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Lavendelbauer bändelt mit „Rotkäppchen“ an

Grimme / Lesedauer: 3 min

Der gebürtige Pole streckt seine Fühler bei der Suche nach Partnern weit aus. Kürzlich hat der Landwirt sogar einen Periodenunterwäsche–Hersteller beliefert.
Veröffentlicht:30.07.2023, 18:00

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Karol Olszewski könnte derzeit nicht glücklicher sein: Der Lavendelbauer aus Grimme, der sich einen Ruf als Tüftler erarbeitet hat, darf dank einer von ihm entwickelten Technologie künftig mit einem großen Unternehmen kooperieren. Die Macher der Sektmarke „Rotkäppchen“ starten mit dem 48–Jährigen und seiner Frau ein Projekt, das ab 2025 Früchte tragen soll. Bis dahin werden die Landwirte ihnen 100 000 Liter Sud verkaufen, die auf dem Hof in der Uckermark dank „Kaltextraktion a la Olszewski“ bei unter 50 Grad Celsius extrahiert worden sind.

Auf ihrem Feld Nummer 3 wachsen dafür 12 000 neue Lavendel–Pflanzen heran. Der gebürtige Pole betont, dass das von ihm erdachte Verfahren 600 Prozent effizienter als die herkömmliche Dampf–Destillation sei. Der Extrahiervorgang dauere in diesem Fall nur acht Stunden. Bis in zwei Jahren die ersten Lavendel–Sekt–Flaschen bei „Rotkäppchen“ vom Band laufen, liegt noch viel Arbeit vor den Unternehmern, die vor neun Jahren über die Landesgrenze gezogen sind.

140 Kilo verarbeitet

Das für ihre Firma nötige Kleingeld verdienen sie bis dahin auch mit Marketing–Aktionen für große Hersteller, wie Karol Olszewski sagt. Kürzlich hat der findige Bauer erst 20 000 Lavendel–Duftsäckchen nach Berlin geliefert: an einen Betrieb, der Periodenunterwäsche herstellt. Dafür waren 140 Kilo der Ernte verarbeitet worden. Nur mal zum Verständnis: in einem 80 Liter–Sack stecken nur rund vier Kilo der mediterranen Kulturpflanze drin, der Rest ist Luft. Gern geordert werden die Produkte aus dem kleinen Dorf bei Brüssow auch von Hotels als Willkommensgruß auf dem Kopfkissen.

Neue Eissorte

Als zukunftsweisend bezeichnet der Unternehmer zudem seine Zusammenarbeit mit der „Eisweberei“ aus Klockow, welche den Kaltextrakt aus Grimme für die Herstellung einer besonderen Eissorte verwendet. Das Ehepaar war 2014 bei seinem Start auf dem alten Hof von vielen belächelt worden. Doch inzwischen ordern etliche Partner aus der Umgebung stetig Nachschub ihrer Produkte, die reich an ätherischen Ölen sind.  Die meiste Rohware wird direkt an Weiterverarbeiter verkauft. Aus dem Rest macht das Ehepaar selbst Gelee und Sirup.

Beliebte Duftpflanze

Seit zwei Jahren versuchen sich die beiden auch an beruhigendem Likör. Die aus dem Mittelmeerraum stammende Duftpflanze habe ein großes Potenzial, schwärmt der Bauer: „Wer sie anbaut, muss keine Angst haben, dass das Wasserbudget überstrapaziert wird. Bei Lavendel gilt: Je heißer und trockener, desto besser. Er passt mittlerweile hervorragend ins Klima der Uckermark.“

Gut angewachsen sind in dem idyllisch gelegenen Dorf mit seinen alten Feldsteinstraßen und -häusern übrigens nicht nur die lila Sträucher, sondern auch die beiden Bauern selbst, dank lieber Menschen, die ihnen den Start in der Fremde leicht gemacht haben, wie sie betonen. Wer die Olszewskis kennenlernen möchte, ist nächsten Sonnabend willkommen: Am 5. August laden sie zu einem Familienfest ein.