gartz geehrt. Sie habe einen großen Anteil daran, dass die Senioren soziale Kontakte pflegen und Kultur erleben können.

Eva-Maria Meister aus Gerswalde sei das typische Beispiel dafür, so Frank Bretsch, dass Menschen, die sich schon als Berufstätige stark für die Gemeinde engagierten, im Ruhestand erst recht loslegten. Sie begründete den Weihnachtsmarkt in Gerswalde. Sie organisiert nicht nur regelmäßige Treffen der Damen über 80 bei sich zu Hause und auf eigene Kosten, sondern sie ist auch DIE Ansprechpartnerin für junge Menschen in Sachen Kommunalpolitik. „Ihre Worte: Ihr wollt Eure Zukunft hier verbringen, dann gestaltet sie mit!“, so Frank Bretsch.

Sabine und Bernhard Sieker aus Seehausen wurden für ihr Engagement um die Instandsetzung der Dorfkirche Seehausen geehrt. Ihnen gelang es, mit dem Förderverein viele Sponsoren und Fördermittelgeber ins Boot zu holen.

Schwimmlager gesichert

Karsten Mikus aus Altkünkendorf rettete als Rettungsschwimmer ein Schwimmlager für Grundschüler. Dazu bat er seinen Arbeitgeber um Arbeitszeitverlagerung, um freiwillig das Schwimmlager zwei Wochen lang abzusichern.

Gerhard Keulicht aus Prenzlau, Jahrgang 1934, wurde für seinen Einsatz um die 1994 gegründete Scherpf-Bagemihl-Stiftung geehrt. Die Stiftung fördert Schüler des Prenzlauer Gymnasiums auf musisch-künstlerischem und fremdsprachlichem Gebiet. Bis 2011 war er Vorstandsvorsitzender der Stiftung und von Anfang an das Bindeglied zwischen dem Stifterehepaar, der Stiftung und der Schulleitung. Gerhard Keulicht setzte sich maßgeblich dafür ein, dass die Förderung der Gesangsausbildung der Musikgruppen, die Chorarbeit, sowie der Musik- und Kunsterziehungsunterricht in den Stiftungszweck mit aufgenommen wurden.

Partnerstädte

Dr. Hans-Ulrich Mrowetz setzt auf Verständigung zwischen den Völkern und begleitete den Städtepartnerschaftsverein von Prenzlau seit dessen Gründung. Die Stadt Prenzlau pflegt Städtepartnerschaften zu den Städten Pochwistnewo (Russland), Uster (Schweiz), Varena (Litauen) und Barlinek (Polen). „Dazu brauchen wir viele Menschen in den verschiedenen Städten, die das leben und mitarbeiten“, sagte er. Er freue sich, dass ihm viele Prenzlauer darin gefolgt seien. Er wünschte sich, dass es auch wieder eine Zeit geben wird, dass die Partnerschaft zu Russland neu belebt werden kann. Denn so herzlich wie die Kontakte dorthin gewesen seien, habe er das anderswo nie erlebt. Bis heute seien persönliche Kontakte nach Pochwistnewo nicht abgebrochen.

Marcel Reetz aus Templin ist Imker aus Leidenschaft. Er liebt die Natur und setzt sich für die Artenvielfalt ein. Er wurde für sein Engagement im „Imkerverein Templin 1878 e. V.“ und im Landesverband gewürdigt. Mit viel Engagement sensibilisiere er junge Leute für den Kampf gegen das Bienensterben, hieß es, und führe sie an das Imkern heran, das eben nicht nur eine Sache für Rentner sei.

Zu den Geehrten gehörte auch Birgit Lindhorst, die in Carmzow-Wallmow viele Veranstaltungen für das Dorf organisiert, zugleich ausländischen Jugendlichen ein vorübergehendes Zuhause in Wallmow gibt und ihnen so ein Schul-Austauschjahr ermöglicht. Die letzte Austauschschülerin aus Brasilien kam nach dem Schulabschluss in Brasilien erneut zurück nach Wallmow. Sie habe im August eine Lehre in Kleptow begonnen.

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Manfred Schroeder aus Stützkow, einem Ortsteil von Schöneberg, ist bekannt geworden, für seinen ganz besonders tatkräftigen Einsatz mit handwerklichem Geschick für seine Gemeinde. Der selbstständige Elektro-Ingenieur war 19 Jahre lang Bürgermeister im Ort. Immer dann, wenn irgendetwas nicht funktionierte, klingelte an seiner Tür die Glocke und er half – ehrenamtlich. Im Husarenstreich tauschten die Stützkower die alten Straßenlampen gegen neue LED-Leuchten aus, obwohl das Gemeindebudget knapp war. Das brachte ihm Ärger, aber deutschlandweit auch Respekt ein.