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Pflegekräfte: Erst beklatscht — jetzt droht „Klatsche“

Prenzlau / Lesedauer: 3 min

Pflegekräfte drohen leer auszugehen, was die Zahlung einer Inflationsausgleichsprämie betrifft. Ihre Arbeitgeber verweisen auf finanzielle Probleme.
Veröffentlicht:29.07.2023, 11:57

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Was wurden die Ärzte und Pflegekräfte zu Corona-Hochzeiten für ihren unermüdlichen Einsatz beklatscht und verbal gewürdigt. Aktuell droht einigen von ihnen allerdings eine finanzielle „Klatsche“, denn ob sie die Inflationsausgleichsprämie von bis zu 3000 Euro bekommen werden, ist alles andere als sicher.

„Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lassen für alle Krankenhäuser aufgrund der deutlich gestiegenen Sachkosten und im Hinblick auf die angekündigte Krankenhausreform wenig Spielraum für ungeplante Ausgaben, so auch für uns“, erklärte Torsten Jörres, Geschäftsführer des Schwedter Asklepios-Klinikum Uckermark, auf Nachfrage des Uckermark Kurier. Doch es gibt Hoffnung. „Wir sind aktuell in Verhandlungen mit dem Betriebsrat zu einer Inflationsausgleichszahlung für Pflegekräfte und sonstiges, nichtärztliches Personal“, erklärte Jörres weiter. Für die Ärzte hat der Marburger Bund bereits eine Inflationsausgleichsprämie mit Asklepios bereits verhandelt.

In der Asklepios-Klinik in Pasewalk habe die Geschäftsführung bereits zugesagt, im August 1200 Euro und dann monatlich 200 Euro mehr zahlen zu wollen“, erklärte eine dortige Pflegeschwester gegenüber der Redaktion. Aber dann habe die Geschäftsführung den Oberschwestern erklärt, mit dieser Zusage zu schnell gewesen zu sein. Der Mutterkonzern lehne diese Zahlungen ab, da die Pasewalker Klinik „rote Zahlen“ schreibe und es sich nicht leisten könne, zusätzliche Gelder für das Pflegepersonal auszugeben. Asklepios–Sprecher Mathias Eberenz bestätigte auf Nachfrage, dass das Krankenhaus sich erstmals in der Verlustzone befinde. Man sei dennoch zuversichtlich, die Klinik zukunftsfähig weiter betreiben zu können, „selbst unter den absehbar schlechten Bedingungen der von Bundesminister Lauterbach geplanten Krankenhausreform.“

GLG verweist auf hohe Tarifabschlüsse

Vergleichbar mit Pasewalk lasse die wirtschaftliche Situation der GLG-Krankenhäuser unter den derzeitigen Rahmenbedingungen und im Zuge der laufenden Krankenhausreform für weitere Zahlungen keine Spielräume, betont Andreas Gericke, Pressesprecher der Gesellschaft für Leben und Gesundheit (GLG). Zu deren Verbund gehören unter anderem die Krankenhäuser in Prenzlau und Angermünde. Eine Inflationsausgleichszahlung werde es in den GLG-Krankenhäusern der Uckermark nicht geben. Allerdings seien 2022 im GLG-Verbund Tarifeinigungen für die nichtärztlichen Beschäftigten in Prenzlau und Angermünde (schrittweise 16 Prozent mehr Lohn bis 2024), für alle GLG-Ärztinnen und -Ärzte (seit Oktober 2022 drei Prozent mehr, ab Oktober 2023 noch einmal 2,5 Prozent mehr), für die Beschäftigten der GLG-Zentrale rückwirkend zum Juli 2022 eine neue Lohneingruppierung mit Vorteilen für die meisten erzielt worden. So wurden in den GLG-Krankenhäusern Zeitzuschläge für die Regelarbeit, für die Rufbereitschaft und in Teilbereichen erweiterte Urlaubsansprüche eingeführt.

Die Tarifpartner am Sana Krankenhaus Templin haben sich auf Einmalzahlungen verständigt, informierte Carola Bräuer, Online-Managerin in der Sana Kliniken Berlin-Brandenburg GmbH. Der entsprechende Haustarifvertrag sei „endverhandelt, aber noch nicht in Kraft getreten. Sobald dies geschieht, ist die rechtliche Grundlage für die Einmalzahlungen gegeben.“

Keine höhere Vergütung durch Krankenkassen

Die inflationsbedingt gestiegenen Kosten müssten eigentlich durch höhere Vergütungen durch die Krankenkassen kompensiert werden, so Carola Bräuer: „Dies ist allerdings bei Weitem nicht der Fall, sodass die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben immer weiter auseinanderklafft.“ So angespannt die wirtschaftliche Lage auch sei, sie führe nicht dazu, die medizinische Versorgung einzuschränken, versichert sie.