StartseiteRegionalUckermark„Multi–Kulti–Café“ macht auf

Eis für schmalen Taler

„Multi–Kulti–Café“ macht auf

Prenzlau / Lesedauer: 3 min

Unternehmer Pieter Wolters möchte etwas für die Integration tun. Deshalb will er Flüchtlinge und Einheimische bei Eis und Kuchen zusammenbringen.
Veröffentlicht:10.05.2023, 08:47

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Vor Kurzem sind der langjährige Chef der Bauernkäserei Bandelow, Pieter Wolters, und seine Lebensgefährtin Regina Kunze nach Prenzlau gezogen. Die beiden bewohnen jetzt ein Domizil im neuen Mehrgenerationenhaus in der Brüssower Allee 62. Doch sich aufs Altenteil zurückziehen — das wollen der 74–Jährige und seine Partnerin noch nicht. Die beiden bekleiden weiterhin Aufgaben im Unternehmen und in dem von ihnen geführten Verein BaseCamp e.V.. „Aber jetzt haben wir endlich etwas mehr Zeit, uns unseren diakonischen Ideen zu widmen“, betont das Paar. Konkret heißt das, den Fokus auf mehr Gemeinschaft und Miteinander in der Gesellschaft zu legen.

Am 13. Mai geht es los

Ein erster Baustein soll dazu das neue „Multi–Kulti–Café“ sein, welches am 13. Mai erstmals seine Türen öffnen wird. Zunächst sollen hier einmal die Woche, immer samstagsnachmittags ab 14 Uhr, Deutsche und Ausländer gemeinsam bewirtet werden, erklärt Regina Kunze das Modell. Ihr ist bewusst, dass dieses Projekt angesichts der angeheizten Flüchtlingsdebatte zu einem schwierigen Zeitpunkt startet: „Aber wann soll man denn damit anfangen, Vorurteile abbauen zu helfen? Ich glaube, lieber früher als zu spät.“ Beispiele für nicht gelungene Integration gebe es schließlich genug.

In Prenzlau wolle man andere Wege gehen. Sie ist fest davon überzeugt, dass Begegnungen wie die in ihrem neuen Café geeignet sind, die Menschen einander näher zu bringen, bevor sie sich ein Urteil bilden. Denn dass es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gebe, zeige sich aktuell im Zusammenleben mit acht älteren Ukrainern, die die WG im neuen Mehrgenerationenhaus bezogen haben und somit in ihrer direkten Nachbarschaft leben: „Das klappt wunderbar. Diese Senioren — die Älteste ist weit über 80 — sind so dankbar, hier sein zu dürfen. Sie wollen nicht mehr zurück in ihr Heimatland.“

Pieter Wolters
Pieter Wolters (Foto: Claudia Marsal)

Afghanen sehr bemüht

Ähnliches weiß Regina Kunze auch von den Afghanen zu berichten, die in dem, der Stadtmission angeschlossenen „Lebenshaus“ untergekommen sind: „Diese Familie ist so glücklich und bemüht, hier Fuß zu fassen, dass einem das Herz aufgeht.“ Deshalb sei es immens wichtig, nicht das Trennende, sondern das Verbindende in den Mittelpunkt aller Bemühungen zu stellen, bekräftigt Pieter Wolters, der seinen Teil dazu leisten möchte. In dem Cafè, das von Ehrenamtlern betrieben werden soll, wird Kaffee, Kuchen und Eis fast zum Selbstkostenpreis über den Tresen gehen: „Wir müssen und wollen hier nichts dran verdienen. Die Tasse Kaffee für 50 Cent tut niemandem weh. Ebenso wenig wie die Kugel Eis für einen Euro. Alle sollen sich einen Besuch bei uns leisten können, vor allem die Bewohner der benachbarten Plattenbausiedlung, die finanziell nicht so gut gestellt sind.“

Regina Kunze
Regina Kunze (Foto: Claudia Marsal)

Helfer gesucht

Wenn sich genug freiwillige Helfer finden, könnte der Multi–Kulti–Treff auch durchaus an mehr Tagen in der Woche geöffnet sein, stellt der Vorsitzende des Vereins BaseCamp e.V. in Aussicht. Seiner Unterstützung könne man sich gewiss sein. Selbstgemachtes Eis aus der Region steht jedenfalls schon in ausreichendem Maß zur Verfügung.

Anlässlich der Neueröffnung des Cafés am 13. Mai wird es gemeinsam mit den Johannitern einen Nachmittag für Kinder geben. Flüchtlinge und Einheimische sind dazu ab 14 Uhr willkommen. Neben Speis und Trank erwartet die Besucher auch ein buntes Rahmenprogramm.