StartseiteRegionalUckermarkIn Prenzlau wird auf Weltniveau produziert

Armaturenfirma feiert

In Prenzlau wird auf Weltniveau produziert

Prenzlau / Lesedauer: 4 min

Die Perrin GmbH blickt auf 30 Betriebsjahre zurück. Die 63 Mitarbeiter setzen die Tradition des Prenzlauer DDR-Vorzeigebetriebes AWP erfolgreich fort.
Veröffentlicht:10.06.2022, 17:14

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Für den 11. Juni hat Betriebsleiter Ralf Rapp seine Mannschaft ins neue Beach-Café „Balu“ eingeladen. Die Kollegen aus Prenzlau dürfen ihre Partner mitbringen. Und auch eine Delegation aus dem zweiten Firmensitz der Perrin GmbH im hessischen Nidderau wird sich anlässlich des 30-jährigen Betriebsjubiläums auf den Weg in die Uckermark machen.

+++ Ehemalige Armaturenwerker gesucht +++

Zu erzählen gibt es an diesem Abend gewiss jede Menge, ist Qualitätsmanager Stefan Uhlig überzeugt. Der 61-Jährige gehört mit seinem Chef zu den altgedienten Hasen im Unternehmen. Die beiden haben schon vor der Wende – damals noch unterm Dach des AWP – hier Armaturen hergestellt und feiern demnächst ihre 40-jährige Betriebszugehörigkeit. Auch einige andere Kollegen sind sehr lange dabei, freut sich der 59-jährige Ralf Rapp. Das zeuge vom guten Klima im Unternehmen, ist der Diplom-Ingenieur für Maschinenbau überzeugt. Am Standort Prenzlau zählt die Belegschaft aktuell 63 Frauen und Männer. Momentan seien, so Rapp, alle für den Ablauf wichtigen Positionen im Werk besetzt; aber man halte natürlich kontinuierlich Ausschau nach neuen Mitarbeitern. In den nächsten Jahren werden etliche Beschäftigte in Rente gehen, spätestens dann steht eine Verjüngung zwingend an.

Lehrlinge gesucht

Seit 25 Jahren dient diesem Zweck bereits die Lehrlingsausbildung im eigenen Haus. 2021 haben erst wieder zwei Azubis angefangen, ein Zerspanungsmechaniker und ein Elektroniker für Betriebstechnik. Ralf Rapp zufolge hätten auch sie beste Chancen, im Betrieb alt zu werden, denn seit der Übernahme der Perrin GmbH durch einen japanischen Konzern im Jahr 2009 stehe die Zukunftssicherung durch qualitativ hochwertige Produkte und eine energieeffiziente Herstellung mehr denn je auf der Agenda. Stefan Uhlig bestätigt, dass man durch das große Engagement der asiatischen Investoren besser als je zuvor aufgestellt sei. Obwohl in Prenzlau seit einigen Jahren „nur noch“ vorgefertigt und nicht mehr endmontiert werde, stehe außer Frage, dass die Niederlassung in der Uckermark einen hohen Stellenwert für den Konzern hat, der pro Jahr Milliardenumsätze macht, so Uhlig. Bester Beweis sei 2021 die Anschaffung eines 1,5 Millionen Euro teuren Bearbeitungszentrums gewesen, das auf mehreren Lkw aus Spanien nach Prenzlau transportiert worden war und hier seitdem ein noch präziseres Arbeiten ermöglicht.

Komponenten für hartdichtende Kugelhähne

Dass der Betrieb in der Uckermark Perspektive hat, dürfte auch daran liegen, dass hier die Komponenten für sogenannte hartdichtende Kugelhähne hergestellt werden. „Da gibt es nämlich nur wenige Firmen, die das richtig gut können. Wir haben bei der Entwicklung zwar einiges Lehrgeld zahlen müssen, aber jetzt sind wir topp“, betont Uhlig stolz. Das japanische Mutterhaus, dessen Hauptsitz in der Nähe von Tokio ist, verkauft diese Produkte jedenfalls weltweit sehr gut. Die Auftragsbücher sind gefüllt in den nächsten Monaten. „Wobei man aber sagen muss, dass uns natürlich auch die gestiegenen Materialkosten Sorgen machen. Denn als die Verträge geschlossen wurden, waren diese noch auf altem Niveau, ebenso wie die Energiekosten. Das werden wir im Auge behalten müssen. Da sehen wir ein Risiko“, räumt Ralf Rapp ein.

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Um den Absatz allerdings ist ihm nicht bange. Die Kugelhähne werden für die chemische Industrie genauso benötigt wie in Kraftwerken aller Art. Neuerdings kommen sie verstärkt bei der Flüssiggasverladung in Häfen zum Einsatz. „Unsere Armaturen sorgen dafür, dass nach dem Andocken der Schiffe die Sicherheit an den Verladearmen selbst bei einer Havarie nicht gefährdet ist. Dank des pneumatischen Antriebs verschließen sie die Rohrleitung sofort“, erklären die beiden Experten im Interview.

Wichtig bei Wasserstoffverladung

Auch bei der Wasserstoffverladung und an Wasserstofftankstellen werden die Produkte made in Prenzlau perspektivisch immer gefragter sein, ist Ralf Rapp überzeugt. Er blickt aber wie viele Kollegen und ehemalige Mitarbeiter auch gern auf die alten Zeiten zurück, als 1986 ihre hochmoderne Halle am AWP in Betrieb ging, deren CNC-Maschinen viele junge Leute nach Prenzlau lockten. Im AWP zu arbeiten, das war eine Hausnummer damals.

Zur Firmengründung vor 30 Jahren zählte die Belegschaft übrigens magere 20 Mitarbeiter. „Man darf allerdings nicht vergessen zu erwähnen, dass nach der Wende im alten AWP hunderte Menschen sofort ihre Jobs verloren hatten“, stellt Uhlig fest. Das sei ein echtes Trauerspiel und schlimm für die Betroffenen gewesen. Umso stolzer ist er, dass ein Stück dieser AWP-Geschichte ins Jahr 2022 gerettet werden konnte.