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Antisemitismus

Jüdische Gedenktafel zum dritten Mal zerstört

Templin / Lesedauer: 2 min

In Templin haben sich unbekannte Täter an einer Gedenktafel vergriffen, die an jüdisches Leben in der Stadt erinnern soll. Es ist nicht der erste Fall.
Veröffentlicht:12.01.2024, 16:27

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Auf eine Gedenktafel, die an jüdisches Leben in Templin erinnert, ist nunmehr zum dritten Mal in vier Jahren ein Angriff verübt worden. Ein Bürger machte die Polizei am Freitagvormittag auf die Zerstörung der Tafel aufmerksam. Die Polizei schickte Kriminaltechniker an den Tatort. Sie konnten Böllerreste sicherstellen und vermuten deshalb, dass die Tafel mit Pyrotechnik zerstört worden ist. „Die Sache ist jetzt ein Fall für den Staatsschutz“, so Polizeisprecher Roland Kamenz.

Die Gedenktafel an der Stadtmauer neben dem Berliner Tor in Templin erinnert an jüdisches Leben in Templin.
Die Gedenktafel an der Stadtmauer neben dem Berliner Tor in Templin erinnert an jüdisches Leben in Templin. (Foto: Sigrid Werner)

Jüdisches Leben seit 1320 in Templin

Die Tafel erinnert daran, dass jüdisches Leben sich schon seit 1320 in Templin entwickelte. 1868 war der Grundstein für eine Synagoge in der Berliner Straße gelegt worden. Nationalsozialisten hatten diese im März 1938 angezündet. Die letzte Jüdin aus Templin überlebte den Terror in einem Konzentrationslager und wohnte bis zu ihrem Tod 1954 in Templin. Damit all das und was den jüdischen Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus angetan wurde, nicht in Vergessenheit gerät, hatten Templiner Gymnasiasten im Rahmen eines Jugendprojektes Stätten gegen das Vergessen geschaffen, darunter auch die Tafel an der Stadtmauer neben dem Berliner Tor.

Bürger spenden für neue Tafeln

Nachdem diese im Februar 2021 schon einmal von Unbekannten zerstört worden war, hatte die Stadt mit finanzieller Unterstützung privater Bürger sofort für Ersatz gesorgt. Doch schon im Juni 2021 war die Tafel plötzlich gänzlich verschwunden. Wieder wurde eine neue Gedenktafel beschafft, dieses Mal aus bruch- und vandalismussicherem Material. Die Kosten für die neue Tafel teilten sich die Stadt und Heiko Strempel, Geschäftsführer des Sägewerkes Vietmannsdorf. Anfang Dezember 2021 löste die neue Tafel ein vorübergehendes Provisorium ab.

Belohnung ausgesetzt

„Wir werden uns auch jetzt nicht von dem Gedenken abbringen lassen und die erneut zerstörte Tafel zeitnah ersetzen“, so Bürgermeister Detlef Tabbert (Linke). Er setzte spontan 1000 Euro Belohnung aus für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen. Er verurteile dieses unakzeptable Verhalten aufs Schärfste, egal, ob es antisemitische Tatmotive habe oder purer Vandalismus gewesen sei.

Noch in der Dezember-Sitzung der Stadtverordneten hatte der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Franz-Christoph Michel (CDU), es als Erfolg aller Engagierten in der Stadt gewürdigt, dass es nach dem Überfall der Hamas auf Israel und den Kämpfen im Gaza-Streifen nicht zu antisemitischen Straftaten oder judenfeindlichen Ausschreitungen in Templin gekommen war.