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Sterbebegleitung

Hospiz für die Uckermark nimmt Gestalt an

Prenzlau / Lesedauer: 3 min

Seit über 15 Jahren gibt es in Prenzlau Pläne für die stationäre Betreuung sterbender Menschen. Jetzt kommt das ambitionierte Vorhaben endlich voran.
Veröffentlicht:20.10.2021, 08:37

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Ein modernes Zimmer mit eigenem Bad und Terrasse, auf die bei Bedarf sogar das Pflegebett geschoben werden kann, 30 Quadratmeter groß und lichtdurchflutet – diese Annehmlichkeiten möchte das Evangelische Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin ab 2024 in Prenzlau schwerstkranken Menschen in einem stationären Hospiz bieten. Noch ist das Projekt des Trägers, der diakonische Dienste in Brandenburg und Berlin anbietet und derzeit mehr als 2300 Mitarbeiter beschäftigt, zwar Zukunftsmusik. Aber mit Unterstützung des Uckermärkischen Hospizvereins, der Stadt Prenzlau und des Landkreises Uckermark dürfte das ambitionierte Vorhaben bald Gestalt annehmen.

Insgesamt 14 Plätze

Das neue Objekt wird in zentraler Lage der Kreisstadt entstehen. Der Entwurf sieht im Karree Karl-Marx-Straße/Rudolf-Breitscheid-Straße/Akazienstraße die Errichtung von drei Einzelhäusern mit asymmetrischen Satteldächern vor, die durch zwei Flachbauten verbunden werden. Geplant sind zwölf Plätze für Sterbende, die in der letzten Phase ihres Lebens besonderer Zuwendung, Begleitung und Hilfe bedürfen. Plus zwei variable Plätze, die es ermöglichen, den Abschied entspannt anzugehen, indem man nach dem Tod eines Bewohners nicht gleich wieder auf eine Neuvergabe des Zimmers dringen muss.

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„Die Gäste und ihre Angehörigen werden dort Ruhe, Geborgenheit und Sicherheit durch professionelle Pflege, kompetente medizinische Betreuung und einfühlsame Begleitung finden“, versicherte Pfarrer Matthias Blume am Dienstag vor der Presse. Der Theologische Vorstand des Diakonissenhauses erläuterte, dass für die Realisierung des Projektes ein Bebauungsplan erforderlich sei. Dieser liege den Stadtverordneten demnächst zur Beschlussfassung vor. Dr. Andreas Heinrich, Zweiter Beigeordneter des Bürgermeisters, ist zuversichtlich, was ein beschleunigtes Verfahren anbelangt, weil das Thema Hospiz vielen am Herzen liege. Die Weichen seien gestellt. Der Kaufvertrag mit der Wohnbau GmbH, dem Besitzer der Fläche, liege als Entwurf schon vor, so Heinrich.

4,4 Millionen Euro Bausumme

Der Baustart soll nach Möglichkeit noch 2022 erfolgen, für die Arbeiten ist ein Zeitfenster von etwa 18 Monaten vorgesehen. Michael Blümchen, Geschäftsführer im Unternehmensbereich Altenhilfe, rechnete auf der Pressekonferenz vor, dass für das Objekt 4,4 Milionen Euro aufzubringen sind. Hinzu komme bei laufendem Betrieb eine sechsstellige Summe pro Jahr, die nicht durch die Zahlungen der Pflegekasse gedeckelt würde. Da die Hospiz-Bewohner in ihren letzten Tagen nichts mehr zu ihrer Versorgung und Pflege beitragen sollen müssen, werde man, so Blümchen, von Anfang an auf Spenden und bürgerliches Engagement angewiesen sein.

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Erfahrungen an ihren anderen Hospizstandorten zeigten aber, dass das mach- und schaffbar sei. Es hätten sich dort ganz wunderbare Initiativen entwickelt, stellte der Geschäftsführer heraus. Es kämen nicht nur finanzielle Zuwendungen, sondern es engagierten sich auch Menschen, die beispielsweise gut backen oder Klavier spielen könnten und so den Alltag bereicherten, zeigte Blümchen auf.

Hospizverein zuversichtlich

Ähnliches erwarte man auch in Prenzlau. Die Vertreter des Diakonissenwerkes erklärten, dass der Erstkontakt über eine Initiative aus Greiffenberg zustande gekommen sei, die das stationäre Hospiz für die Uckermark in ihr Dorf holen wollte. Das Vorhaben auf dem dortigen Pfarrhof sei aber nicht zustande gekommen, weil Prenzlau wegen seiner zentralen Lage einfach besser geeignet gewesen und Greiffenberg durch seine Nähe zu Eberswalde, wo bereits der „Drachenkopf“ existiert, ausgeschieden sei.

Nichtsdestotrotz hätte man die engagierten Leute von dort gern weiter mit im Boot, stellte Matthias Blume klar. Ute Frahm, stellvertretende Vorsitzende des Hospizvereins, erklärte abschließend, wie erleichtert man sei, dass 15 Jahre nach Gründung nun endlich ein stationäres Hospiz in der Uckermark Gestalt annehme.