Wirtschaft
PCK Schwedt benötigt 420 Millionen Euro Fördermittel
Schwedt / Lesedauer: 3 min

Als Zeit der Helden hat PCK-Geschäftsführer Ralf Schairer das Jahr 2023 bezeichnet. Er meinte die Belegschaft der Raffinerie, die komplett ohne russisches Erdöl produzieren musste. Dabei sind sämtliche Chemieanlagen genau auf die Verarbeitung von Öl aus Russland ausgerichtet.

Zuversicht und Vertrauen gewachsen
Auf dem Neujahrsempfang der PCK am 19. Januar sagte er: „Wir hatten viele Helden, die dafür gesorgt haben, dass wir Berlin und Brandenburg zuverlässig und bezahlbar mit Kraftstoff und Wärme beliefern konnten.“ Er dankte Beteiligten in Planung, Logistik, Produktion, Labor und Technik.
PCK habe ein neues Kapitel der Unternehmensgeschichte aufgeschlagen. Nicht nur, weil es kein russisches Öl mehr erhalte. Sondern weil sich die Raffinerie den Herausforderungen stelle, die der Klimawandel an die Industrie richte. „Ich habe eine Entwicklung in der Belegschaft und im Umfeld erkannt – mit wachsender Zuversicht und Vertrauen“, so Schairer.
Die Gäste, unter ihnen Bürgermeister, Ortsvorsteher, Amtsleiter von Behörden, Feuerwehr und Polizei sowie Vertreter vom Zukunftsbündnis Schwedt, verfolgten mit Genugtuung den Jahresrückblick des Geschäftsführers. Auch Staatssekretär Michael Kellner (Grüne) vom Bundeswirtschaftsministerium war dabei. Der Rückblick war ein Sturmschritt durch eine drastische Entwicklung, die PCK genommen hat.
Rohöl-Aufbereitung bereitet Kopfzerbrechen
Die Raffinerie hat 23 verschiedene, auf den internationalen Märkten von seinen Gesellschaftern gekaufte Rohöle verarbeitet. Das waren Sorten mit unterschiedlichsten Eigenschaften. Die Kernanlagen haben laut Schairer gut funktioniert.
„Was uns Kopfzerbrechen macht, sind die Nebenanlagen zur Aufarbeitung der im Rohöl enthaltenen Schwefel- und Stickstoffverbindungen. Wir sind nicht in der Lage bestimmte Emissionswerte einzuhalten und arbeiten mit Ausnahmegenehmigung“, erläuterte Ralf Schairer. Dies zeige deutlich, warum PCK die beantragten Fördermittel benötige.

Der umfangreiche Fördermittelantrag von PCK umfasst sechs Projekte mit insgesamt 420 Millionen Euro. Dazu gehören die Pipeline-Ertüchtigung Rostock-Schwedt und die Anlagenanpassung in der Raffinerie. Von Sommer bis jetzt gibt es noch keine Entscheidung der EU-Kommission. Ralf Schairer dankte der Landesregierung, die mit der Task Force ein Forum geschaffen habe, Probleme anzusprechen und Unterstützung zu erwirken.
Zuverlässiger und robuster als gedacht
Er dankte auch den Gesellschaftern: „Ich bin froh über die Treuhand, sie brachte Normalität in die Abstimmungen. Wir haben von der Treuhand und Rosneft Deutschland volle Unterstützung für unsere Pläne und Stabilität durch gesicherte Rohölmengen aus Kasachstan ab Juli letzten Jahres.“ Den Raffineriebetrieb bezeichnete Schairer als zuverlässig und robuster als ursprünglich angenommen. Fast alle Chemieanlagen sind in Betrieb, das Werk produziert wieder alle Produkte, einschließlich Bitumen.
2023 war auch das Jahr des Anlagenstillstandes, weil geplante Instandhaltung und TÜV-Kontrollen im Großmaßstab notwendig waren. 3000 Monteure von Fremdfirmen aus 20 verschiedenen Nationalitäten haben dabei im Werk gearbeitet.
Bei der Langen Nacht der Ausbildung gab es einen Besucherrekord mit 1400 Jugendlichen und Erwachsenen. PCK arbeite intensiv daran, weiter als moderner Arbeitgeber attraktiv für junge Menschen zu sein. 55 Mitarbeiter, vor allem für die Produktion und den Schichtbetrieb, seien eingestellt worden.
Existenzsorgen nicht völlig weg
Nach Schairers Ausblick auf das Jahr 2024 nutzten die Gäste die Gelegenheit für Gespräche. Danny Ruthenberg ist seit wenigen Monaten neuer Betriebsratsvorsitzender. Er vertritt 1100 Beschäftigte und 70 Azubis. Wie ist die Stimmung in der Belegschaft? „Die Stimmung ist gut. Aber die Existenzsorgen sind nicht völlig weg. Die Politiker haben viel Förderung versprochen. Wir warten auf die Einlösung, denn hier liegen große Projekte in der Schublade.“
Wirtschaftsförderin Silke Liebherr war in Vertretung von Prenzlaus Bürgermeister Hendrik Sommer nach Schwedt gekommen. „PCK ist ein großer Arbeitgeber und Leuchtturm in der Ausbildung junger Leute. Uns interessiert es in Prenzlau sehr, wie es dem Unternehmen geht und wie es Herausforderungen im Strukturwandel meistert.“



