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Plötzlicher Tod

Polizist sammelt Spenden für Witwe mit drei kleinen Kindern

Lützlow / Lesedauer: 4 min

In Gramzow hat eine Familie den Vater verloren. Jetzt wollen viele Menschen der hinterbliebenen Frau, die in der Pflege arbeitet, helfen.
Veröffentlicht:28.12.2020, 18:07

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Lutz Lange hat als Polizist schon viele Tragödien miterlebt. Vor allem an Unfälle mit Kindern erinnert sich der Beamte selbst Jahre später noch mit Schrecken zurück. Das Leid der betroffenen Familien hat den 53-Jährigen oft sogar bis in den Feierabend begleitet, wie er sagt. „Ich konnte und kann nur schlecht abschalten, wenn etwas Schlimmes passiert”, räumt der Lützlower ein – froh, an seinem aktuellen Arbeitsplatz jetzt nicht mehr direkt damit konfrontiert zu sein. Dementsprechend nahe ging dem Uckermärker deshalb ein Drama, das sich vor Kurzem in seiner Nachbarschaft abgespielt hat. Nur einen Ort weiter starb zwei Tage vor Heiligabend völlig unerwartet ein junger Familienvater. „Der 41-Jährige wachte am Morgen einfach nicht mehr auf. Nicht nur seine Frau und die drei kleinen Kinder leben seitdem vermutlich unter Schock”, bestätigt Lutz Lange: „Unser ganzes Dorf ist total fassungslos.” Der plötzliche Tod des allseits beliebten Fensterbauers habe ein großes Loch in ihre Gemeinschaft gerissen, bestätigt die Frau des Polizisten, die wie die junge Witwe in der Pflege arbeitet: „Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie den Angehörigen jetzt zumute ist. Es muss furchtbar für sie sein, gerade jetzt in dieser besonderen Zeit.”

Kurz vorm Fest

Vor allem, dass die drei Kinder ihren geliebten Papa so kurz vor Weihnachten verloren hätten, gehe ihr als Mutter sehr nahe, setzt sie leise hinzu. Mit ihrem Mitgefühl stehen die Langes nicht alleine da. Viele Bewohner aus Lützlow, Gramzow und der näheren Umgebung haben bereits signalisiert, dass sie die Hinterbliebenen gern unterstützen möchten – ein Zeichen dafür, dass der Tote nicht nur als liebevoller Familienvater, sondern auch als einsatzbereiter Feuerwehrmann wahrgenommen wurde, der sich sogar in der Kirche und bei Dorfveranstaltungen sehr engagierte. Innerhalb weniger Tage sind bereits mehrere hundert Euro für die Angehörigen zusammengekommen.

„Wir haben uns per Telefon und WhatsApp schnell verständigt, dass geholfen werden muss”, erzählt Lutz Lange dem Uckermark Kurier, direkte Treffen seien ja nicht möglich gewesen. Und selbst Leute, denen das Schicksal im Coronajahr übel mitgespielt habe, seien spontan bereit gewesen, sich zu beteiligen, stellt der Lützlower heraus. „Das zu sehen, ist schön und gibt einem den Glauben an das Gute im Menschen zurück. Die Welt ist vielleicht doch besser, als man denkt”, bekräftigt der Initiator der Hilfsaktion.

Finanzielle Not

Natürlich sei ihnen allen nur zu gut bewusst, dass alles Geld dieser Welt den Schmerz über den Verlust nicht lindern könne, ergänzt der langjährige Verkehrspolizist im Interview: „Da ist jemand urplötzlich nicht mehr da. Das ist schrecklich und mit nichts wiedergutzumachen. Aber ich kann mir vorstellen, dass man schnell in finanzielle Not gerät, wenn ein Verdiener ausfällt, zumal sich die Familie gerade Haus und Hof zugelegt hatte.”

An die Presse gewandt haben sich die Spendensammler, um den Radius der Hilfen zu erweitern. Die Arbeitgeberin der jungen Witwe hat beispielsweise zugesagt, neben der für sie selbstverständlichen Unterstützung ihrer Angestellten mit ihrem Unternehmen auch als Anlaufstelle zu fungieren.

Kontaktlos Hilfe möglich

Im Flur des Pflegedienstes von Doreen Koch in Gramzow, Am Markt 15, steht seit Montag eine Box, in die Geld getan werden kann. Auch Listen, in die sich die Spender eintragen können, werden ausgelegt. Unter Berücksichtigung der Hygieneauflagen ist damit die Chance gegeben, der Uckermärkerin kontaktlos zu helfen, versichert Doreen Koch auf Nachfrage. Sie freut sich sehr für ihre Mitarbeiterin, dass so schnell eine Welle der Hilfsbereitschaft angerollt ist. Obwohl die junge Frau aktuell vermutlich noch gar keinen klaren Gedanken fassen kann, wird sie im Nachgang dankbar sein, dass es Menschen gibt, die Anteil nehmen und ihr mit den Kindern helfen wollen.